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Panorama

05. Dezember 2016 | 13:40 Uhr

Forscher aus Rostock : Nicht nur süß - Seehunde haben ein gutes Zeitgefühl

vom

Seehunde können Zeitintervalle sogar im Millisekundenbereich unterscheiden. Für Forscher ist das eine neue Erkenntnis.

Rostock | Seehunde haben ein Gespür für die Zeit. Ihr instinktives Zeitgefühl sei sogar so ausgeprägt, dass sie Intervalle im Millisekundenbereich unterscheiden könnten, berichteten Wissenschaftler des Robben-Forschungszentrums der Universität Rostock. Sie haben in einer einjährigen Studie herausgefunden, dass ein Seehund abschätzen kann, wie lange ein Ereignis dauert. Nach Angaben der Rostocker Wissenschaftler ist diese Erkenntnis neu.

Bislang hätten Biologen gedacht, dass Tiere keinen Sinn für Vergangenheit oder Zukunft hätten: Sie würden ausschließlich im hier und jetzt leben. „Zeit ist kein Reiz, wie es ein optischer Reiz ist“, sagte Frederike Hanke. Die Wissenschaftler im Robbenforschungszentrum „Marine Science Center Rostock“ bezeichnete den Zeitsinn der Seehunde als fundamentale Eigenschaft. „Zeitkontrolle spielt wahrscheinlich für Robben eine entscheidende Rolle, vor allen Dingen in einem Lebensraum, in dem es teilweise externe Reize nicht oder nur begrenzt gibt“, sagte Frederike Hanke.

Für sie sei es wichtig einzuschätzen, wie lange sie schon abgetaucht sind oder welche Strecke sie in welcher Zeit zurückgelegt haben. Bei der Futtersuche muss das Tier entscheiden, ob es sich lohnt, weiter nach einem Fisch zu suchen, oder ob er lieber auftaucht zum Atmen.

Auch bei der Orientierung im offenen Meer könne ein Zeitgefühl helfen: Wenn Sonne oder Sterne für eine Orientierung nicht zur Verfügung stehen, könne das eventuell durch einen gut ausgeprägten Zeitsinn aufgefangen werden, sagte die Wissenschaftlerin.  Um die Bedeutung von Zeit und Zeitempfinden für Robben zu erforschen, hat Tamara Heinrich von der Universität Rostock ein Jahr lang ein Experiment mit einem Seehund durchgeführt. Die Wissenschaftlerin prüfte, ob das 13 Jahre alte Tier Zeitintervalle unterscheiden kann.

Dafür musste die Robbe auf einem Computerbildschirm einen Kreis beobachten, der für eine vorprogrammierte Zeit aufleuchtete. Dann leuchtete ein zweiter Kreis auf - und die Robbe musste entscheiden, ob er länger oder genauso lang auf dem Bildschirm zu sehen war wie der erste. Je nach Entscheidung tippte die Robbe entweder links oder rechts vom Bildschirm eine Kugel. Für eine richtige Entscheidung gab es einen Fisch und somit für das Tier stets eine neue Motivation. „Wir haben die Genauigkeit des Zeitgefühls für viele Zeitintervalle zwischen 3 und 30 Sekunden bestimmt“, sagte Heinrich. Ob auch andere Meeressäuger dieses Zeitgefühl besitzen, müsse noch erforscht werden.

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erstellt am 18.Aug.2016 | 16:03 Uhr

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