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Panorama

08. Dezember 2016 | 10:55 Uhr

Fastenmonat der Muslime : Hintergrund: Was passiert eigentlich zu Ramadan?

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Kein Essen, nicht einmal Wasser: Warum Muslime im Ramadan tagsüber auf so vieles verzichten.

Einen Monat tagsüber nichts essen - der islamische Fastenmonat fällt in diesem Jahr einmal mehr in die Zeit um die Sommersonnenwende. Besonders in nordischen Ländern heißt das für viele gläubige Muslime: zusammenreißen. Denn die Tage sind hier besonders lang. Alle erwachsenen Muslime sollten im Fastenmonat auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr verzichten, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Befreit vom Fasten sind Alte und Kranke, Kinder, Schwangere und Reisende sowie Soldaten im Krieg. Erst mit dem Sonnenuntergang ist es Tradition, das Fastenbrechen mit einem üppigen Festmahl im Kreis der Familie zu feiern.

Die islamische Welt steckt voller Krisen und Kriege. Im Fastenmonat versuchen Gläubige innezuhalten. Muslime hoffen, dass Allah ihnen ihre Sünden vergibt, wenn sie im Ramadan auf viele Dinge verzichten und bescheiden und fromm leben.

Im islamischen Fastenmonat Ramadan stehen den Küchenteams deutscher Flüchtlingsunterkünfte Spätschichten bevor. „Wir werden von 21.30 bis 22.30 Uhr unsere Kantine extra öffnen, das Mittagessen noch einmal kochen und Lebensmittelpakete mitgeben fürs Essen vor Sonnenaufgang“, sagt der Koch Ole Heldberg (28). „Viele muslimische Flüchtlinge sind dafür sehr dankbar“, berichtet der stellvertretende Küchenchef der zentralen Erstaufnahme in Neumünster.

Wie das Fasten im Sommer in Schleswig-Holstein aussieht, hat shz.de im vergangenen Jahr mit der Videokamera begleitet.

 

Doch was bedeutet die Tradition eigentlich? Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Kalenders - der Monat, in dem nach dem Glauben der Muslime der Koran dem Propheten Mohammed offenbart wurde. Der islamische Kalender besteht aus zwölf Mondmonaten mit 29 oder 30 Tagen. Ein Jahr hat demnach 354 oder 355 Tage - es ist damit kürzer als der Gregorianische Sonnenkalender mit seinen 365 Tagen. Darum beginnt der Ramadan jedes Jahr zehn bis zwölf Tage früher.

Das Fasten beginnt am ersten Tag des Monats nach dem Neumond oder Hilal. Wann es soweit ist, kann auf zwei Arten bestimmt werden: durch astronomische Berechnungen oder durch direkte Beobachtung. Die 29. Nacht des achten islamischen Monats heißt „Nacht des Zweifels“ - denn zuvor ist ungewiss, ob der Mond erscheint und das Monatsende anzeigt.

In vielen islamischen Ländern verkürzen Geschäfte und Behörden im Fastenmonat die Arbeitszeiten. An den Ramadan schließt sich das Fest des Fastenbrechens, das äußerlich dem christlichen Weihnachtsfest ähnelt, an. Die meisten Religionen kennen Fastenzeiten. Christen fasten von Aschermittwoch bis Ostern.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte am Sonntag allen Muslimen einen „friedlichen und gesegneten Ramadan“ gewünscht. Angesichts der zahlreichen Krisen und Konflikte gerade in der islamischen Welt solle „von diesem Fest ein Zeichen der Hoffnung und des Friedens, des Respekts und der Toleranz“ ausgehen. Der Ramadan wird in vielen Ländern von Gewalt überschattet. In Syrien, Libyen, dem Irak und im Jemen herrschen teilweise schon Jahre andauernde Bürgerkriege oder anhaltende Kämpfe. In mehreren islamischen Staaten ist das Nichteinhalten der Fastenpflicht verboten. Dazu zählen Saudi-Arabien, Marokko, Algerien und Malaysia.

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erstellt am 06.Jun.2016 | 14:30 Uhr

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