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Panorama

03. Dezember 2016 | 14:48 Uhr

Gewalt in der Schule : Fausthiebe, Bedrohungen, Mobbing: Wenn Lehrer zu Opfern werden

vom

Physische und psychische Gewalt: Viel zu oft wird das Problem kleingeredet, sagt der Lehrerverband.

Düsseldorf | Jeder vierte Lehrer in Deutschland ist schon einmal Opfer psychischer Gewalt von Schülern gewesen. Das teilte der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) am Montag in Düsseldorf mit. Grundlage ist eine repräsentative Forsa-Umfrage unter insgesamt fast 2000 Lehrerinnen und Lehrern bundesweit. Demnach hat fast ein Viertel (23 Prozent) der Befragten bereits Bedrohungen, Beleidigungen, Beschimpfungen oder Mobbing erlitten.

6 von 100 Lehrern sind der Umfrage zufolge sogar schon einmal körperlich von Schülern angegriffen worden. Hochgerechnet seien damit mehr als 45.000 Lehrkräfte (6 Prozent) an allgemeinbildenden Schulen aller Formen bereits Opfer von tätlicher Gewalt geworden. Zu den körperlichen Angriffen gehörten etwa Fausthiebe, Tritte, An-den-Haaren-Ziehen oder das Bewerfen mit Gegenständen.

Gewalt gegen Lehrkräfte sei „kein Einzelfall“, sagte der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann. „Viel zu oft wird das Problem kleingeredet.“ Er forderte Gegenmaßnahmen. „Außer professionellen Kampfsportlern ist mir keine Personengruppe bekannt, zu deren Job es gehört, sich psychisch und physisch angreifen zu lassen“, sagte Beckmann.

Hintergrund: Gewalt gegen Lehrer in Zahlen
  • 6 Prozent der Lehrer gaben an, an ihrer Schule schon einmal körperlich angegriffen worden zu sein. In 97 Prozent der Fälle waren Schüler die Angreifer, selten auch Eltern.
  • In 9 Prozent der Fälle wurde Anzeige erstattet.
  • 21 Prozent der Lehrer berichteten davon, dass es in den vergangenen fünf Jahren Fälle körperlicher Gewalt gegen Lehrkräfte an ihrer Schule gab.
  • 59 Prozent der Lehrer - am häufigsten an Förder- und Sonderschulen - gehen davon aus, dass Gewalt an Schulen zugenommen hat.
  • 23 Prozent gaben an, an ihrer Schule schon einmal das Ziel von psychischer Gewalt wie Beschimpfungen, Diffamierungen, Mobbing, Drohungen gewesen zu sein.
  • In 7 Prozent der Fälle von Diffamierungen durch Schüler kam es zur Anzeige. Ging die psychische Gewalt von Eltern aus, wurde in 2 Prozent Anzeige erstattet.
  • 77 Prozent der Lehrer gehen davon aus, dass Mobbing im Internet gegen Lehrer zugenommen hat.
  • 2 Prozent der Lehrer waren selbst schon einmal das Ziel von Cybermobbing.
 

Auffällig ist, dass jeder fünfte Lehrer (21 Prozent) von Fällen physischer Gewalt gegen Pädagogen an seiner jeweiligen Schule berichtete, während der Anteil der tatsächlichen Opfer mit 6 Prozent weit darunter liegt. Bei der Häufigkeit körperlicher Angriffe gegen Lehrer kamen zudem regionale Unterschiede heraus. So wusste ein Viertel der Lehrer in NRW (25 Prozent) von derartigen Vorfällen an ihren Schulen in den vergangenen fünf Jahren, in Bayern und Baden-Württemberg waren es nur 14 und 13 Prozent. Auch berichteten Lehrer an Grundschulen, vor allem aber an Förder- und Sonderschulen deutlich häufiger von körperlichen Angriffen.

Nur zwei Prozent der Lehrer wurden nach eigenen Angaben an ihrer Schule schon einmal Ziel von Cybermobbing im Internet. Mehr als 57 Prozent der Lehrer sehen Gewalt gegen Lehrkräfte als „Tabuthema“ an - nur wenige zeigen die Angriffe an.

Für Aufsehen hatte etwa ein Fall in Niedersachsen gesorgt, bei dem ein 14-jähriger Gymnasiast einen Lehrer bei einer Klassenfahrt mit einem Schnürsenkel gewürgt haben soll. Der Lehrer hatte ihm das Handy abgenommen. Der Fall landete im Frühjahr vor Gericht.

Der VBE vertritt als Bildungsgewerkschaft die Interessen von etwa 140.000 Pädagogen.

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erstellt am 14.Nov.2016 | 13:50 Uhr

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