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Panorama

02. Dezember 2016 | 23:25 Uhr

Vermisstes Mädchen gefunden? : Ermittler: Knochen stammen „höchstwahrscheinlich“ von Peggy

vom
Aus der Onlineredaktion

Vor 15 Jahren verschwand die neunjährige Peggy spurlos. Jetzt könnte der Fall ein Ende nehmen.

Lichtenberg | Die in einem Waldstück in Thüringen entdeckten Skelettteile stammen „höchstwahrscheinlich“ von der seit mehr als 15 Jahren vermissten Peggy aus Oberfranken. Dies hätten die ersten rechtsmedizinischen Untersuchungen und Erkenntnisse am Fundort ergeben, teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth am Montag mit. Ein Pilzsammler hatte am Samstag im Saale-Orla-Kreis Leichenteile entdeckt - nur wenige Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg entfernt.

Die Polizei hat das Waldstück am Montag durchsucht.
Die Polizei hat das Waldstück am Montag durchsucht. Foto: dpa

„Wir halten es für höchstwahrscheinlich, es ist alles schlüssig“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel. Belastbare Hinweise zur Todesursache gebe es allerdings noch nicht, hieß es in der Erklärung.

Im Bereich des Fundorts im thüringischen Rodacherbrunn (Saale-Orla-Kreis) seien auch mehrere Gegenstände sichergestellt worden, die ebenfalls auf die Neunjährige hindeuteten, hieß es. Zu den aufgefundenen Gegenständen wollte der Leitende Oberstaatsanwalt keine Einzelheiten mitteilen, da diese Täterwissen offenbaren könnten. „Es ist noch nicht 100-prozentig gewiss“, sagte Potzel. Deshalb müssten die DNA-Ergebnisse abgewartet werden.

Foto: dpa
 

Am 7. Mai 2001 war die neunjährige Peggy auf ihrem Heimweg von der Schule verschwunden, seitdem fehlte von der Kleinen jede Spur. Wochenlange Suchaktionen blieben ohne Erfolg, dabei waren auch Bundeswehr-Tornados im Einsatz.

Nach dem Fund des Pilzsammlers in dem Waldstück zwischen Rodacherbrunn und dem oberfränkischen Nordhalben durchsuchte die Polizei auch am Montag das Gebiet mit einem Großaufgebot. Der Einsatz mit Hundertschaften sei wegen des unübersichtlichen Geländes und der „Auffindsituation“ der Knochen angemessen, erklärte die Polizei. Die Skelettteile seien im Wald an verschiedenen Stellen entdeckt worden.

Zur endgültigen Aufklärung des Falls wurde die seit 2012 agierende Ermittlungsgruppe bei der Kriminalpolizei Bayreuth am Montag personell und organisatorisch zur „Soko Peggy“ erweitert. Sie steht unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft Bayreuth.

Eine Chronologie des Falls:

7. Mai 2001 Die neunjährige Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg verschwindet auf dem Heimweg von der Schule. Wochenlange Suchaktionen bleiben ohne Erfolg.
August 2001 Die Polizei nimmt einen geistig behinderten Mann fest. Er gibt an, sich an Peggy und drei weiteren Kindern sexuell vergangen zu haben.
22. Oktober 2002 Die Ermittler präsentieren den 24-Jährigen als mutmaßlichen Mörder der Schülerin.
7. Oktober 2003 Vor dem Landgericht Hof beginnt der Prozess.
30. April 2004 Der geistig behinderte Mann wird wegen Mordes an Peggy zu lebenslanger Haft verurteilt.
17. September 2010 Ein wichtiger Belastungszeuge widerruft seine Aussage und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden.
4. April 2013 Der Anwalt des geistig behinderten Mannes beantragt die Wiederaufnahme des Falls.
8. Januar 2014 Auf dem Friedhof Lichtenberg öffnen die Ermittler ein Grab. Sie vermuten, dass bei einer Beerdigung 2001 Peggys Leiche dort abgelegt wurde. Doch sie finden keine Hinweise.
10. April 2014 Auf Anordnung des Landgerichts Bayreuth beginnt das Wiederaufnahmeverfahren.
7. Mai 2014 Das Gericht beendet das Verfahren aus Mangel an Beweisen. Eine Woche später gibt es einen Freispruch für den geistig behinderten Mann.
18. Februar 2015 Die Staatsanwaltschaft Bayreuth stellt ihre Ermittlungen ein. Ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wird aber aufrechterhalten, um mögliche Spuren weiterzuverfolgen.
19. März 2015 Das Oberlandesgericht Bamberg entscheidet, dass der ursprünglich verurteilte Mann aus der Psychiatrie entlassen werden soll.
3. Juni 2015 Die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ greift den Fall Peggy auf.
16. Juni 2015 Ein ehemaliger Verdächtiger im Fall Peggy wird in einem anderen Fall wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Jugendstrafe von sieben Monaten ohne Bewährung verurteilt. Im Fall Peggy gilt er nicht mehr als tatverdächtig.
Mai 2016 Ein im Fall Peggy ehemals verdächtigter Mann fordert Schadenersatz von mehr als 20.000 Euro. Ermittler hatten 2013 auf der Suche nach dem verschwundenen Mädchen sein Grundstück in Lichtenberg metertief durchsuchen lassen. Die Ermittler hatten dabei zwar Knochenreste gefunden. Sie stammten aber nicht von Peggy.

2002 hatten die Ermittler einen geistig behinderten Mann als Tatverdächtigen präsentiert. Er habe Peggy ermordet, um zu vertuschen, dass er sie sexuell missbraucht habe, hieß es damals. Der Mann wurde 2004 als Peggys Mörder verurteilt, 2014 jedoch in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen.

Der Vater von Peggy mit einen computergeneriertes Bild, wie sie als Erwachsene aussehen könnte. /Archiv
Der Vater von Peggy mit einen computergeneriertes Bild, wie sie als Erwachsene aussehen könnte. /Archiv Foto: David Ebener
 

Zwischenzeitlich gerieten ehemalige Bekannte der Familie Peggys aus Halle/Saale ins Visier der Fahnder, doch auch diese Spur brachte keinen Durchbruch. Sie gelten inzwischen nicht mehr als Verdächtige.

Der Pressesprecher der Polizeidirektion Hof zeigt im Mai 2001 Vergleichsstücke des Schulranzens und der Jacke der Vermissten. / Archiv
Der Pressesprecher der Polizeidirektion Hof zeigt im Mai 2001 Vergleichsstücke des Schulranzens und der Jacke der Vermissten. / Archiv Foto: Marcus Führer

Auch noch in den vergangenen Jahren gab es eine Reihe von spektakulären Untersuchungsaktionen der Polizei, um das Verschwinden der Schülerin doch noch aufzuklären. Mal wurde in einer Talsperre in Sachsen nach Peggys Schulranzen gesucht, mal wurde ein Anwesen in Lichtenberg durchsucht - sogar im Garten wurde gegraben. Die Ermittler fanden damals zwar Knochenreste, sie stammten aber nicht von Peggy. Ebenso erfolglos blieb eine Grabungsaktion auf dem Lichtenberger Friedhof Anfang 2014.

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erstellt am 04.Jul.2016 | 16:46 Uhr

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