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Birkelse in Nordjütland : Flugzeugwrack aus dem Zweiten Weltkrieg: Experte kennt den Namen des Piloten

vom
Aus der Onlineredaktion

Es wurden Knochen gefunden, Kondome und Essensmarken. Hieß der kurz vor Kriegsende verunglückte Pilot Bruno Krüger?

Birkelse | Nach dem Fund einer verschütteten ME 109 Messerschmitt mitsamt Maschinengewehr und Munition in Birkelse soll die Identität der menschlichen Knochen geklärt werden. Der Experte Søren Flensted erklärte gegenüber dem dänischen Rundfunk, den Piloten des Jagdfliegers bereits identifiziert zu haben. Wahrscheinlich war jener Mann noch ein Fluganfänger, als er in den 1940er Jahren im Norden Jütlands in den Tod stürzte.

Inspiriert vom Geschichtsunterricht in der Schule hatten ein 14-jähriger Schüler und sein Vater, ein Hofbesitzer, das Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg aufgespürt. Ihr Vater/Großvater hatte den Absturz Ende des Jahres 1944 vom Hof aus akustisch wahrgenommen, das Wrack aber nie gefunden. In einem trockengelegten Moor lokalisierten die Finder den Unfallort. Mit dem Spaten gruben sie immer tiefer, bis sie nach einigen Metern auf das Wrack stießen. Viel Munition und auch der Motorblock wurden geborgen. Fotos der Wrackteile hat der dänische Rundfunk auf seiner Internetseite veröffentlicht. Mit dem Fund einer Leiche hatten Vater und Sohn bei ihrer Grabung aber nicht gerechnet.

Laut Flensted ist es ziemlich sicher, dass der Mann im Cockpit anhand beiliegender Papiere bald identifiziert wird. Am Dienstag wurden die Unterlagen gefriergetrocknet, weil sie komplett nass und vom Benzin beschädigt waren. Die Fundstücke seien aber immer noch in einem guten Zustand, berichtet der Abteilungsleiter des Nordjütländischen Museums, Torben Sarauw, bei Danmarks Radio. „Das sind wirklich eine Menge spannender Gegenstände“, so Sarauw.

Er meint damit unter anderem die Brieftasche des Piloten, die durch ein großes Emblem deutlich dessen Zugehörigkeit zur Luftwaffe zeige. „Wir haben beim Piloten drei Kondome und eine Hand voll Münzen gefunden – außerdem wissen wir durch Zigarettenpapier in seiner Brieftasche, dass er Raucher war“, sagt der Archäologe.

Doch der deutsche Pilot lebte nicht nur von Tabak und Frauen. Auch Anzeichen über seine tägliche Ernährung konnten in der Brieftasche gefunden werden. „Dort waren einige Essensmarken, die in der deutschen Kaserne in Aalborg eingelöst werden konnten“, so Sarauw.

Flensted hat für sich bereits eine Antwort auf den unbekannten Toten gefunden. Er ist sich ziemlich sicher, dass es sich um einen Mann namens Bruno Krüger handelt. Von dem damals 20-Jährigen sagen die präzise geführten Wehrmachts-Unterlagen, er sei in einem Sumpfgebiet verschwunden und nicht zu bergen gewesen. Flensted führt seit den 1980er Jahren ein Archiv über die Flugabstürze über Dänemark im Zweiten Weltkrieg. Die verbleibenden Fragezeichen sind überschaubar.

An der Absturzstelle kann man sogar riechen, dass es sich bei der Maschine um ein deutsches Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg handelt. Das Wehrmachtsflugzeug hatte aus Ölschiefer gewonnenes Flugbenzin getankt (Deckname „Unternehmen Wüste“).

In Aalborg hatten die Flieger der Nazi-Luftwaffe gegen Kriegsende ihre Basis. Die meist sehr jungen Piloten wurden nach lediglich 40 bis 50 Flugstunden ins Gefecht geschickt. Von den 1.800 deutschen Abstürzen im Laufe des Krieges in Dänemark waren laut Flensted die allermeisten Trainingsflüge oder Flüge von unerfahrenen Piloten. Gerade in der Schlussphase des Krieges sei es Schlag auf Schlag gegangen. Abschüsse gab es nur vereinzelt, meist waren die im Hauruck-Verfahren angelernten jungen Männer überfordert.

Die dänische Polizei arbeitet mit den deutschen Behörden zusammen, um festzustellen, ob der Pilot wirklich jener Bruno Krüger oder ein anderer war. Anschließend werden mögliche Nachfahren ermittelt.

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erstellt am 08.Mär.2017 | 12:36 Uhr

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