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Panorama

07. Dezember 2016 | 15:39 Uhr

Nach Ende von „Sanft & Sorgfältig“ : Jan Böhmermann und Olli Schulz auf Spotify: Diesen Sonntag geht's los

vom

Böhmermanns Fernsehsendung pausierte nur, die Radiosendung mit Olli Schulz endete ganz. Zum Unmut vieler Fans. Diesen Sonntag geht stattdessen ein Podcast der beiden auf Spotify online.

Berlin | Nur drei Tage, nachdem Böhmermanns TV-Show „Neo Magazin Royal“ bei ZDFneo am Donnerstag, 12. Mai, wieder zu sehen ist, soll das erste neue Podcast von Jan Böhmermann und Olli Schulz zu hören sein. Das teilte der Streamingdienst am Montag in seinem Blog mit. Zum Namen der neuen Show nach dem Ende der bisherigen Show „Sanft & Sorgfältig“ hieß es lapidar: „Das dürfen wir Euch noch nicht verraten.“ Auf einer Reihe von Plakaten, die für den neuen Podcast werben sollen, wird mit verschiedenen Möglichkeiten gespielt: „Abgefuckt & Anspruchslos“ etwa gab es schon länger, „Maskulin & Mariniert“, „Potent & Preisgekrönt“ sowie „Vegan & Verschmust“ sind neu hinzugekommen. Zu Inhalten des neuen Podcasts sei noch nichts mitzuteilen, sagte eine Sprecherin von Spotify.

Moderator Jan Böhmermann hatte in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“  ein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vorgetragen und einen Skandal um die Pressefreiheit ausgelöst. Er zog sich zurück und äußerte sich wochenlang nicht öffentlich. Während die Fernsehsendung nur pausierte, wird die gemeinsame Radiosendung mit Olli Schulz nicht mehr zurückkommen.

Auch Jan Böhmermann teilte auf seiner Facebook-Seite ein Foto, auf dem ein Plakat mit dem ersten Sendetermin zu sehen ist.

Spotify ist weltweiter Marktführer unter den Streamingdiensten. Beim Streaming werden Musikstücke oder andere Audiobeiträge direkt aus dem Netz abgespielt.

Olli und Jan kehren zurück.
Olli und Jan kehren zurück. Foto: Henning Kaiser
 

Ende April hatte das Duo angekündigt, „sanft & sorgfältig“ beim RBB-Sender Radioeins nicht fortsetzen zu wollen. Viele Fans der Sonntagsshow waren enttäuscht. Auch nach der Ankündigung des Podcasts kommentierten einige Hörer, sie würden die Sendung nicht mehr hören wollen. Den beiden Moderatoren wird in Kommentaren vorgeworfen, zu kommerziell zu werden. Es gingen Vermutungen um, man würde die Sendung nur mit einem kostenpflichtigen Account hören können.

Schulz und Böhmermann widersprechen diesen Vorwürfen. Jan Böhmermann postet ein Musikvideo von Blumfelds „Wir sind frei“ und äußert: „Achja, den Spotify Podcast von Olli Schulz und mir gibt es natürlich für alle Nicht-Abonnenten kostenlos!“

Singer, Songwriter und Entertainer Olli Schulz reagiert empfindlicher auf die Vorwürfe. Er erklärt in einem Kommentar unter Böhmermanns Fotos, dass es nicht nur um Geld ginge, sondern vielmehr um das gestörte Verhältnis zum öffentlich-rechtlichen Sender. „Wir haben den Job 3 Jahre aus Leidenschaft gemacht. [...] Als wir nach 3 Jahren um eine überschaubare Gehaltserhöhung gefragt haben, ist ein Sender abgesprungen und die anderen haben abgelehnt. Außerdem wurden alle alten Podcasts vom RBB aus der iTunes Mediathek heruntergenommen und ich hatte keine Lust mehr, neue Einspieler zu produzieren. Das Gejammer der Öffentlich-rechtlichen finde ich beschämend, weil sie alle Möglichkeiten hätten, innovative Sendungen zu gestalten, aber es einfach nicht machen. Jan und ich werden jedenfalls mit der gleichen Hingabe wie zuvor, ab Mitte Mai weitermachen.“

In der Radiosendung hatten die beiden Moderatoren öfter darüber gescherzt, mit der Sendung so wenig Geld zu bekommen. Auch ein Ende der Sendung war mehrmals im Gespräch. Außerdem hatte nicht etwa Spotify die beiden dem Radiosender abgeworben. Böhmermann und Schulz haben sich an den Streaming-Dienst gewandt.

Aber vor dem neuen Podcast wird die erste Sendung „Neo Magazin Royale“ nach Böhmermanns Pause auf Sendung gehen. Die Fernsehsendung wird am Mittwoch aufgezeichnet und am Donnerstag, den 12. Mai, auf ZDF Neo ausgestrahlt. Zu Gast wird Linke-Politiker Gregor Gysi sein. Die Witze am Anfang der Show wird Böhmermann allerdings nicht selbst schreiben. Er hat seine Zuschauer aufgefordert, Gags einzusenden.

 

Die Erwartungen vor der Show sind hoch. Die Frage: Legt Böhmermann nach? Oder kurz: Fällt der Name Erdogan?

Die Vorgeschichte im Schnelldurchlauf: Ende März liest Böhmermann im „Neo Magazin Royale“ ein derbes Gedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor. Er will damit den Unterschied zwischen erlaubter Satire und verbotener Schmähkritik deutlich machen, wie er sagt. Das ZDF streicht den Beitrag aus der Wiederholung der Sendung und aus der Mediathek. Aber dabei bleibt es nicht: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bewertet das Gedicht als „bewusst verletzend“, Erdogan geht rechtlich dagegen vor. Die Bundesregierung gibt dem Wunsch der Türkei nach Strafverfolgung gegen Böhmermann wegen möglicher Beleidigung eines Staatsoberhauptes statt.

Böhmermann war schon zuvor dafür bekannt, mit gezielten Provokationen Wirkung zu erzielen. Seine besten Nummern spielte er dabei in der Regel über Bande - Stichwort „Varoufake“. Verwirrte oder wütende Reaktionen von außen gehören bei ihm oft zum Witz dazu.

Die Welle nach dem Erdogan-Gedicht dürfte aber selbst ihn überrascht haben. Deutschland diskutierte plötzlich ein sperriges Thema wie Kunstfreiheit und die Grenzen der Satire. Manch einer kramte schnell nach juristischer Fachliteratur, um diesen ominösen „Majestätsbeleidigung-Paragrafen“ zu finden. Und selbst der „Dönermann von Böhmermann“ („Bild“) brachte es zu etwas medialer Prominenz („Er kommt sonst mindestens einmal in der Woche, bestellt meistens den Lammspieß“).

Böhmermann allerdings verschwand von der Bildfläche. Seine Sendungen sagte er ab, bei Twitter und Facebook verstummte er. Man gewann den Eindruck, dass ihm die Dinge entglitten waren. Zeitweise stellte ihn die Kölner Polizei sogar unter Polizeischutz. Böhmermann war zuvor nie der Typ Show-Star gewesen, dem die Herzen zuflogen, manche hielten ihn eher für einen kalten Schnösel. Nun hieß es auf Twitter flehend „Halte durch Böhmi!“. Es wurde ein bisschen menschlich.

Mittlerweile redet er wieder, nicht nur auf Twitter und Facebook. Merkel habe ihn „filetiert“ und „einen deutschen Ai Weiwei“ aus ihm gemacht, sagte er der „Zeit“. Vor allem der Vergleich mit dem chinesischen Künstler, der zeitweise in Haft saß, kam nicht überall gut an. Vielleicht wäre es auch eine Schublade tiefer gegangen.

Böhmermanns Antwort: „Jetzt hält sich Böhmermann ernsthaft für Ai Weiwei. Also entweder ist der völlig verblödet oder ich!“. Man könnte daher annehmen, dass er wieder im Böhmermann-Modus ist.

 

Wird er in der Sendung das Gedicht ansprechen? „Das lässt sich schwer prognostizieren“, sagt Medienwissenschaftlerin Joan Bleicher. Viele Zuschauer würden natürlich genau darauf hoffen. Sein Team kündigte bereits die Themen an, um die es wohl gehen werde. Darunter „Erdogans Schwiegersohn als Premier der Türkei im Gespräch“. Allerdings mit dem Zusatz „Auf Sodomie-Gags könnt ihr verzichten“.

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erstellt am 10.Mai.2016 | 11:50 Uhr

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