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Panorama

24. August 2016 | 03:29 Uhr

Nach Razzia in Heikendorf bei Kiel : Panzer in Villa: Bundeswehr half bei Instandsetzung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Geschichte um den Panzer aus Heikendorf wird immer kurioser: Für 28.000 Euro hielten Soldaten der Bundeswehr den „Panther“ fahrbereit.

Der Staat hat den Panzer beschlagnahmt – aber auch bei der Überholung des Motors geholfen. Die Geschichte des „Panthers von Heikendorf“ wird immer verrückter: Wie das Verteidigungsministerium dem sh:z bestätigt, haben Experten der Bundeswehr den Weltkriegspanzer in der Privatsammlung eines Millionärs fahrbereit gehalten.

Ob das legal war, ist fraglich. Verantwortliche sollen bereits zittern.

1985 ist in Solingen ein denkwürdiges Bild entstanden. Es zeigt eine der ersten Probefahrten des restaurierten „Panthers“. Im Turm steht ein junger Mann in olivgrüner Uniform. Das Foto hat Symbolcharakter. Ohne die Expertise staatlicher Stellen hätte Finanzmakler Klaus-Dieter F. (78) sein Gefährt wohl niemals herrichten können.

Geholfen hat ihm die Bundeswehr nachweislich von 2011 bis 2014. Klaus-Dieter F. hatte die WTD 41, die Wehrtechnische Dienststelle, in Trier angeschrieben – mit der Bitte, bei der Instandsetzung des Motors zu helfen. „Der Motor wurde vom 28. November bis 2. Dezember 2011 in Heikendorf von zwei Mitarbeitern der WTD 41 ausgebaut“, sagt ein Sprecher des Bundesamts für Ausrüstung, das dem Verteidigungsministerium unterstellt ist.

Er sei dann zu einer Fachfirma transportiert worden. „Dort erfolgte die Instandsetzung mit Unterstützung von WTD-Mitarbeitern.“ Im Beisein von Herrn F. habe es dann im dritten Quartal 2013 einen Prüflauf gegeben. Im März 2014 brachten die Soldaten den runderneuerten Motor zurück und bauten ihn wieder ein, was fünf Tage dauerte.

„Für die Unterstützungsleistung wurden Herrn F. 28.317 Euro in Rechnung gestellt und fristgerecht bezahlt“, sagt der Sprecher. Und betont, es habe keine weiteren Hilfen durch die Wehrtechnische Dienststelle 41 gegeben.

Möglicherweise waren andere Stellen involviert. Nach der Probefahrt vor 30 Jahren war Klaus-Dieter F. in Plauderlaune. Dem „Solinger Tageblatt“ stellte er sich als einer der größten privaten Militariasammler der Bundesrepublik vor und erzählte, wie er den „Panther“ von einem Schrottplatz in England geholt und in Solingen einen Mechaniker gefunden habe, der auf altes Wehrmaterial spezialisiert sei.

In dessen Werkstatt im Lager einer ehemaligen Brauerei sei fünf Jahre an dem Panzer gearbeitet worden – mit Hilfestellung des Panzermuseums in Munster und der Wehrtechnischen Studiensammlung (WTS) der Bundeswehr in Koblenz. Von einem Schrottgelände der französischen Armee bei Nancy habe man vier heruntergekommene Originalmotoren des Typs „Maybach HL 230 P30“ geholt. Die Bundeswehr sei nämlich auch im Besitz von zwei „Panthern“, die sie restaurieren wolle.

Die Restaurierung des Panzers sei nicht unterstützt worden, heißt es aus dem Bundesamt für Ausrüstung dazu. Kontakte zu dem Millionär werden aber nicht bestritten: „Herr F. ist seit 1982 Mitglied im Verein der Freunde und Förderer der Wehrtechnischen Studiensammlung. Er hat dem Verein Geld- und Sachspenden zukommen lassen.“

Die Frage ist jetzt, ob die Verantwortlichen wussten, dass sie ein illegales Kriegsgerät in Schuss gehalten haben.

Das Bundesamt für Ausrüstung geht von einer „Demilitarisierung“ des Panzers aus – ohne bislang zu belegen, wie man zu diesem Schluss gekommen ist. Die Staatsanwaltschaft Kiel hat nach der Beschlagnahme ein Gutachten erstellen lassen. Demnach sollen der Panzer, die Flak und der Torpedo eben nicht demilitarisiert sein. In der Bundeswehr fürchtet man nun Ermittlungen, die Staatsanwaltschaft soll die Unterstützung des Millionärs auf dem Schirm haben. Klaus-Dieter F. selbst war nicht zu erreichen. Seinem bisherigen Anwalt hat er das Mandat entzogen.

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erstellt am 22.Jul.2015 | 19:47 Uhr

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