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Panorama

27. August 2016 | 11:53 Uhr

Festnahme von „Sea Shepherd“-Aktivisten : Faröer-Inseln: Traditionelle Grindwal-Jagd oder grausames Massaker?

vom
Aus der Onlineredaktion

Erneut haben die Färinger ihre Tradition gelebt: Am Donnerstagabend starben über 200 Wale in den Buchten des Archipels. Dänemark sichert das Töten mit Kriegsschiffen gegen Tierschützer ab.

Tórshavn/Bøur | Am Donnerstag färbt sich das Meer rund um die faröische Hauptstadt rot. Es ist wieder Zeit für das, was die Färinger „Grindadráp“ nennen: Grindwalfang. Für die Einheimischen ist es Teil ihrer Geschichte, für Internationale Tierschutzorganisationen eine grausame und unnötige Jagd.

Die Tiere werden in eine Bucht getrieben und dort mit Fanghaken und Tauen festgehalten und anschließend mit dem sogenannten Grindwal-Messer getötet. Den Tieren wird das Rückenmark im Nacken und die Halsschlagader durchtrennt. Sie sterben innerhalb weniger Sekunden. Begleitet wird das für die Einheimischen traditionelle Event von strengen Regeln und Gesetzen. So dürfen nur bestimmte Waffen benutzt werden und Tieren die beim Einkesseln entkommen, darf nicht nachgestellt werden. Der komplette Ablauf wird von den Behörden überwacht. Für die Färinger ist es die kostenlose Nahrungsbeschaffung für die Familie und jahrhundertelange Tradition, die bis in die Wikingerzeit zurückgeht. Das Tier wird dabei vollständig verwertet.

Zeit Zahl der Jagden getötete Wale
1709 bis 1950 1195 178.259
1951 bis 2000 614 73.885
2001 11 918
2002 10 626
2003 5 503
2004 9 1010
2005 6 302
2006 11 856
2007 10 633
2008 0 0
2009 3 310
2010 14 1107
2011 9 726
2012 - 713
2013 - 1104
2014 - 53

Die Färinger argumentieren, dass sie den Walfang nicht aus kommerziellen Gründen betreiben und der Walbestand nicht gefährdet sei. Nach aktuellen Zahlen liegt der Bestand im Nordatlantik bei rund 100.000 Tieren und ist demnach nicht gefährdet. Das Töten der Wale am Strand sei harmlos im Vergleich zum Leiden der Tiere in der Massentierhaltung. Ein Wal lebe sein Leben lang frei im Atlantik und sterbe dann binnen Sekunden.

Organisationen wie „Sea Shepherd“ oder „Greenpeace“ sehen die Grausamkeit im Vordergrund. Zudem sei die Versorgungslage gut und das Töten daher unnötig. Auch der Einsatz von Motorbooten wird kritisch gesehen. So können die Tiere nicht mehr so gut entkommen wie zu Zeiten von Ruderbooten. Zusätzlich ist das Walfleisch mit Umweltgiften belastet. In den Körpern der Tiere wurden Quecksilber und PCB nachgewiesen. Wie stark die Tiere belastet sind, wird jedoch regelmäßig durch faröische Behörden überwacht. Der „Nabu“ kritisiert die Tradition als überholt und bezieht sich auf ein in Europa geltendes Verbot durch europäische Richtlinien und internationale Konventionen. Allerdings fällt der Grindwal als Kleinwal nicht unter die Schutzbestimmungen der Internationalen Walfangkommission. Aufgeführt ist er allerdings im Washingtoner-Artenschutz-Übereinkommen. Dänemark duldet die jährlich mehrfach stattfindende Waltötung in der zur Krone gehörenden Inselgruppe.

Laut „Sea Shepherd“-Gründer Paul Watson seien die dänischen Marineschiffe „Triton“ und „Knut Rasmussen“ vor Ort, um die Färinger zu unterstützen. 2011 sei kein Wal getötet worden, als „Sea Shepherd“ vor Ort war. 2013, als man nicht dort war, wurden 1300 Wale getötet. „2014 waren wir wieder da und nur 33 Wale wurden ermordet“, schreibt Watson auf Facebook. Demnach sei für das neuerliche Töten so vieler Wale auch die dänische Marine mitverantwortlich. „Mit den beiden Kriegsschiffen, Helikoptern und kleineren Booten werden die Walfänger geschützt“. Als friedliebende Organisation sei man im Hintertreffen, schreibt Watson.

THE MURDER OF THE WHALES COURTESY OF THE ROYAL DANISH NAVY.142 Pilot whales were slaughtered last night on the beach...

Posted by Captain Paul Watson on  Friday, 24 July 2015

„Sea Shepherd“ veröffentlichte am Freitag ein Video des neuerlichen „Grindir“ in einer Bucht. Demnach sind 150 Tiere getötet worden. Die Aktivisten versuchten das Töten der Wale zu verhindern. Laut Angaben der Organisation seien allein gestern 111 Wale in Bøur und 150 in Tórshavn getöet worden.

Auf Twitter schreibt Sea Shepherd, dass der luxemburgische Aktivist, Kevin Schiltz, festgenommen wurde.

Er sei nicht der einzige. Gründe für die Verhaftung seien noch nicht genannt worden, schrieb die Organisation auf Facebook. Insgesamt seien fünf Crewmitglieder von der dänischen Polizei in Gewahrsam genommen worden, schreibt „Sea Shepherd“ in einer Mitteilung.

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erstellt am 24.Jul.2015 | 15:03 Uhr

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