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Panorama

03. Dezember 2016 | 18:49 Uhr

Brad Pitt und Angelina Jolie getrennt : Schicksal Scheidungskind: Was das für die Kleinen bedeutet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kinder von Brad Pitt und Angelina sind jetzt Scheidungskinder. Doch damit sind sie nicht allein.

Hollywood ist mit dem Ende von „Brangelina“ – seines Traumpaares beraubt – nicht mehr das, was es jahrelang war. Die Trennung der Megastars Angelina Jolie und Brad Pitt ist ein genüsslich ausgeschlachteter Schock für die Klatschwelt – und wahrscheinlich ein echter für ihre sechs Kinder, für die ihre Familie jetzt nicht mehr das ist, was sie jahrelang war.

Maddox und Pax, Zahara und Shiloh, Vivienne und Knox teilen nun ein Schicksal mit Hunderttausenden Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Allein 2015 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 163.335 Ehen geschieden. Im Jahr 2014 waren es mit 166.199 noch ein paar mehr; betroffen davon waren 134.803 minderjährige Scheidungskinder, die ihr Zuhause so, wie sie es kannten, verloren. Offizielle Zahlen über Trennungskinder von unverheirateten Eltern gibt es nicht. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) in München schätzt aber, dass jede sechste Familie mit minderjährigen Kindern in Deutschland eine Trennungsgeschichte hinter sich hat. Das DJI geht davon aus, dass mindestens jeder achte Minderjährige getrennt lebende Eltern hat. Andere Studien sprechen sogar von jedem Fünften. Im vergangenen Jahr waren laut Statistischem Bundesamt rund 1,5 Millionen Mütter und 180.000 Väter alleinerziehend. Damit war in neun von zehn Fällen der alleinerziehende Elternteil die Mutter.

„Wenn die Eltern sich trennen, ist das natürlich immer ein Einschnitt im Leben und ein Bruch in der Biografie eines Kindes“, sagt die Pädagogin Christine Entleitner-Phleps vom DJI. Das gelte auch für eine Trennung, die ohne großen Streit vonstatten gehe. „Wenn die Eltern sich kaum streiten und die Kinder vor vollendete Tatsachen gestellt werden, dann ist das für Kinder oft schwerer zu verstehen, als wenn es vorher offen ausgetragene, heftige Konflikte gab.“

Heftige Streitigkeiten zwischen den getrennt lebenden Eltern können allerdings zu „Loyalitätskonflikten“ aufseiten der Kinder führen. „Wir wissen, dass es Kinder sehr belastet, wenn sie zwischen den beiden getrennten Eltern stehen und sich loyal gegenüber beiden verhalten wollen.“ Das Wichtigste sei es darum, „dass die Trennung nicht zu sehr das Eltern-Sein beeinflusst und die Bedürfnisse des Kindes in den Fokus gerückt werden“.

Brad Pitt soll der Zeitschrift „People“ zur Trennung gesagt haben: „Ich bin sehr traurig darüber, aber was am meisten zählt, ist das Wohlbefinden unserer Kinder.“ Dass es nicht so einfach ist, diesen Fokus nach einer Trennung beizubehalten, zeigt die Zahl der Umgangs- und Sorgerechtsstreitigkeiten vor Gericht, die seit Jahren steigt.

Im Jahr 2014 landeten 146.862 Sorgerechts-Fälle und 56.400 Streitfälle über den Umgang mit den Kindern vor deutschen Familiengerichten. Zehn Jahre vorher waren es mit 84.138 und 36.653 noch deutlich weniger Fälle. Experten führen das auch darauf zurück, dass Väter heute nach einer Trennung von der Mutter ein größeres Interesse daran haben, mit Kindern aus der sogenannten „Altfamilie“ in Kontakt zu bleiben.

Die bundesweite Initiative „Mein Papa kommt“ hat diesen Trend erkannt und bietet ein Netzwerk von kostenlosen Übernachtungsmöglichkeiten bei privaten Gastgebern, wenn Väter, die weit entfernt von ihren Kindern leben, sich kein Hotel leisten können.

Jolie will laut dem über Promis oft gut informierten Portal TMZ, das zuerst über die Trennung berichtete und auch die Scheidungspapiere ins Netz stellte, dass Pitt nun lediglich ein Besuchsrecht für die sechs Kinder bekommt – der lehne das ab. Unstimmigkeiten über die Kindererziehung sollen ein Grund für die Trennung gewesen sein. „Wir wissen, dass die Zusammenarbeit in der Erziehung, das sogenannte Coparenting, maßgeblich mit der Beziehungsqualität zwischen den Eltern zusammenhängt“, sagt Pädagogin Entleitner-Phleps. „Wenn die Beziehung der Eltern leidet, dann steht dies im Zusammenhang mit weniger Einigkeit und vermehrten Konflikten in der Kindererziehung.“ Beim „Coparenting“ gehe es um die Zusammenarbeit in der Erziehung, um gegenseitige Unterstützung „und nicht darum, dass beide Partner den gleichen Erziehungsstil fahren müssen“.

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erstellt am 02.Okt.2016 | 14:59 Uhr

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