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Panorama

08. Dezember 2016 | 10:47 Uhr

Urteil in Karlsruhe : Gericht spricht sich gegen erzwungene DNA-Tests aus

vom

Die Tochter will wissen, woher sie stammt - doch der mutmaßliche Vater sperrt sich.

Karlsruhe | 66 Jahre ist sie schon - doch die Frage, wer ihr Vater ist, lässt ihr keine Ruhe. Die Frage nagt seit Jahrzehnten an ihr. Ist der Mann, den sie für ihren Vater hält, wirklich ihr leiblicher Vater? Einen Test hat der heute fast 90-Jährige immer abgelehnt. Die mögliche Tochter aus Nordrhein-Westfalen wollten den Test per Gerichturteil erzwingen - doch sie scheiterte.

Für Kinder, die nicht wissen, wer ihr Vater ist, hätten durch ein positives Urteil eventuell lebenslange Konflikte gelöst werden können. Doch es gibt auch Kritiker: Sie sehen die Gefahr, dass ein Urteil zugunsten der Kinder massenweise Vaterschaftstests auf Verdacht Tür und Tor öffnen würde.

Das Karlsruher Verfassungsgericht urteilte, dem Recht, die eigene Abstammung zu kennen, ständen die Grundrechte der anderen von einer Klärung Betroffenen entgegen, sagte Vize-Gerichtspräsident Ferdinand Kirchhof bei der Urteilsverkündung am Dienstag. Diese würden erheblich belastet. (Az. 1 BvR 3309/13)

Für die 66-Jährige aus Nordrhein-Westfalen war die Klage in Karlsruhe die letzte Chance, doch noch Gewissheit zu bekommen. Ihre Hoffnung ruhte auf der sogenannten rechtsfolgenlosen Abstammungsklärung. Das Verfahren hat der Gesetzgeber 2008 eingeführt. Allerdings ist der Anspruch darauf auf die tatsächliche Familie beschränkt. Das heißt, Vater, Mutter und Kind können bei Zweifeln an der biologischen Elternschaft voneinander den Test verlangen; das Ergebnis hat keine direkten Auswirkungen zum Beispiel auf das Sorgerecht.

Die Klägerin kann sich darauf nicht berufen, weil der fragliche Mann außerhalb der Familie steht. Grundsätzlich gibt es zwar alternativ die Möglichkeit, einen Gentest über eine Vaterschaftsklage zu erstreiten. Der Klägerin ist dieser Weg aber verbaut. Denn so eine Klage gab es schon 1955: Ein Gericht hatte damals eine Untersuchung nach den Methoden der Zeit nicht zugelassen. Dieses Urteil hat bis heute Rechtskraft.

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erstellt am 19.Apr.2016 | 10:50 Uhr

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