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Panorama

09. Dezember 2016 | 01:02 Uhr

ZDF-Satire „Neo Magazin Royale“ : Jan Böhmermann ist zurück: Der „blasse, dünne Junge“ gegen Erdogan und Gina-Lisa Lohfink

vom

Jan Böhmermann konnte es nicht lassen. In der ersten Folge nach der Sommerpause seiner Satiresendung „Neo Magazin Royale“ am Donnerstagabend nahm er erneut den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in die Zange.

Der „blasse dünne Junge“, wie der Satiriker sich selbst nennt, ließ es nach Coups wie „Varoufake“ und dem Einschleusen von Schaupielern in die RTL-Sendung „Schwiegertochter gesucht“ in der ersten Sendung nach der Sommerpause vergleichsweise sachte angehen. Dennoch bekamen Politiker und andere Prominente ihr Fett weg:

Böhmermann vs. Recep Tayyip Erdogan:

„Ein Putsch ist antidemokratisch und falsch“, sagte Böhmermann, „ganz im Gegensatz zu dem, was nach dem Putsch in der Türkei passierte und bis heute passiert, quasi sowas wie Erdogans lockere After-Putsch-Party. Alle sind eingeladen, aber er ist der einzige, der feiern darf.“ Dazu zeigte er einen Clip mit einem Disco-Tänzer aus den Siebzigerjahren, dem digital das Antlitz Erdogans aufgesetzt worden war.

„Liebe 6000 türkische Geheimdienstmitarbeiter in Deutschland“, rief Böhmermann. „Putsch, und wir waren wieder nicht da, das gibt’s doch nicht!“

Dabei blieb es dann aber. „Sie können nicht erwarten, dass ich sackdoof, feige und verklemmt Witze über die Türkei mache“, betonte Böhmermann. Sackdoof, feige und verklemmt? Das waren Zitate aus seinem Gedicht „Schmähkritik“, das ihm im März so viel Ärger eingehandelt hatte. Zumindest diese Anspielung musste wohl sein.

Einen verbalen Hieb versetzte er noch der Grünen-Politikerin Claudia Roth. Ihr habe Erdogan die Feunde in der Türkei und ihr Ferienhaus genommen. „Jetzt muss Claudia Roth ganz allein auf ihrer Jacht rumsitzen.“

Böhmermann vs. Gina Lisa Lohfink:

Satiriker Böhmermann: Die Lohfink habe mit ihrer Geldstrafe in einem Prozess um eine angebliche oder tatsächliche Vergewaltigung „vor Gericht Silber geholt, immerhin!“ Und er setzte nach. „Ich halte zu Gina Lisa, ob sie will oder nicht.“ Dann inszenierte er sich als männlicher Frauenrechtler. Frauen nämlich, so Böhmermann, hätten in so einer Sendung „noch viel härter draufgehauen“.

Böhmermann vs. Alexander Gauland:

Nach dem Abspielen einer Filmsequenz, die den AfD-Politiker Alexander Gauland bei der Aussage zeigte „Heute tolerant, morgen fremd im eigenen Land“ sagte Böhmermann, das Zitat stamme von dem Album „Tolerant und geisteskrank“ der Band „Gigi und die braunen Stadtmusikanten“. Die AfD, setze Böhmermann nach, habe von dem Amoklauf eines deutsch-iranischen 18-Jährigen in München nicht profitieren können, da er in den rechten Reihen als Ausländer, der Ausländer erschieße, Verwirrung ausgelöst habe.

Böhmermann vs. Boris Johnson:

Der britische Politiker mit der auffälligen Haartracht sehe aus wie „ein ungemachtes Bett“, und: „Boris Johnson und die dunkle Seite der Macht haben gewonnen“, sagte Böhmermann. Dazu lief ein Filmausschnitt, in dem Johnson eine Handbewegung macht, die einen Kameramann rückwärts stürzen zu lassen scheint – als habe Johnson übernatürlich Kräfte wie der Star-Wars-Schurke Darth Vader.

Böhmermann vs. Wolfgang Bosbach:

Als „das alte Schlachtross der CDU“ moderierte Böhmermann seinen Studiogast Wolfgang Bosbach an. „Es gibt keinen Menschen, der auf der Klaviatur des Sommerlochs so spielen gelernt hat wie unser heutiger Gast. Meine Damen und Herren: Wobo!“

Bosbach, gut gelaunt und gewohnt braungebrannt, nahm die Frage, ob die Kanzlerin schon auf seine Ankündigung, sich aus dem Bundestag zurückzuziehen, reagiert habe, gelassen: „Die Kanzlerin hat noch gar nicht reagiert, das erwarte ich auch nicht. Sie muss die Welt retten.“

Böhmermann bat ihn um einen Rückblick auf seinen Sturz in einen Gully während eines Mallorca-Urlaubs. Bosbach berichtete, er habe Glück gehabt, viele andere in einer solchen Situation hätten sich ernsthaft verletzt. Außerdem habe er ja dann mit Hilfe eines freundlichen spanischen Bauarbeiters „der spanischen Unterwelt entsteigen“ können.

Böhmermann vs. Böhmermann:

Zur Show gehörte auch ein Musikvideo, in dem der Satiriker als POL1Z1STENSOHN über sich als „blassen dünnen Junge“ rappt.

Mit Zeilen wie: „Warum ist dieser blasse dünne Junge so respected?“

„Blasser dünner Junge kommt, Asi mit Abi. Blasser Dünner junge kommt, lieb‘ ihn oder hass‘ ihn.“

„Blasser dünner Junge kommt, Bizeps wie Kate Moss.“

„Ich mach‘ gewaschene Gehirne wieder schmutzig. Ich überhol‘ dich hart beim Ampelstart im Toyota Auris.“

„Für Zecken bin ich Nazi, für Nazi bin ich Zecke.“

Am Schluss war ein Bild zu sehen, auf dem Böhmermann nur teilweise von einem Laken bedeckt im Bett liegt - neben lauter weiteren Nackten mit den Gesichtern etwa von Kanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Joachim Gauck sowie Günther Jauch und Stefan Raab.

Die Sendung ist in der ZDF-Mediathek abrufbar. Auf ZDFneo wurde sie am Donnerstag um 22.30 Uhr gezeigt, und am 26.8. soll sie im ZDF-Hauptprogramm (0.45 Uhr) wiederholt werden.

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erstellt am 26.Aug.2016 | 08:58 Uhr

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