zur Navigation springen

Panorama

10. Dezember 2016 | 11:52 Uhr

Hua Hin, Phuket, Surat Thani : Explosionen in Thailand: Mindestens vier Tote, drei deutsche Frauen verletzt

vom

Die Bomben explodierten auch in Urlaubsorten. Das Auswärtige Amt rät Reisenden zu äußerster Vorsicht.

Bangkok | Bei einer Serie von Bombenexplosionen in thailändischen Touristenorten sind mindestens vier Menschen getötet worden. Mindestens zehn Sprengsätze detonierten unter anderem in dem beim Königshaus beliebten Badeort Hua Hin sowie in der Touristenhochburg Patong auf der Insel Phuket. Bei den Toten handelt es sich nach Polizeiangaben vom Freitag ausschließlich um Thailänder. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin wurden drei deutsche Touristinnen verletzt.

Zudem wurden nach jüngsten thailändischen Angaben drei Italiener - zwei Frauen und ein Mann -, eine Österreicherin und drei Niederländer verletzt. Die deutschen Verletzten sind demnach 16, 17 und 48 Jahre alt. Alle Verletzten würden in einem Krankenhaus in Hua Hin behandelt.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Anschläge scharf, sie hätten gleichermaßen auf Einheimische und Touristen gezielt. „Das hat auch uns hier in Deutschland berührt, denn viele Deutsche fühlen sich Thailand eng verbunden. Tausende unserer Landsleute verbringen regelmäßig ihre Urlaubstage dort.“

 

Suche nach dem Motiv

Zu dem Anschlag hat sich noch niemand bekannt. Nach Angaben der thailändischen Sicherheitsbehörden handelt es sich nicht um Terroranschläge, sondern um „örtliche Sabotage aufgrund von inneren Angelegenheiten“. Damit könnte gemeint sein, dass hinter den Explosionen Aufständische oder Gegner der Militärregierung des südostasiatischen Landes stecken. Am vergangenen Sonntag stimmten die Thailander in einem umstrittenen Referendum für eine von der Junta unterstützte neue Verfassung.

„Die betroffenen Provinzen haben für die Verfassung gestimmt“, sagte Polzeichef Chakthip Chaijinda in Bangkok. „Meiner Meinung nach besteht eine Verbindung mit den politischen Entwicklungen.“

Hintergrund: Die neue Verfassung in Thailand

Gut zwei Jahre nach dem Militärputsch hatten die Thailänder am vergangenen Sonntag einer neuen Verfassung zugestimmt. Damit soll der Weg für Wahlen 2017 geebnet werden, wie die Militärregierung versprochen hat. Kritiker sagen dagegen, die Verfassung zementiere die Macht des Militärs. Durch die Verfassung sei das Militär ermächtigt, die 250 Mitglieder der zweiten Parlamentskammer selbst zu ernennen.

Politologen betrachteten die erste Abstimmung seit dem Putsch auch als Votum über die Militärherrschaft allgemein. Armeechef Prayut Chan-o-cha hatte im Mai 2014 nach monatelangen Straßenprotesten gegen die gewählte Regierung geputscht. Vorausgegangen waren in dem politisch tief gespaltenen Land fast zehn Jahre politischer Proteste.

Die rivalisierenden Lager sind auf der einen Seite Anhänger des schon 2006 gestürzten Premierministers Thaksin Shinawatra. Er hatte die große Mehrheit des Landes, die ärmere Stadt- und Landbevölkerung, mit populistischen Maßnahmen zu treuen Anhängern gemacht. Der Putsch 2014 ging gegen die Regierung seiner Schwester Yingluck, die mit dubiosen Rechtsauslegungen der Gerichte bereits Tage vorher abgesetzt worden war.

Auf der anderen Seite steht die Partei des alten Establishments um einige einflussreiche Familien, die die Geschicke des Landes seit Jahrzehnten bestimmten. Die Anführer beider Lager hatten den Verfassungsentwurf zurückgewiesen.

„Diese Angriffe sollen Unruhe im Land erzeugen“, sagte der stellvertretende Regierungschef Prawit Wongsuwan. Die Menschen sollten darüber nachdenken, wer das Land auf diese Art verletzen wolle, sagte ein Regierungssprecher - ein möglicher Hinweis auf politische Gegner, vor allem Unterstützer des 2006 gestürzten Premiers Thaksin Shinawatra und seiner politischen Bewegung, die auch zum Zeitpunkt der jüngsten Machtübernahme der Militärs 2014 im Amt war. Der Süden Thailands ist allerdings traditionell eher gegen Thaksin eingestellt. Hua Hin anzugreifen hat zudem hohen Symbolcharakter. Die Stadt steht auch für das Königshaus. König Bhumibol hat dort seinen Sommerpalast.

In den mehrheitlich muslimischen drei südlichsten Provinzen an der Grenze zu Malaysia widersetzen sich separatistische Aufständische seit Jahren der Zentralregierung in Bangkok. Seit dem Wiederaufflackern des Konflikts 2004 starben mehr als 6000 Menschen in der Region, allerdings sind Anschläge außerhalb der drei Provinzen Pattani, Yala und Narathiwat selten. Bei dem bislang schwersten Anschlag kamen im August 2015 am Erawan-Schrein in Bangkok 20 Menschen ums Leben.

Die Doppelexplosionen in Hua Hin tragen aber die Handschrift der Separatisten, wie die „Bangkok Post“ berichtet. Deren Taktik sei es, erst einen Sprengsatz zu zünden, und im darauf folgenden Chaos eine zweite, oft größere Bombe. Ziel seien möglichst viele Opfer. Ob die Täter durch die Anschläge die Militärmachthaber bloßstellen wollten, oder sich die Explosionen auch gegen das im Land verehrte Königshaus richten ist noch unklar. Dem Tourismus, einer wichtigen Einnahmequelle für die thailändische Wirtschaft, schaden sie auf jeden Fall.

Hintergrund: Thailand

Lange Strände, freundliche Menschen, gute Küche und historische Tempelanlagen - Thailand zieht alljährlich Millionen
Besucher aus aller Welt an. Der Tourismus macht fast 10 Prozent des Bruttosozialprodukts aus und ist damit eine der wichtigsten Devisenquellen. Ein noch größerer Wirtschaftsfaktor ist die Landwirtschaft, Thailand mit seinen rund 68 Millionen Einwohnern ist einer der weltgrößten Reisproduzenten. Im vorigen Jahr war Deutschland wichtigster Handelspartner in der Europäischen Union.

Trotz enormen wirtschaftlichen Aufschwungs leben große Teile der Landbevölkerung aber weiterhin in Armut. Politische Unruhen und Anschläge machen der Entwicklung zu schaffen. Nach Schätzungen haben sich in dem Land mindestens 30.000 Deutsche sowie mehrere Tausend Schweizer und Österreicher niedergelassen.

Staatsoberhaupt ist seit 1946 König Bhumibol Adulyadej (88).

Thailand verschärft die Sicherheitsvorkehrungen

In Thailand ist am Freitag wegen des 84. Geburtstages von Königin Sirikit ein nationaler Feiertag. Wegen des verlängerten Wochenendes hielten sich auch viele Thailänder in den Urlaubsressorts auf. Der Präsident der thailändischen Flughäfen, Nittinai Sirismatthakarn, sagte der dpa, dass an den Airports die höchste Sicherheitsstufe gelte. Dadurch könne es zu erheblichen Verzögerungen für Passagiere kommen. Die Militärjunta ordnete mit Blick auf die Feierlichkeiten zum Geburtstag von Königin Sirikit am Freitag erhöhte Sicherheitsmaßnahmen an. „Wir werden es nicht zulassen, dass Menschen mit üblen Absichten die Situation bestimmen“, sagte Sprecher Winthai Suvaree. Der Geburtstag der Königin ist gleichzeitig Muttertag in Thailand - viele nutzen das lange Wochenende für einen Kurzurlaub.

Die Behörden verschärften die Sicherheitsvorkehrungen an Regierungsgebäuden, Bahnhöfen und Flughäfen im Land. Am Freitag patrouillierten Soldaten an Bahnhöfen und Regierungsgebäuden in der Hauptstadt Bangkok. Eine Spezialeinheit übernahm die Ermittlungen.

Die Verletzten wurden in Krankenhäuser gebracht.
Die Verletzten wurden in Krankenhäuser gebracht. Foto: dpa

Das ist in der Nacht passiert

Bomben explodierten im Badeort Hua Hin etwa 200 Kilometeter südwestlich der Hauptstadt Bangkok. Dort starben zwei Menschen. In dem auch bei deutschen Urlaubern beliebten Strandort Patong wurden mehrere Menschen verletzt. Sprengsätze detonierten ebenfalls in Phang Nga. Vor Polizeistationen in Surat Thani im Süden Thailands wurde bei zwei Explosionen mindestens ein Mensch getötet. Bereits am Donnerstag war eine Bombe auf einem Markt in Trang, 850 Kilometer südlich von Bangkok, explodiert. Dort starb ein Straßenhändler.

Auswärtiges Amt rät zu äußerster Vorsicht

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte der Deutschen Presse-Agentur, das Ministerium und die deutsche Botschaft stünden auch weiterhin in Kontakt mit den thailändischen Behörden und gingen jedem Hinweis auf mögliche weitere Verletzte nach. Zudem habe das Auswärtige Amt die Reise- und Sicherheitshinweise für Thailand aktualisiert und rate Reisenden zu äußerster Vorsicht.

Trauer in den sozialen Medien

Die Anteilnahme nach dem Anschlag war auch in den sozialen Netzwerken spürbar. Unter dem Hashtag #PrayforThailand bekundeten viele Nutzer bei Twitter ihre Trauer:

 
zur Startseite

von
erstellt am 12.Aug.2016 | 14:29 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert