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Panorama

08. Dezember 2016 | 08:55 Uhr

Nummer Eins der deutschen Album-Charts : Nach Schießerei in Köln: Gangster-Rapper Xatar stellt sich der Polizei

vom

Xatar wurde per Haftbefehl gesucht. Dem Rapper werden versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Köln | Es war ein blutiger Streit vor einer Bar in der Kölner Innenstadt, bei dem geschossen wurde und bei dem es einen Schädelbruch und Messerstiche gab. Über eine Woche ist das her. Mittlerweile haben die Ermittlungen die Spitze der deutschen Charts erreicht: Rapper Xatar, der jüngst Platz eins des Album-Rankings eroberte, wurde mit Haftbefehl gesucht. Am Dienstag stellte er sich der Polizei, muss aber unter Auflagen nicht in Untersuchungshaft.

Xatar, mit bürgerlichem Namen Giwar Hajabi, ist aktuell einer der erfolgreichsten Rapper in Deutschland. Sein neues Album „Der Holland Job“ hat die Spitze der Charts erreicht. In der Rap-Szene gibt es immer wieder gegenseitige Provokationen in Liedtexten. Das gehört zum Geschäft. Es erscheint als möglich, dass sich zwischen Xatar und einem anderen Rapper ein Streit so hochgeschaukelt hat, dass es zu der blutigen Auseinandersetzung kam.

Die Staatsanwaltschaft glaubt, der Hintergrund für die Tat könnte ein Streit unter Musikern sein - zwischen dem Bonner Xatar und einem anderen Rapper. Nach übereinstimmenden Medienberichten handelt es sich dabei um KC Rebell, der sich mit Xatar „gedisst“ hat. Von einer rheinischen Rapper-Fehde ist die Rede. Das Motiv sei aktuell aber noch ein wenig im Bereich der Spekulationen, sagt Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer dazu.

Am Tag nach dem blutigen Streit postet KC Rebell ein Foto auf Instagram, das ihn vor der Kölner Bar zeigt. Dazu die Sätze: „Die Olympia findet grad in Köln statt. Nach dem ersten Knall rennen alle los.“ Bei dem Opfer der Auseinandersetzung handelt es sich um einen Mitinhaber der Shisha-Bar „Rebell-Lounge“. Diese wiederum gehört zu einer Kette, die von Rapper Hüseyin Köksecen, so heißt KC Rebell mit bürgerlichem Namen, gegründet wurde.

Die Olympia findet grad in Köln statt. Nach dem ersten Knall rennen alle los #freitagkriegstdudeinepromo

Ein von Hüseyin Köksecen (@rebell45) gepostetes Foto am

 

Was nach Darstellung der Ermittler bekannt ist: Zeugen rufen in der Tatnacht die Polizei und berichten von einem heftigen Streit mit mehreren Personen in der Kölner Innenstadt. Mehrere Fahrzeuge sollen schnell weggefahren sein. Eine Streife stoppt einen 34-Jährigen in einem Auto - die Reifen sind zerschnittenen, die Frontscheibe zerschlagen. Er hat einen Schädelbruch und Stichverletzungen. Schwerverletzt kommt er in ein Krankenhaus. Am Tatort werden Patronenhülsen gefunden.

Die Frage, wer den 34-Jährigen so zugerichtet hat, führt die Ermittler in die Rap-Szene. Den konkreten Angriff werfen sie drei Männern vor. Einer wird am Freitag festgenommen, die anderen - zwei Brüder - erscheinen am Montag selbst bei der Polizei. Die Staatsanwaltschaft rechnet sie Xatars Umfeld zu.

Auch nach dem Rapper selbst wird schließlich per Haftbefehl gesucht. Dieser äußert sich zunächst in der „Bild“-Zeitung (kostenpflichtiger Inhalt): Er wisse, dass er bei den Ermittlungen zu dem Vorfall eine Rolle spiele. „Dazu erkläre ich aber, dass ich daran nicht beteiligt war.“

Am Dienstag schließlich wird er selbst mit einem Verteidiger auf dem Kölner Polizeipräsidium vorstellig. Im Gegensatz du den drei anderen Verdächtigen wird ihm nicht vorgeworfen, die Tat selbst ausgeführt zu haben. Aber er soll in der Nähe gewesen sein - und wird daher als möglicher Mittäter angesehen. Die Vorwürfe lauten auf versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung. In Untersuchungshaft muss der Musiker aber nicht, wie ein Haftrichter am Dienstag entschied.

Xatar habe eine Kaution hinterlegt, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Zudem sei dem Rapper eine Meldeauflage erteilt worden.

Der Künstler-Name Xatar kommt aus dem Kurdischen und bedeutet „Gefahr“. Mit einem Image als böser Junge zu kokettieren, gehört in der Rap-Szene mitunter zum guten Ton und wird in den Texten geradezu zelebriert. Auch verbale Scharmützel mit Provokationen, Schmäh-Raps und dem gegenseitigen „dissen“ sind unter Rappern ziemlich normal. Auch zwischen Xatar und einem anderen Rapper rumorte es kürzlich.

Dass ein Rapper, der gerade mit seiner Platte die Albumcharts erklommen hat, per Haftbefehl gesucht wird, ist allerdings ein Vorgang, der in Deutschland seinesgleichen sucht. Sein Erfolgsalbum „Der Holland Job“ hat Xatar mit seinem Offenbacher Rap-Kollegen Aykut Anhan aufgenommen. Dessen Künstlername ist „Haftbefehl“.

Xatar wurde wegen 2010 bereits zu acht Jahren Haft verurteilt. Er war 2009 beim Überfall auf einen Goldtransporter beteiligt. Seit 2014 ist der Rapper wieder auf freiem Fuß. Bis heute ist nicht bekannt, was mit den erbeuteten Goldbarren im Wert von rund 1,7 Millionen Euro passiert ist.

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erstellt am 24.Aug.2016 | 10:21 Uhr

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