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Panorama

03. Dezember 2016 | 20:53 Uhr

Star der heute-show : Oliver Welke: Die pseudoseriöse Rampensau wird 50

vom

Oliver Welke hat am Dienstag 50. Geburtstag. Glückwunsch! Haltung hatte er schon, da war er noch keine 30.

Es muss 1995 gewesen sein. Betriebsversammlung bei radio ffn, einem damals noch sympathischen Privatradio im Niedersächsischen. ffn war berühmt dafür, trotz privat nicht flach zu sein. Dafür sorgte auch Welke, zusammen etwa mit Oliver Kalkofe oder Dietmar Wischmeyer, gemeinsam Teil einer kongenialen Truppe unter dem Titel „Frühstyxradio”.

An jenem Sommernachmittag im Pelikan-Hotel in Hannover verkündete ein neuer Programmdirektor, dass sich etwas ändern müsse bei ffn. Die Quoten gingen runter. „Hits die brennen“ hieß das Motto, um den Sender massenkompatibler zu machen. Kalkofe und Welke hörte man anschließend fluchen mit Begriffen, aus denen man heutzutage ein Schmähkritik-Gedicht zusammendengeln würde. Bald darauf war Welke weg. Auf Dudelsender hatte er keine Lust.

Welke sattelte um auf sein zweites Steckenpferd neben der Comedy: Fußball. Sat.1 hatte mit der Sendung „ran“ die Bundesligarechte - und Welke war das, was man heute Fieldreporter nennt. Später, so erzählte er in einem Interview, durfte er ins Studio: „Dort wurden mir die Trainer zugeführt. Das ist etwas bequemer, als da hinterherzurennen.“ Als Welke noch Fieldreporter war, war er dünner.

Sein Verhältnis zu Comedy und Fußball schilderte Welke so: „Fußball war immer die Konstante, die Unterhaltung das zweite Standbein.“

Ob es nun so war oder umgekehrt: Zumindest machte Fußball Welke bundesweit bekannt. Vor allem seine Moderationen der Champions-League-Spiele mit Oliver Bierhoff auf Sat.1.

2002 kehrte Welke zurück zum Radio, auch wenn RTL bei der Hörfunksendung  „7 Tage, 7 Köpfe“ unnötigerweise eine Kamera mitlaufen ließ. Dort machte Welke etwas, das an Mut kaum zu überbieten war: Er übernahm 2003 bei dessen Ausscheiden die Stammgastrolle von Rudi Carrell, damals der Deutschen liebster Komiker. Der soll sich angeblich gar nicht Welke gewünscht haben, sondern Dieter Nuhr. Hat für Welke trotzdem geklappt.

Überhaupt: 2003. Der Wixxer als Film. Schon bei ffn spielten Kalkofe und Welke mit Edgar-Wallace-Motiven. Nun, da beide berühmt sind, bringen sie die Hexer-Parodie mit Bastian Pastewka auf die große Leinwand. Den „geschmacklosen Humor“ (Lexikon des internationalen Films) schauten sich im Kino fast zwei Millionen an. Welke hatte es vom Mann, der den Trainern hinterherrennt, zum Kinostar geschafft.

Das Fußball-Geschäft lief derweil weiter für Welke auf Sat.1. In Sachen Comedy folgten Produktionen, an die sich ohne Wikipedia niemand mehr erinnern würde. „Guinness - die Show der Rekorde“ oder „Die Große Show des unnützen Wissen“. Kalkofe über Welke: „Jeden Tag 'ne andere Show, die Rampensau im Telezoo.“

Ab 2009 dann aber das Meisterstück: die heute-show. Auch hier tritt er wieder in die Fußstapfen Carrells, der einst die Tagesshow in die ARD brachte.

Schon bei „7 Tage, 7 Köpfe“ waren die fehlenden Haare Welkes Ziel von Spott. Der Vergleich von heute mit der Pilotfolge der heute-show zeigt: Beim ZDF kann Welke in Würde das Resthaar verlieren und ein Equivalent an Gesichtsspeck zulegen.

Sein Aussehen und die öffentlich Diskussion darüber, das ist inzwischen eine dritte Konstante in Welkes Leben. Das Fachblatt „Journalist“ fragte ihn sogar einmal direkt nach seinem „suboptimalen Aussehen“. Seine Antwort: Es gehe „um dieses Pseudoseriöse, was man mir zubilligt“.

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erstellt am 18.Apr.2016 | 18:49 Uhr

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