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Panorama

03. Dezember 2016 | 07:51 Uhr

Mord an Neunjähriger : Ermittler vermissen von Peggy noch Knochen, Schulranzen und Kleidung

vom

Der Fall Peggy gibt weiter Rätsel auf - die Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung.

Lichtenberg | Das in einem Wald in Thüringen gefundene Skelett der jahrelang vermissten Schülerin Peggy ist nicht komplett. „Dies lässt sich mit dem Lebensraum und den Gewohnheiten von Waldtieren erklären“, sagte der Leiter der Sonderkommission Peggy, Uwe Ebner, am Dienstag in Bayreuth. Zudem fehlten Kleidungsstücke des Mädchens sowie weiterhin jede Spur vom Schulranzen der Neunjährigen. Weitere Fragen dazu könne er derzeit nicht beantworten.

Für Hinweise, die zum möglichen Täter führen, wurde eine Belohnung in Höhe von 30.000 Euro ausgesetzt. Unter der Nummer 0921.5061414 hat die Polizei ein Hinweistelefon eingerichtet.

Am Mittwochabend wird sich auch die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ nochmals mit dem Fall befassen. Wann Peggys Familie die sterblichen Überreste des Mädchens begraben kann, ist noch unklar.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel sagte am Dienstag, die Ermittlungen liefen auf Hochtouren, doch „der entscheidende Hinweis steht leider noch aus“. Die Beamten setzen daher nun vor allem auf neue Hinweise aus der Bevölkerung.

„Wir erhoffen uns Hinweise zu früheren Wahrnehmungen rund um den Fundort, insbesondere um den 7. Mai 2001“, sagte Ebner. An diesem Tag wurde Peggy auf dem Heimweg von der Schule im oberfränkischen Lichtenberg zum letzten Mal gesehen. „Wir suchen nach Hinweisgebern, die sich dort auskennen und Bezüge dorthin haben.“ Besonders interessiert die Polizei, ob jemand am oder in der Nähe des Fundortes Menschen oder Fahrzeuge gesehen hat.

Weitere Fragen der Ermittler: „Wer kennt Personen, die Ortsbezüge haben? Wer hat sich zu dem Zeitpunkt zum Sport, Spaziergang oder Pilzesammeln hier aufgehalten? Wer kennt die Örtlichkeit und kann Angaben dazu machen? Wer hat hier Waldarbeiten durchgeführt?“

Auch nach 15 Jahren hält Ebner es für möglich, noch neue Hinweise über den Auffindeort zu bekommen: „Jeder erinnert sich an die Zeit, als das Mädchen verschwunden ist. Vielleicht hat jemand früher Wahrnehmungen nicht für wichtig erachtet, bewertet diese Informationen jetzt aber neu und meldet sich.“ Zu Todesursache und -zeitpunkt können die Ermittler noch nichts sagen. „Die Untersuchungen dazu sind besonders schwierig“, sagte Ebner. Doch theoretisch könne auch nach so langer Zeit noch Täter-DNA gefunden werden. Auch wie die Knochen im Wald lagen - vergraben, mit Zweigen bedeckt oder in einer Mulde - wollen die Polizisten noch nicht sagen. „Es ist nicht in unserem Sinne, dass ein möglicher Täter unsere derzeitigen Erkenntnisstand kennt und danach sein Verhalten ausrichten kann“, sagte Staatsanwalt Potzel.

Ob der mögliche Täter aus der Nähe kam, kann die Polizei noch nicht sagen. Potzel sagte: „Es liegt nahe, dass der Täter gute Ortskenntnisse hatte. Es kann aber trotzdem sein, dass es ein Fremder war.“ Die Beamten ermittelten in alle Richtungen. „Wir werden uns nicht auf eine Hypothese beschränken.“ Potzel betonte nochmals: „Wir haben im Augenblick keinen Verdächtigen.“ Anfang Juli hatte ein Pilzsammler in einem Wald im thüringischen Landkreis Saale-Orla Skelettreste von dem Mädchen gefunden. Der Fundort liegt an einer Landstraße zwischen Nordhalben (Kreis Kronach) und Rodacherbrunn - etwa 1,5 Kilometer hinter der Landesgrenze zu Bayern.

Die Chronologie des Falls:

7. Mai 2001 Die neunjährige Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg verschwindet auf dem Heimweg von der Schule. Wochenlange Suchaktionen bleiben ohne Erfolg.
August 2001 Die Polizei nimmt einen geistig behinderten Mann fest. Er gibt an, sich an Peggy und drei weiteren Kindern sexuell vergangen zu haben.
22. Oktober 2002 Die Ermittler präsentieren den 24-Jährigen als mutmaßlichen Mörder der Schülerin.
7. Oktober 2003 Vor dem Landgericht Hof beginnt der Prozess.
30. April 2004 Der geistig behinderte Mann wird wegen Mordes an Peggy zu lebenslanger Haft verurteilt.
17. September 2010 Ein wichtiger Belastungszeuge widerruft seine Aussage und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden.
4. April 2013 Der Anwalt des geistig behinderten Mannes beantragt die Wiederaufnahme des Falls.
8. Januar 2014 Auf dem Friedhof Lichtenberg öffnen die Ermittler ein Grab. Sie vermuten, dass bei einer Beerdigung 2001 Peggys Leiche dort abgelegt wurde. Doch sie finden keine Hinweise.
10. April 2014 Auf Anordnung des Landgerichts Bayreuth beginnt das Wiederaufnahmeverfahren.
7. Mai 2014 Das Gericht beendet das Verfahren aus Mangel an Beweisen. Eine Woche später gibt es einen Freispruch für den geistig behinderten Mann.
18. Februar 2015 Die Staatsanwaltschaft Bayreuth stellt ihre Ermittlungen ein. Ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wird aber aufrechterhalten, um mögliche Spuren weiterzuverfolgen.
19. März 2015 Das Oberlandesgericht Bamberg entscheidet, dass der ursprünglich verurteilte Mann aus der Psychiatrie entlassen werden soll.
3. Juni 2015 Die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ greift den Fall Peggy auf.
16. Juni 2015 Ein ehemaliger Verdächtiger im Fall Peggy wird in einem anderen Fall wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Jugendstrafe von sieben Monaten ohne Bewährung verurteilt. Im Fall Peggy gilt er nicht mehr als tatverdächtig.
Mai 2016 Ein im Fall Peggy ehemals verdächtigter Mann fordert Schadenersatz von mehr als 20.000 Euro. Ermittler hatten 2013 auf der Suche nach dem verschwundenen Mädchen sein Grundstück in Lichtenberg metertief durchsuchen lassen. Die Ermittler hatten dabei zwar Knochenreste gefunden. Sie stammten aber nicht von Peggy.
2. Juli 2016 Ein Pilzsammler entdeckt Knochenreste in einem Waldstück in Thüringen, etwa 15 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt.

 

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erstellt am 12.Jul.2016 | 11:12 Uhr

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