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Panorama

04. Dezember 2016 | 09:15 Uhr

Wohnungen und Geschäfte durchsucht : Razzia gegen Salafisten in Bremen

vom

Polizeikräfte aus fünf Bundesländern - darunter Schleswig-Holstein - waren in Bremen im Einsatz.

Bremen | Ein Streit über die Auslegung des Korans unter Salafisten hat einen Polizei-Großeinsatz in Bremen ausgelöst. Unterstützt von Spezialkräften aus anderen Bundesländern durchsuchten die Beamten am Dienstag mehrere Wohnungen und Geschäfte in der Hansestadt. Zuvor waren Hinweise eingegangen, dass zwei Menschen getötet werden sollen. Die Ermittler stellten die Identität von neun Verdächtigen fest, ließen sie danach aber laufen.

Der islamistischen Szene in Deutschland werden mehr als 43.000 Menschen zugerechnet, darunter schätzungsweise 8650 Salafisten. Bremen gilt als eine Salafisten-Hochburg. Experten schätzen die Zahl der Anhänger dieser extrem konservativen islamistischen Strömung im kleinsten Bundesland auf rund 360.

Für einen Haftbefehl reichten die Beweise nicht, sagte Staatsanwältin Petra Meyer. „Wir haben bisher nur einen Anfangsverdacht.“ Nach ersten Ermittlungen sollen im Zusammenhang mit dem Streit Ende der vergangenen Woche bereits zwei Salafisten verletzt worden sein. Ob es sich um dieselben handelt, die auch getötet werden sollten, konnte die Staatsanwaltschaft nicht sagen.

Die Ermittler hoffen, dass die beschlagnahmten Handys und Computer weitere Erkenntnisse bringen. Bei der Razzia stellten die Beamten außerdem Schreckschusswaffen, einen Elektroschocker, ein Messer und ein Beil sicher. Mehr als 200 Polizisten aus Bremen, Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein waren dabei am frühen Morgen in mehreren Stadtteilen im Einsatz.

Drei Tage vor den Durchsuchungen waren bei der Polizei ein anonymer Anruf und eine anonyme E-Mail eingegangen, wonach die Beschuldigten geplant hätten, zwei Salafisten zu töten, die eine andere Auffassung vom Koran und dem Leben im Islam hätten als sie selbst. Die Ermittler konnten daraufhin einen Zeugen ausfindig machen. Die auf seinem Handy gespeicherten Nachrichten bestätigten den Verdacht.

Unter den Verdächtigen befindet sich auch ein vor kurzem aus der Haft entlassener Salafist. Dieser ist Mitgründer eines seit 2014 verbotenen „Kultur & Familien Vereins“ (KuF). Ein Viertel der Vereinsmitglieder hatte sich nach Angaben von Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Sechs von ihnen wurden bei Kämpfen in Syrien getötet. Nach dem Verbot unterwanderten KuF-Mitglieder einen anderen islamischen Verein, den Mäurer im Februar ebenfalls verbieten ließ.

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erstellt am 26.Apr.2016 | 11:15 Uhr

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