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Panorama

03. Dezember 2016 | 12:45 Uhr

Thema Sterbehilfe : Heute im „Tatort”: Letzter Ausweg Suizid

vom

Unser Autor hat den „Tatort” vom Sonntagabend schon gesehen - und findet ihn „zum Heulen gut”

Klar, auch in diesem „Tatort“ aus Luzern wird wieder gestorben. Und trotzdem könnte er so weder in Deutschland noch in Österreich gedreht werden. Denn wie der Titel schon lapidar verkündet, geht es um das freiwillige Sterben. Genauer – um das begleitete Sterben, das eben nur in der Schweiz gesetzlich erlaubt ist.

Wer immer sich also in einem Krimi damit beschäftigt, weiß, dass er ein extrem heißes Eisen bearbeitet. Erst recht, wenn sich Für und Wider, Moral und Pietät mit ganz irdischen Dingen vermengen, wie Geld und Geschäft.

Um es vorwegzunehmen: Josy Meier, Eveline Stähelin (Buch) und Sabine Boss (Regie) erzählen eine unglaublich anrührende Geschichte, die es uns schwer macht, Partei zu ergreifen. Weder für die Sterbebegleiter (nicht „Sterbehelfer“), die todkranken Menschen einen würdigen und selbstbestimmten Tod ermöglichen, noch für jene Moralapostel, die in diesem „Geschäft“ reines Teufelswerk sehen.

Und so löst der brutale Mord an der Sterbebegleiterin Helen Mathys (Ruth Schwegler) eine Kaskade höchst emotionaler Reaktionen aus, die immer mehr Opfer fordert. Ob es der Sohn (Martin Butzke) einer unheilbar kranken Deutschen ist, die sich mit einem Schluck Gift selbst von ihren Leiden erlöst hat, ob der Chef der religiösen Gruppe „Pro Vita“ (Martin Rapold), die aggressiv gegen die Sterbehilfe protestiert, oder die anderen Sterbebegleiter von „Transitus“ (unter anderem Andreas Matti, Anna Schinz) – schnell liegen die Nerven blank, wird gehetzt und geschubst, gelogen und – gemordet.

Ein heikler Fall für die Kommissare Flückiger und Ritschard (Stefan Gubser, Delia Mayer). Vor allem aber eine Frage des Fingerspitzengefühls. Und haben wir in der Vergangenheit vielleicht manchmal an der Empathie der beiden Darsteller gezweifelt – am Sonntagabend beweisen sie ihre Klasse und überzeugen auf ganzer Linie.

Wie der Rest des Ensembles in diesem todtraurigen „Tatort“. Einem „Horror“-Film, der gar nicht laut werden muss, um uns umzuhauen. Zum Heulen gut!

 
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erstellt am 18.Sep.2016 | 11:31 Uhr

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