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Panorama

06. Dezember 2016 | 09:19 Uhr

Chemiekonzern in Ludwigshafen : Nach Explosion bei BASF: Noch ein Vermisster, acht Schwerverletzte

vom
Aus der Onlineredaktion

Zwei Mitarbeiter der Werksfeuerwehr sind tot. 17 Menschen wurden leicht verletzt.

Ludwigshafen  | Bei den beiden Getöteten bei der Explosion auf dem BASF-Gelände handelt es sich um Mitarbeiter der Werksfeuerwehr. Die Zahl der Vermissten habe sich auf eine Person reduziert, teilte BASF am Dienstagvormittag mit. Die Zahl der Schwerverletzen stieg auf acht. 17 Menschen wurden leicht verletzt, sechs von ihnen liegen auf der Intensivstation. „Es steht zum Teil nicht sehr gut um diese Menschen“, sagte Dieter Feid, für die Feuerwehr zuständiger Dezernent der Stadt Ludwigshafen. Sechs weitere Menschen in der Nacht in der Ambulanz der BASF untersucht worden und konnten an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

Die noch vermisste Person im Hafenbecken vermutet. Ein Einsatz von Tauchern sei derzeit aber noch nicht möglich, sagte der Chef der Feuerwehr Ludwigshafen, Peter Friedrich. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal hat Ermittlungen eingeleitet.

Am Montag war zunächst von sechs Vermissten die Rede gewesen. Nach dem Abgleich von Mitarbeiterlisten habe sich die Zahl auf zwei und später auf eins reduziert, sagte die Sprecherin. Einige Mitarbeiter hatten sich selbst in ärztliche Behandlung begeben.

Die Ursache der Explosion ist noch immer unklar. Nach dem Brand an einer Rohrleitung des Nordhafens war es zu dem Unglück gekommen. In der Folge brannten nach BASF-Angaben Rohrleitungen mit Ethylen und Propylen. Ethylen werde unter anderem zur Herstellung von Dämmstoffen und Lösemitteln verwendet, Propylen werde unter anderem bei der Produktion von Autolacken und Klebstoffen benutzt.

Greenpeace-Mitarbeiter Manfred Sanden entnahm am Rhein Wasserproben - ein Ergebnis erwartet er für Anfang kommender Woche. Sollte es sich bei den verbrannten Stoffen tatsächlich um Propylen und Ethylen handeln, sei es zwar problematisch. Allerdings wären die Folgen bei freigesetzten chlorierten Kohlenwasserstoffen noch schwerwiegender.

Hintergrund: BASF in Ludwigshafen

Der Chemieriese BASF wickelt an seinem Heimatstandort Ludwigshafen mehr als 40 Prozent des dortigen Güterumschlags über Binnenschiffe ab. Insgesamt sind dort drei Häfen in Betrieb. Das Werksgelände in der rheinland-pfälzischen Stadt am Rhein ist nach Angaben des Unternehmens mit rund zehn Quadratkilometern Fläche das größte zusammenhängende Chemieareal der Welt. Dort arbeiten mehr als 39.000 Beschäftigte, das entspricht etwa einem Drittel aller BASF-Mitarbeiter weltweit.

Zwischen dem Landeshafen Nord und dem Rhein wurden Wassersperren errichtet. Sie sollen verhindern, dass Chemikalien in den Fluss gelangen. Auf einer Pressekonferenz am Mittag wollen Stadt Ludwigshafen und BASFweitere Informationen geben.

Zum wirtschaftlichen Schaden könne man noch keine Angaben machen, sagte die BASF-Sprecherin. „Dazu ist es noch zu früh.“ Bei der Produktion gibt es infolge der Explosion vom Montag Einschnitte. Da die Rohstoffversorgung noch unterbrochen sei, blieben die sogenannten Steamcracker heruntergefahren, teilte das Unternehmen mit. Rund 20 weitere Anlagen seien in der Folge ebenfalls heruntergefahren worden oder liefen im Teillastbetrieb.

Hintergrund: Große Chemie-Katastrophen

September 1921: Bei einer Explosion in einem Ammoniak-Werk der BASF bei Ludwigshafen sterben 585 Menschen.

Juli 1948: In der Nitrolack-Fabrik der BASF explodiert ein Kesselwagen. 200 Menschen kommen ums Leben, 3800 werden verletzt.

Juli 1976: In einer Tochterfirma des Schweizer Chemiekonzerns Hoffmann-La Roche entweicht hochgiftiges Dioxin. Hunderte Bewohner von Seveso bei Mailand werden in Sicherheit gebracht, viele schwer vergiftet.

November 1979: Ein mit Chemikalien beladener Güterzug entgleist und explodiert bei Toronto. 250.000 Menschen fliehen vor giftigen Gasen, verletzt wird niemand.

Dezember 1984: Im indischen Bhopal treten in einer Fabrik des US-Konzerns Union Carbide mehrere Dutzend Tonnen hochgiftiges Methylisocyanat aus. Rund 3000 Menschen sterben, etwa 170.000 werden verletzt.

November 1986: Nach einem Feuer im Baseler Werk der Firma Sandoz fließen etwa 20 Tonnen Gift in den Rhein. Hunderttausende Fische verenden.

Februar 1993: Bei einem Betriebsunfall im Stammwerk des Hoechst-Konzerns in Frankfurt am Main entweichen zehn Tonnen eines zum Teil giftigen Chemikaliengemischs und regnen auf die umliegenden Wohngebiete herab.

September 2001: In einer Düngemittel-Fabrik bei Toulouse kommt es zu einer Explosion. 31 Menschen sterben, 2500 werden verletzt.

Oktober 2010: Giftiger Bauxitschlamm aus einer Aluminiumhütte überschwemmt mehrere Dörfer in Ungarn. Dem Umweltdesaster fallen mindestens neun Menschen zum Opfer, rund 150 werden verletzt.

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erstellt am 18.Okt.2016 | 12:28 Uhr

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