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Panorama

03. Dezember 2016 | 18:47 Uhr

Trotz Waffenruhe in Syrien : Luftangriffe auf Klinik in Aleppo – mindestens 30 Tote

vom

Die nordsyrische Stadt wird seit Tagen umkämpft. Einer der letzten Kinderärzte im Bezirk ist unter den Opfern.

Aleppo | Trotz Waffenruhe sind bei Luftangriffen auf ein Krankenhaus im nordsyrischen Aleppo nach Angaben von Rettungshelfern mindestens 30 Menschen getötet worden. Etwa 60 Menschen seien bei dem Bombardement des von Rebellen gehaltenen Gebietes in der umkämpften Großstadt verletzt worden, berichteten die örtlichen Helfer am Donnerstag.

Erst im Februar sorgte ein schwerer Angriff auf Kliniken und Schulen in Syrien für mediale Aufmerksamkeit. Damals verloren fast 50 Menschen ihr Leben. Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge sind seit vergangenen Freitag insgesamt 139 Zivilisten bei Angriffen von Regimekräften und Rebellen in Aleppo umgekommen. Human Rights Watch (HRW) schätzte die Zahl am Mittwoch auf 89 Zivilisten.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF), die die Klinik unterstützt, sprach von mindestens 14 toten Patienten und Ärzten. „Dieser schlimme Angriff hat ein unverzichtbares Krankenhaus in Aleppo und das wichtigste Zentrum für Kinderheilkunde in der Gegend zerstört“, teilte der Leiter von MSF in Syrien, Muskilda Sankada, mit. Das Al-Kuds-Krankenhaus in dem Stadtteil Al-Sukari werde demnach von der Organisation mit medizinischer Ausstattung versorgt. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mindestens 27 Toten. Unter ihnen seien wenigstens drei Kinder sowie einer der letzten Kinderärzte in dem Bezirk.

Das Bombardement traf den Rettungshelfern zufolge auch umliegende Gebäude, in dem medizinisches Personal untergebracht war. Es würden noch Menschen unter den Trümmern vermisst. Zunächst war unklar, wer für die Angriffe verantwortlich war. In den vergangenen Monaten wurden der syrischen Regierung sowie Russland wiederholt gezielte Angriffe auf Kliniken vorgeworfen.

Aleppo gilt als das wichtigste Schlachtfeld in dem seit mehr als fünf Jahren andauernden Konflikt. Die Stadt wird teilweise von Einheiten Assads, teils von Rebellengruppen kontrolliert. Das Regime versucht, die letzte Nachschubroute der Aufständischen zu kappen und diese damit in Aleppo einzuschließen.

In der Nacht zum Donnerstag hatte der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, in Genf gewarnt, die derzeit geltende Waffenruhe sei „in großer Gefahr“ und könne „jederzeit kollabieren“. Er rief deshalb die USA und Russland zu einer neuen gemeinsamen Friedensinitiative „auf höchster Ebene“ auf. Washington und Moskau hatten die über Wochen stabile Waffenruhe im Februar durchgesetzt.

De Mistura sagte, erst wenn die seit Tagen anhaltenden Angriffe in Aleppo und anderen Orten aufhören, sehe er die Möglichkeit, einen Termin für die Fortsetzung der Genfer Syrien-Gespräche anzusetzen. Aus Protest waren deshalb die Vertreter der Opposition Ende vergangener Woche abgereist. De Mistura räumte ein, es gebe noch „erhebliche Differenzen“ zwischen den Delegationen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich besorgt über die eskalierende Gewalt in Syrien. „Wir müssen mit unseren Möglichkeiten - und die sind vor allem auf der Seite der Amerikaner und Russen - danach suchen, das Kampfgeschehen wieder zu beruhigen“, sagte er.

Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge sind seit vergangenen Freitag mindestens 148 Zivilisten bei Angriffen von Regimekräften und Rebellen in Aleppo umgekommen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) schätzte die Zahl am Mittwoch auf 89 Zivilisten.

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erstellt am 28.Apr.2016 | 12:54 Uhr

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