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Prozess vor Landgericht : Groll gegen Nachbarn aus Kosovo: Wollte Schweriner Wohnhaus in die Luft jagen?

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Ein Schweriner ärgert sich über die Flüchtlingspolitik – und attackiert offenbar ausländische Nachbarn. Das Gericht muss jetzt klären, ob er auch das Haus sprengen wollte.

Schwerin | Die Schweriner Innenstadt ist möglicherweise vor einem halben Jahr knapp einer mittelschweren Katastrophe entgangen. Nur weil ein aufmerksamer Anwohner an einem Morgen im September die Polizei alarmierte, wurde nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ein 44-jähriger Mann gehindert, ein Mehrfamilienhaus in die Luft zu jagen. Sein mutmaßliches Motiv: Er hegte einen „tiefen Groll“ gegen ein neben ihm wohnendes Ehepaar, das aus dem Kosovo stammt; dem gehe es – wie anderen Ausländern auch – „in Deutschland viel zu gut“. Am Landgericht Schwerin beantragte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag, den gelernten Krankenpflegerhelfer in eine geschlossene Anstalt einzuweisen, weil von ihm immer noch Gefahr ausgehe. Er ist psychisch krank und deswegen schuldunfähig. Er kann nicht zu einer Haftstrafe verurteilt werden. Gleichwohl muss das Gericht klären, ob der Vorwurf der Staatsanwaltschaft stimmt. Der Mann bestreitet, dass er im Haus „eine Bombe“ zünden wollte.

Ruhig und nachdenklich antwortete der Beschuldigte auf die Fragen des Gerichts. Vermutlich stand er unter Medikamenten. Er beteuerte, er habe den Nachbarn lediglich Angst einjagen wollen. Wenn er – wie ihm als Plan vorgeworfen wird – die Gastherme im Keller zur Explosion gebracht hätte, „da würde ja die halbe Straße wegfliegen. Nee, so was mache ich nicht“. Die Gefahr, die von ihm ausgehe, sei „gleich null“.

Am Abend des 5. September war der 44-Jährige keinesfalls so „zahm“ wie am Donnerstag im Gerichtssaal. Er brüllte im Hausflur des Gebäudes Parolen wie „Russen raus“ und „Albaner raus“ und bedrohte seine Nachbarin, die im Garten eine Zigarette rauchte, mit einem Messer. Deren Mann rief die Polizei. Die Beamten ermahnten den Randalierer. Allerdings lärmte dieser kurze Zeit später weiter. Als die Polizei erneut erschien, hatte der 44-jährige ein Kellerfenster unter der Wohnung seiner kosovarischen Nachbarn eingetreten. Er hatte einen Unkrautbrenner und mehrere Gaskartuschen dabei. Den Polizisten erklärte er, er wolle „eine Bombe“ im Keller legen, damit dort die Gastherme explodiert. Es sei ihm egal, „wenn hier alles brennt“.

Den Unkrautbrenner habe er als „ängstlicher Mensch“ als Gewehrattrappe dabei gehabt, behauptete der Beschuldigte vor Gericht. Warum er mit den Gaskartuschen erwischt wurde, wusste er nicht zu erklären. Aus beiden lasse sich aber keine Bombe bauen. Er schlug das Kellerfenster ein, „um Krach zu machen“, der die Nachbarn ängstigen sollte. Er räumte ein, dass ihm die Flüchtlingspolitik in Deutschland nicht gefällt. Aber eigentlich habe er kein schlechtes Verhältnis zu seinen Nachbarn gehabt. In jenen Tagen sei in seinem Leben vieles schief gelaufen, sagte der Mann, der nach mehreren Jahren Abstinenz und Klinikaufenthalten wieder angefangen hatte, zu trinken und Drogen zu nehmen.

Bei seinen Nachbarn hat er sich inzwischen schriftlich entschuldigt. „Wir haben ihm verziehen“, sagte der Mann aus dem Kosovo vor Gericht. Seine Ehefrau allerdings sei damals schwer schockiert gewesen. Sie hat die Folgen des Krieges im Kosovo vor 20 Jahren bis heute nicht verarbeitet. Die Drohungen des Beschuldigten riefen schlimme Erinnerungen in ihr wach. Mit einer Entscheidung des Gerichts wird in der kommenden Woche gerechnet.
 

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erstellt am 10.Mär.2017 | 09:29 Uhr

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