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Panorama

11. Dezember 2016 | 11:04 Uhr

Urteil aus Straßburg : Kein Methadon für Häftling: Deutschland verstieß gegen Menschenrechte

vom

Ein Häftling aus Bayern hatte geklagt. Ihm wurde Methadon verwehrt. Das geht wohl bald nicht mehr.

Straßburg | Wegweisendes Urteil: Deutschland hat gegen die Menschenrechte verstoßen, indem einem heroinabhängigen Häftling aus Bayern über Jahre im Gefängnis ein Ersatzstoff wie Methadon verwehrt wurde. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg wertete das am Donnerstag als unmenschliche Behandlung. Beschwerde eingereicht hatte ein 1955 geborener Mann, der in der Justizvollzugsanstalt im bayerischen Kaisheim jahrelang kein Methadon bekommen hatte.

Das Urteil aus Straßburg hat eine Signalwirkung: Wird es rechtskräftig, können sich Gefangene, denen einen Methadonbehandlung verwehrt wird, künftig immer darauf berufen.

In Deutschland entscheidet nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS) jede Haftanstalt selbst, ob sie ein Methadon-Programm anbietet. Bayernweit bekamen nach Angaben des Justizministeriums 2015 nur 45 Gefangene eine Ersatzbehandlung. Gegen das Urteil kann binnen drei Monaten Berufung eingelegt werden, es ist noch nicht rechtskräftig.

Methadon als Ersatzdroge

Methadon dient als synthetischer Drogenersatz in der Suchttherapie. Der opiatähnliche Stoff unterdrückt Entzugssymptome, macht aber ebenfalls süchtig. Anders als Heroin führt Methadon jedoch nicht zu rauschartigen Zuständen. Die Ersatzdroge soll Abhängigen dabei helfen, aus der Beschaffungskriminalität herauszufinden und ein weitgehend normales Leben zu führen.

Wie wird Methadon verabreicht?

Methadon kann als Tablette geschluckt oder in flüssiger Form genommen werden. Weil es einen bitteren Geschmack hat, wird es mit Saft verdünnt getrunken.

Wie wirkt Methadon?

Methadon wirkt ähnlich wie Morphium, gilt aber als noch stärkeres Schmerzmittel. Eine Überdosierung kann zum Tod führen. Besonders für Kinder ist Methadon schon in geringer Dosierung gefährlich.

 
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erstellt am 01.Sep.2016 | 11:39 Uhr

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