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Urteil in Bremervörde : Frau fährt mit Auto in Eisdiele - Bewährungsstrafe

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Sie fuhr mit ihrem Auto ungebremst in eine Eisdiele. Zwei Menschen starben. Der Prozess gegen die Fahrerin ist nun zu Ende. Aus Sicht der Gerichts in Bremervörde hätte der Unfall vermieden werden können.

Bremervörde | Die Frau wollte nur eine kurze Strecke mit dem Auto fahren. Doch dann verursachte sie einen Unfall, der einen 2 Jahre alten Jungen und einen 65-jährigen Mann aus dem Leben riss. Mehrere Menschen wurden schwer verletzt, als die damals 59-jährige Frau ungebremst in ein Eiscafé im niedersächsischen Bremervörde raste.

Der Unfall im Juli 2015 sorgte bundesweit für Bestürzung - nun ist die Fahrerin wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt worden.

Die Ursache des Unfalls ist aus Sicht der Prozessbeteiligten weitgehend geklärt. Es war ein Krampfanfall, der dafür sorgte, dass die Fahrerin die Kontrolle über ihren Wagen verlor - da waren sich Staatsanwalt, Verteidigung und Nebenklage einig. „Wir sind davon überzeugt, dass es ein epileptisches Anfallsleiden war“, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung am Mittwoch. Später wurde er genauer und sprach von einem „alkoholassoziierten Krampfanfall“.

Während des Prozesses hatten die Angeklagte und deren Ärzte Einblicke in die Krankengeschichte der Frau gegeben. Demnach spielte übermäßiger Alkoholkonsum eine große Rolle. Immer wieder kämpfte sie dagegen an, während einer Abstinenz kam es zu Krämpfen. Gegen diese verschrieben ihr Ärzte Medikamente. Am Tag des Unfalls hatte die Frau keinen wirksamen Medikamentenspiegel im Blut. „Wir sind davon überzeugt, dass das Medikament nicht konsequent eingenommen wurde“, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung.

Er verwies auf mehrere Stürze der Frau, darunter einen mit dem Fahrrad. „Wir sind davon überzeugt, dass Sie entsprechende Kenntnisse hatten, was passieren kann“, sagte der Richter zu der heute 61-Jährigen. Als Fehlverhalten führte er auf, dass sie immer wieder exzessiv Alkohol trank, dass sie die verordneten Medikamente nicht ordnungsgemäß nahm und dass sie nicht regelmäßig zum Arzt ging.

Ähnlich hatte zuvor der Staatsanwalt argumentiert. Auch er führte aus, dass die Angeklagte das Unfallrisiko hätte erkennen müssen. „Sie wird sich nach meiner Einschätzung schon darüber bewusst gewesen sein, dass sie kein sicherer Verkehrsteilnehmer war“, sagte er und betonte, dass eine Geldstrafe den Folgen der Tat nicht gerecht würde.

Dies sagte auch der Anwalt der Eltern des getöteten Kleinkindes. „Ein Freispruch wäre unerträglich gewesen.“ Zufrieden waren die Angehörigen des Opfers allerdings nicht. „Es bringt uns unser Kind nicht wieder“, sagte die sichtlich bewegte Mutter des getöteten Jungen.

Die 61-Jährige wiederholte am letzten Prozesstag ihre Entschuldigung. «Ich möchte nochmal betonen, dass es mir entsetzlich weh tut, was passiert ist“, sagte die zierliche Frau, die auf eine Krücke gestützt in den Gerichtssaal kam. „Entschuldigung, es tut mir leid“, sagte sie ohne die Angehörigen der Opfer anzusehen. Sie könne das Geschehen nicht rückgängig machen.

Die Eltern des getöteten Jungen wünschen sich, dass das Urteil bald rechtskräftig wird. „Wir hoffen, dass es abgeschlossen werden kann“, sagte ihr Anwalt.

Der Unfall wird allerdings noch weiter Thema sein, denn am Amtsgericht gibt es einen zweiten Prozess gegen mutmaßliche Gaffer. Drei Angeklagten wird vorgeworfen, bei dem Unfall die Arbeit von Einsatzkräften massiv behindert zu haben. Der Prozess gegen sie soll am 14. März fortgesetzt werden.

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erstellt am 08.Mär.2017 | 19:13 Uhr

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