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Panorama

11. Dezember 2016 | 01:22 Uhr

Fahndung nach Hamburger Rotlichtgrösse : Polizei-Schuß von Lutheran: Anklage gegen getroffenen Autofahrer

vom

Hamburger Spezialkräfte wollten eine verurteilte Rotlichtgröße in MV festnehmen. Doch ein falscher Mann wurde verfolgt. Auf ihn wurde geschossen, er verlor ein Auge. Nun wird Anklage gegen ihn erhoben.

Schwerin | Sechseinhalb Monate nach dem Schuss eines Polizisten auf einen Autofahrer bei der Fahndung nach einer Hamburger Rotlichtgröße hat die Schweriner Staatsanwaltschaft Anklage gegen das Opfer erhoben. Der 27-Jährige verlor bei dem Zwischenfall am 12. Februar in Lutheran (Landkreis Ludwiglust-Parchim) ein Auge. Ihm wird vorgeworfen, er habe mit seinem Wagen eine Sperre aus Zivilfahrzeugen der Polizei durchbrechen wollen und dabei einen Beamten des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) Hamburg verletzt, wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte.

Der 27-Jährige war am 12. Februar in einem geliehenen Auto unterwegs, das dem Gesuchten aus dem Rotlichtmilieu gehörte. Dieser war wegen Körperverletzung in Hamburg zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden, zum Haftantritt jedoch nicht erschienen.

Kräfte des MEK Hamburg keilten den Wagen, in dem sie den Mann vermuteten, in Lutheran mit zwei Zivilfahrzeugen ein und wollten ihn festnehmen. Der Gesuchte befand sich aber nicht in dem Auto. Schon einige Tage zuvor war ein Festnahme-Versuch in der Nähe gescheitert. Auch da hatte man den Gesuchten fälschlicherweise am Ort vermutet.

Bei der Einkeilung soll der 27-Jährige am Steuer das Auto stark beschleunigt und ein Einsatzfahrzeug vor sich gerammt haben. Ein Polizeibeamter vor diesem Fahrzeug sei von dem Wagen erfasst und am Knie verletzt worden. Ein anderer Polizist habe zwei Warnschüsse abgegeben, ein dritter schließlich „in Nothilfe“ auf den Autofahrer geschossen.

Dieser wurde am Kopf getroffen und lag mehrere Tage im Koma. Die Ermittlungen gegen den Schützen wegen Körperverletzung im Amt wurden den Angaben zufolge eingestellt. Er hat nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Schwerin rechtmäßig gehandelt.

Der Anwalt des angeschossenen Mannes hatte nach dem Zwischenfall schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben, weil sie im Vorfeld nicht sicher ermittelt habe, wer im Auto sitze. Sein Mandant habe erst an einen Verkehrsunfall, dann an einen Überfall geglaubt. Die Beamten seien nicht als Polizisten erkennbar gewesen, sondern hätten Leder- und Armeejacken sowie Sturmhauben getragen. Einen Monat nach dem Zwischenfall von Lutheran meldete sich die gesuchte Rotlichtgröße schließlich selbst zum Haftantritt.

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erstellt am 31.Aug.2016 | 14:34 Uhr

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