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Zeitumstellung : Putins Russland stellt endgültig auf Winter um

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In Russland haben sich die Gegner der Sommerzeit durchgesetzt: Drei Jahre nach Abschaffung der Zeitumstellung will das größte Land der Erde ein letztes Mal am Uhrzeiger drehen.

Moskau | „Summertime and the livin' is easy“ („Sommerzeit macht das Leben leicht“) sang Jazz-Ikone Ella Fitzgerald einst. Die Russen haben damit jedoch ganz andere Erfahrungen gemacht. Selbst Kremlchef Wladimir Putin hatte mit der konstanten Sommerzeit, die vor knapp drei Jahren unter seinem Ziehsohn Dmitri Medwedew als „Vorteil für Mensch und Vieh“ eingeführt worden war, so seine Probleme. Vier Jahre vor der Austragung der nächsten Fifa-Fußball-Weltmeisterschaft hat die russische Staatsduma am Dienstag das leidige Thema beendet. Der „ewige Sommer“ ist Geschichte.

Nun wird sich das größte Land der Erde unter Wohlwollen großer Teile seiner Bevölkerung der astronomischen Zeit annähern. Am 26. Oktober können die Russen dann letztmals eine Stunde länger schlafen. Anders als in Mitteleuropa wird diese Zeit fixiert - eine Umstellung im Frühjahr wird es nicht mehr geben. Der Zeitunterschied zwischen Moskau und Berlin wird statt drei Stunden wieder zwei Stunden betragen.

Vladimir Putin macht die Sommerzeit zu schaffen.
Vladimir Putin macht die Sommerzeit zu schaffen. Foto: dpa
 

Nach der Einführung der Sommerzeit hatten viele Russen kritisiert, es sei im Winter morgens viel zu lange dunkel. Das Leben mit durchgehender Sommerzeit schlug den Menschen aufs Gemüt. Ärzte stellten eine steigende Zahl von Selbstmorden wegen Depressionen fest. Selbst dem Vieh ging es schlechter. Auch Putin klagte, er komme deswegen später als sonst „auf Touren“.

Wirklich neu ist, dass die Regionen des Landes ihre jeweiligen Zeitzonen jetzt selbst wählen und anpassen können. Die Zahl der Zeitzonen im größten Land der Erde wurde von neun auf elf erhöht. Jetzt muss nur noch Präsident Putin das Gesetz unterschreiben, dann wäre die russische „Zeitenwende“ besiegelt.

In Deutschland und Europa finden Zeitumstellungs-Gegner und Sommerzeit-Kritiker zwar Gehör, wenn es aber konkret wird, werden ihre Forderungen von den entscheidenden Instanzen meist überhört. Angesichts der turnusgemäß zwei Mal im Jahr akuten Debatte über Sinnhaftigkeit und Probleme mit der Umstellung haben erste Politiker Initiativen für eine Abschaffung gestartet.

Die Sommerzeit war nach den Ölkrisen der 1970er Jahre europaweit eingeführt worden, um das Tageslicht besser auszunutzen und so Energie zu sparen. Doch eine Erklärung der Bundesregierung aus dem Jahr 2005 bescheinigt, dass ein eher gegenteiliger Effekt eingetreten ist. „Im Hinblick auf den Energieverbrauch bietet die Sommerzeit keine Vorteile“ heißt es dort. Aufgrund der technischen und bürokratischen Transaktionskosten entstehe außerdem ein beträchtlicher volkswirtschaftlicher Schaden, sagen Gegner.

Wie Menschen sind auch Milchkühe nach der Zeitumstellung über mehrere Tage weniger leistungsfähig.
Wie Menschen sind auch Milchkühe nach der Zeitumstellung über mehrere Tage weniger leistungsfähig. Foto: dpa
 

Die Umstellung wirke wie ein Störsender auf die „innere Uhr“ heißt es bei der offenen Petition „Beibehaltung der Normalzeit - Abschaffung der Sommerzeitverordnung“. Die Zeitumstellung sei als „Mini-Jetlag“ mit einer gesundheitlichen Belastung für Mensch und Tier verbunden. „Es ist widersinnig, wenn der Mensch glaubt, sich den Gang der Sonne und der Zeit so zurecht biegen zu müssen, wie er es aus ökonomischen Gründen für angebracht hält“, heißt es in Begründung zur Bundestagspetition 46575. Uneins sind sich die Gegner, zu denen auch die CSU-Politikerin Ilse Aigner zählt, allerdings, ob nun die Normalzeit oder die Sommerzeit für das Wohlbefinden der Menschen die richtige Wahl wäre. Da ist man in Russland jetzt weiter.

Mit dpa

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erstellt am 02.Jul.2014 | 13:26 Uhr

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