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Panorama

11. Dezember 2016 | 03:19 Uhr

Prozess in Potsdam : Nach Mord an Mohamed und Elias: Silvio S. bekommt Höchststrafe

vom

Der Mann soll beide Kinder missbraucht und getötet haben. Jetzt bekam er als Kindermörder lebenslange Haft.

Potsdam | Für die Morde an den kleinen Jungen Elias und Mohamed ist Silvio S. zur Höchststrafe verurteilt worden. Das Landgericht Potsdam verhängte am Dienstag lebenslange Haft und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine Freilassung des 33-Jährigen später erschwert. Der Vorsitzende Richter sprach in der Urteilsbegründung von „zwei unbegreiflichen Straftaten“.

Hintergrund: Lebenslange Haft und besondere Schwere der Schuld

Lebenslange Haft ist die höchste Strafe in Deutschland. Sie kann frühestens nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. Wird der Antrag eines Verurteilten auf Aussetzung der Reststrafe abgelehnt, kann er alle zwei Jahre neu gestellt werden. Wenn das Gericht eine besondere Schwere der Schuld festgestellt hat, kann der Täter allerdings nur in Ausnahmefällen - etwa bei hohem Alter oder schwerer Krankheit - nach 15 Jahren freikommen.

Eine besondere Schwere der Schuld kann vorliegen, wenn die Tat besonders verwerflich war, der Täter sehr brutal und grausam vorgegangen ist oder dem Opfer große Qualen zufügt hat.

Was bedeutet Sicherheitsverwahrung?

Die Sicherungsverwahrung ist anders als die Haft keine Strafe für ein Verbrechen. Sie dient dazu, die Allgemeinheit vor Tätern zu schützen, die ihre Strafe bereits verbüßt haben, aber weiterhin als gefährlich gelten. Bis 1998 galt für die Sicherungsverwahrung eine Höchstgrenze von zehn Jahren. Eine Gesetzesverschärfung schaffte diese Grenze ab. Straftäter konnten damit unbegrenzt eingesperrt bleiben, solange sie als gefährlich galten. Dies galt auch für Altfälle.

Zum 1. Juni 2013 trat eine Neuregelung in Kraft. Dabei wurde der Katalog der Taten reduziert, auf die eine Sicherungsverwahrung folgen kann. Außerdem wurden Regeln für den Vollzug der Sicherungsverwahrung aufgestellt. Da die Verwahrung keine Strafe ist, müssen die Bedingungen deutlich besser sein als in der Strafhaft und es muss ein größeres Therapieangebot geben.

Der Wachmann hatte den sechsjährigen Elias laut Urteil im Juli 2015 im Wohnblock seiner Eltern in Potsdam entführt. Den vierjährigen Mohamed habe der 33-Jährige vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales im Oktober 2015 angesprochen und mitgenommen. „Sie haben sie entführt, der Freiheit beraubt, sexuell missbraucht und in der Absicht getötet, ihre Taten zu verdecken“, so der Richter.

Der 33 Jahre alte Angeklagte hatte im Verfahren zu den Vorwürfen geschwiegen und sich erst ganz am Ende mit einer kurzen Erklärung an die Hinterbliebenen gewandt. „Es gibt kein Wort auf der Welt, das beschreiben könnte, wie leid es mir tut. Wenn ich es ungeschehen machen könnte, würde ich es tun. Ich selbst aber kann mir das nicht verzeihen.“ Konkrete Angaben zu den Vorwürfen machte Silvio S. im Prozess nicht. Damit bleiben viele Fragen offen. Besonders zu den letzten Stunden von Elias hatte sich das Gericht mehr Aufklärung erhofft.

Der 33-Jährige war Ende Oktober festgenommen worden. Die Mutter des Angeklagten hatte ihren Sohn auf Bildern von einer Überwachungskamera erkannt. Der Prozess lief unter strengen Sicherheitskontrollen, weil es in sozialen Netzwerken ernstzunehmende Drohungen gegen S. gab.

Der Wachmann ist nach Angaben eines psychiatrischen Gutachters voll schuldfähig. Obwohl ein Handyvideo aus dem Telefon des 33-Jährigen den Missbrauch des Vierjährigen zeigt, ist der Mann nach Einschätzung des Psychiaters auch nicht pädophil. Für so eine Neigung gebe es keinen sicheren Hinweis. „Ich bin der Überzeugung, dass Kinder als Opfer ausgewählt wurden, weil sie leichter mitzunehmen und körperlich besser beherrschbar sind“, sagte der Gutachter. Er stütze sich auf ein Gespräch mit dem Angeklagten und auf Schilderungen des Umfelds.

Elias starb nach Ansicht eines Gerichtsmediziners durch „gewaltsames Ersticken“. Möglicherweise sei er erstickt, nachdem ihm eine Art Halskrause, ein Knebel und eine Latexmaske um den Kopf gelegt worden seien. Solches Zubehör war bei Silvio S. gefunden worden, daran waren DNA-Spuren von Elias. Das Erscheinungsbild des toten Kindes weist laut dem Sachverständigen eindeutig auf schweren Missbrauch hin.

Den vierjährigen Mohamed soll Silvio S. im Oktober am Landesamt für Gesundheit und Soziales mitgenommen, zu seiner Wohnung gefahren und missbraucht haben. Als das Kind dann nach Stunden gequengelt habe, soll der 33-Jährige den Jungen stranguliert haben. Laut seinen Schilderungen bei der Polizei geschah dies, weil Silvio S. Angst hatte, dass sein Vater von der Kindesentführung Wind bekommen könnte. Außerdem habe er zu seiner Arbeit fahren müssen und nicht gewusst, wohin mit dem Kind. Videoaufnahmen überführten ihn schließlich.

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erstellt am 26.Jul.2016 | 10:51 Uhr

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