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Panorama

09. Dezember 2016 | 10:46 Uhr

Oberlandesgericht in Köln : Jörg Kachelmann gegen „Bild“ und „Springer“: Gericht verringert Entschädigung auf 395.000 Euro

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Wettermoderator verlangte fast eine Million Euro. Jetzt bekam er viel weniger zugesprochen.

Köln/Frankfurt | Die „Bild“-Zeitung muss dem Wettermoderator Jörg Kachelmann 395.000 Euro für die Berichterstattung über den Prozess gegen ihn bezahlen - viel weniger als in erster Instanz festgelegt. Das entschied das Oberlandesgericht Köln am Dienstag. In erster Instanz hatte das Landgericht Köln ihm 635.000 Euro zugesprochen.

2010 wurde Jörg Kachelmann wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer ihm nahestehenden Frau verhaftet. Es stand Aussage gegen Aussage - und der Fall zeigte, wie schwer es ist, bei Vergewaltigungen die Frage der Schuld zu klären. Im anschließenden Gerichtsprozess wurde die Anklage gegen Kachelmann fallengelassen. Sein Ruf war zerstört.

Kachelmann war 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. In der Berichterstattung über seinen Prozess hatte die „Bild“-Zeitung nach Ansicht der Richter in ihrer gedruckten Ausgabe und online mehrfach die Grenzen des Erlaubten überschritten und Kachelmanns Persönlichkeitsrecht schwer verletzt. Eine zielgerichtete Kampagne von Springer zusammen mit anderen Medien konnten allerdings weder das Landgericht noch das Oberlandesgericht erkennen.

Die bisher höchste Entschädigung in einem ähnlichen Verfahren lag bei 400.000 Euro für die schwedische Prinzessin Madeleine, ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg von 2009.

Der Schweizer Wettermoderator hatte 950.000 Euro Entschädigung verlangt - zunächst lag seine Forderung bei 2,25 Millionen. Der Grund: Durch die Berichterstattung über den Prozess wegen mutmaßlicher Vergewaltigung 2011, in dem Kachelmann angeklagt war, aber nicht verurteilt wurde, sieht er sich verleumdet.

Ihm war in erster Instanz bereits eine Rekordentschädigung von 635.000 Euro zugesprochen worden - es war jedoch weniger, als er gefordert hatte. Gegen das Urteil hatten sowohl Kachelmann als auch die Beklagten Berufung eingelegt. Das Oberlandesgericht erwägt im Vorfeld eine Entschädigung zwischen 395.000 und 415.000 Euro.

Doch dem Wettermoderator reichte das nicht. Sowohl Kachelmann als auch die Beklagten legten Berufung ein. In der Sendung Schulz & Böhmermann trat Kachelmann im Januar ins Rampenlicht und redete über sein Leben nach dem Freispruch und viele Klagen gegen Medien und Journalisten:

Verfahren: Jörg Kachelmann gegen seine Ex-Geliebte

Neben dem Bild-Springer-Verfahren nähert sich das von Kachelmann angestrengte Schadenersatz-Verfahren gegen seine Ex-Geliebte sich dem Ende. Vor einer möglichen Entscheidung sollen vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Donnerstag (14. Juli) zwei weitere Zeugen gehört werden. Dabei geht es nach Angaben eines Justizsprechers um die Frage, ob Kachelmann alle von ihm geltend gemachten Kosten persönlich getragen hat.

Der Schweizer Wetterfachmann verlangt von seiner Ex-Geliebten Claudia D. mehr als 13.000 Euro für Gutachten, mit deren Hilfe er sich im Strafprozess gegen ihren Vergewaltigungsvorwurf verteidigt hatte. Er muss im Zivilverfahren aber beweisen, dass die Frau die Unwahrheit gesagt hat. Kachelmann war vor gut fünf Jahren vom Landgericht Mannheim freigesprochen worden.

Nach Angaben eines OLG-Sprechers hat eine Firma einen Teil der Kosten für die damaligen Gutachten überwiesen. Kachelmann habe jedoch erklärt, er habe den für ihn ausgelegten Betrag zurückbezahlt. Nach Ende der Beweisaufnahme kann das Gericht einen Verkündungstermin ansetzen. Ob noch am Donnerstag ein Urteil ergeht, war nach Angaben des Sprechers unklar.

Das Landgericht Frankfurt hatte in der ersten Instanz die Klage Ende 2013 abgewiesen. Im Berufungsverfahren gelten Kachelmanns Aussichten als besser: Bei der mündlichen Verhandlung im Januar hatte die Kammer erkennen lassen, dass sie die Klage für durchaus berechtigt hält. Ein gegen die OLG-Kammer vom Anwalt von Claudia D. angestrengter Befangenheitsantrag wurde inzwischen abgewiesen.

Verfahren: Jörg Kachelmann vs. Alice Schwarzer

In einem anderen Verfahren vor dem Oberlandesgericht in Köln musste Kachelmann im März bereits eine juristische Niederlage einstecken - gegen Alice Schwarzer. Dabei ging es um einen Artikel Schwarzers für die „Bild“-Zeitung, für die sie über den damaligen Prozess gegen Kachelmann berichtet hatte. Seine Anwälte hatten sich vor Gericht unter anderem gegen einen Absatz aus dem „Bild“-Zeitungs-Text gewehrt. In diesem schrieb Schwarzer, Frauen würden Kachelmann vor Gericht vorwerfen, in ihrer Beziehung „gewalttätig“ gewesen zu sein. Seine Anwälte betrachteten das als einen Eingriff in die Intimsphäre. Faktisch habe das für das Verfahren gar keine Rolle gespielt.

Das Landgericht hatte erst auf Unterlassung entschieden, das Oberlandesgericht die Klage in der Folge aber abgewiesen. Begründung: Der Absatz sei als wertende Zusammenfassung so zulässig. Danach sei auf die einzelnen Aussagen der Frauen Bezug genommen worden. Diese Passagen seien wiederum nicht angegriffen worden.

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erstellt am 12.Jul.2016 | 12:34 Uhr

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