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Panorama

04. Dezember 2016 | 15:22 Uhr

Tod von Reeva Steenkamp : Mildes Urteil: Sechs Jahre Haft für Oscar Pistorius

vom

Oscar Pistorius erschoss seine damalige Freundin durch die Toilettentür. Dem Paralympics-Star drohten nach einem Prozessmarathon in Südafrika mindestens 15 Jahre Gefängnis.

Pretoria | Ein südafrikanisches Gericht hat den früheren Spitzensportler Oscar Pistorius wegen der tödlichen Schüsse auf seine Freundin zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Damit wich die zuständige Richterin Thokozile Masipa am Mittwoch in Pretoria erheblich von den gesetzlich vorgesehenen mindestens 15 Jahren ab. Sie betonte, dass die „mildernden Umstände schwerer wiegen als die belastenden Faktoren“. Damit komme ein geringeres Strafmaß in Frage.

Verteidigung und Berufung konnten noch am Mittwoch Berufung einlegen. Die Verteidigung will jedoch nicht gegen die Entscheidung vorgehen, wie der örtliche Nachrichtensender eNCA berichtete. Der unterhalb der Knie amputierte Sportler hatte am Valentinstag 2013 seine damalige Freundin Reeva Steenkamp durch die geschlossene Toilettentür in seiner Villa erschossen. Der 29-Jährige beteuerte stets, Einbrecher dahinter vermutet zu haben.

Er war in erster Instanz wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein und erzielte Ende 2015 in zweiter Instanz eine Verurteilung wegen „Mordes“, was im deutschen Rechtssystem dem Totschlag entspricht.

Hintergrund: Oscar Pistorius - Ausnahmesportler auf der Anklagebank

Der Paralympics-Star Oscar Pistorius galt in seiner Heimat Südafrika als eine Art Volksheld. Der beinamputierte Sportler kam 1986 in Johannesburg mit einem Gendefekt zur Welt. Pistorius fehlten Wadenbeine und äußere Fußseiten - im Alter von elf Monaten wurden ihm beide Beine unterhalb der Knie amputiert.

Das hinderte Pistorius nicht an einer beeindruckenden Sportkarriere: Bei Paralympischen Spielen gewann der Sprinter auf eigens angefertigten Prothesen insgesamt sechs Goldmedaillen über 100, 200, 400 und 4 x 100 Meter.

„Er war schon immer sehr entschlossen, wie ein Bullterrier“, sagte einst sein stolzer Vater über ihn. Doch sein Ziel waren die Olympischen Spiele. In London startete er 2012 als erster beinamputierter Sportler der Olympia-Geschichte.

Kein Jahr später endete Pistorius Erfolgsgeschichte. Ausgerechnet am Valentinstag 2013 erschoss der Sportler seine damalige Freundin, das Model Reeva Steenkamp - der Beginn eines Prozessmarathons. Er behauptete stets, einen Einbrecher im Haus vermutet zu haben.

In erster Instanz wurde der ehemalige Spitzensportler wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft ging in Berufung - das neue Urteil lautete Mord - was nach deutschem Recht am ehesten Totschlag entspricht.

 

Der Paralympics-Star Pistorius galt in seiner Heimat als eine Art Volksheld. „Er ist ein gefallener Held, er hat seine Karriere verloren, er ist finanziell ruiniert“, erklärte Masipa. Außerdem sei Pistorius ein Ersttäter. Es sei unwahrscheinlich, dass er noch einmal das Gesetz brechen werde. Masipa betonte auch, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass Pistorius und Steenkamp eine gewalttätige Beziehung führten.

Pistorius hörte den Ausführungen der Richterin regungslos zu und blickte häufig auf den Fußboden. Er wirkte sichtlich angeschlagen, auch die Familie der Toten war im Gerichtssaal. Steenkamps Vater, Barry Steenkamp, hatte bei der Anhörung über der Strafmaß im Juni mit einer emotionalen Aussage gerührt. Er sprach unter Tränen über den Verlust seiner Tochter. Richterin Masipa erklärte, keine Entscheidung eines Gerichts könne der Familie Reeva zurückbringen.

Masipa folgte bei ihrer Entscheidung der Version der Verteidigung, dass Pistorius aus Angst um sein Leben schoss. Der 29-Jährige trug zum Tatzeitpunkt seine Prothesen nicht und habe sich daher verletzlich gefühlt.

Eine Chronologie des Falls:

Februar 2013

Pistorius (28) erschießt am Valentinstag 2013 seine damalige Freundin Reeva Steenkamp durch eine geschlossene Toilettentür. Er sagt später, er habe hinter der Tür einen Einbrecher befürchtet. Nach dem Tod seiner Freundin Reeva Steenkamp wird Pistorius als Mordverdächtiger festgenommen.

 

März 2014

Zum Prozessbeginn beteuert Pistorius erneut seine Unschuld.

Mai 2014

Der Angeklagte wird auf Anordnung des Gerichts Tagespatient in der Psychiatrie, um seine Schuldfähigkeit zu prüfen. Eine Psychiaterin hatte Pistorius eine Angststörung bescheinigt.

Juni 2014

Pistorius ist Gutachtern zufolge voll schuldfähig.

September 2014

Er entgeht einer Verurteilung wegen Mordes. Die Richterin spricht ihn wegen fahrlässiger Tötung schuldig.

 

Oktober 2014

Pistorius wird zu fünf Jahren Haft verurteilt.

März 2015

Der Prozess soll neu aufgerollt werden, die Staatsanwaltschaft will eine Verurteilung wegen Mordes erreichen. Die Richterin weist die Einwände der Anwälte zurück.

Juni 2015

Das Berufungsverfahren soll im November beginnen. Außerdem wird bekannt, dass Pistorius am 21. August nach nur zehn Monaten Haft auf Bewährung entlassen wird.

November 2015

Das Berufungsverfahren beginnt. Staatsanwalt Gerrie Nel forderte in der Berufungsverhandlung in der südafrikanischen StadtBloemfontein eine Verurteilung wegen Totschlags zu mindestens 15 Jahren Haft.

Dezember 2015

Ein südafrikanisches Berufungsgericht hat ein schärferes Urteil gegen den früheren Sprint-Star Oscar Pistorius gesprochen. Die vorherige Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung sei falsch gewesen, sagte ein Richter zur Begründung. Wörtlich erklärte er, Pistorius habe sich mit der Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp am Valentinstag 2013 des „Mordes“ schuldig gemacht. Nach deutschem Recht entspricht dies am ehesten dem Tatbestand des Totschlags.

Juli 2016

Das zuständige Gericht gibt die Höhe des Strafmaßes bekannt.

 
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