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Panorama

05. Dezember 2016 | 13:36 Uhr

Provinz Rieti : Erdbeben in Italien - mindestens 120 Tote

vom

Die Menschen werden von einem starken Beben in Italien aus den Betten gerissen. Gebäude stürzen ein. Es gibt viele Verschüttete. Die Zahl der Toten steigt.

Rom | Ein starkes Erdbeben hat in der Nacht zu Mittwoch Mittelitalien erschüttert: Stunden danach steigt die Zahl der Toten immer weiter an. Nach den Worten von Regierungschef Matteo Renzi starben mindestens 120 Menschen. „Und diese Bilanz ist nicht endgültig“, sagte er am Mittwochabend bei einem Besuch in der Katastrophen-Region.

Mehrere kleine Orte in einer Bergregion etwa 150 Kilometer nordöstlich von Rom wurden durch die Erdstöße verwüstet. Häuser glichen Schutthaufen, Trümmer und Staub bedeckten Autos und Straßen. „Viele sind noch unter den Trümmern. Wir bereiten einen Ort für die Leichen vor“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa den Bürgermeister des Ortes Amatrice, Sergio Pirozzi.

<p>Das Zentrum des Erdbebens liegt in der Region um Amatrice in Mittelitalien. Die Erschütterungen waren auch in Rom zu spüren.</p>

Das Zentrum des Erdbebens liegt in der Region um Amatrice in Mittelitalien. Die Erschütterungen waren auch in Rom zu spüren.

Foto: dpa

Die Erdstöße waren in der Nacht zu Mittwoch in den Regionen Latium, Umbrien, in den Marken und bis in die Hauptstadt Rom und an der Adria-Küste zu spüren. Menschen liefen panisch auf die Straßen. Besonders betroffen war die Gebirgsregion Appennin. Zudem hielten mehrere starke Nachbeben die Region in Atem.

Wo liegt die Region um das Bebenzentrum in Mittelitalien?

Das Zentrum des Erdbebens in Italien liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Nationalparks Gran Sasso und Monti della Laga. Die Region ist auch bei deutschen Wanderern und Mountainbikern beliebt, besonders das Gebirgsmassiv Gran Sasso mit dem 2912 Meter hohen Corno Grande ist bekannt. Das Gebiet liegt rund 100 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Rom.

Lassen sich geplante Pauschalreisen nach Rom oder an die Adria jetzt kostenlos stornieren?

„Nein“, sagt der Reiserechtler Prof. Ronald Schmid, der an der TU Dresden unterrichtet. „Dass es gewackelt hat, ist nicht ausreichend.“ Eine Kündigung wegen höherer Gewalt sei nur gerechtfertigt, wenn die Reise erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt ist. Das reine Unwohlsein sei nicht ausreichend. Das gilt auch für den Fall, dass Urlauber in Rom oder an der Adria jetzt auf Kosten des Veranstalters früher abreisen wollen.

Aber was ist, wenn Reisende sich jetzt vor Nachbeben fürchten?

„Angst ist kein Ratgeber“, sagt Schmid. Ein Seismologe müsste dem Experten zufolge zu der Einschätzung kommen, dass das Reiseziel von Nachbeben betroffen sein könnte und diese mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 30 Prozent eintreten. Eine feste Regelung, in welchem Umkreis vom Zentrum Urlauber kostenlos stornieren können, gebe es demnach nicht.

Was ist, wenn Reisende in der betroffenen Region Urlaub machen?

Dann können Pauschalreisende wegen erheblicher Gefährdung kostenlos vom Vertrag zurücktreten. „Allerdings müssen sie sich die Mehrkosten, die möglicherweise für die frühere Rückreise entstehen, mit dem Reiseveranstalter teilen“, erklärt Schmid.

Helfer suchten in den Trümmern völlig zerstörter Häuser weiter nach Überlebenden und Toten. Die Rettungsdienste konnten einige Orte in der bergigen Gegend nur schwer erreichen. Der Erdstoß mit einer Stärke von mehr als 6 hatte sein Zentrum in der Provinz Rieti.

Ein Junge konnte am Mittwoch lebend im Ort Pescara del Tronto gerettet werden. Um andere Verschüttete kämpften die Helfer verzweifelt. Im Ort Amatrice, der mit am stärksten betroffen war, halfen Ärzte einem verletzten sechsjährigen Zwilling aus den Trümmern. Der Bruder des Jungen sei noch verschüttet, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Die Bundesregierung hat Italien die Hilfe von Experten des Technischen Hilfswerks (THW) bei der Bergung von Erdbeben-Verschütteten angeboten. Das teilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch in Berlin mit. Nun müsse die italienische Regierung entscheiden, ob sie das Angebot annehme. Er sei erschüttert über die Nachrichten aus Italien, gerade vor dem Hintergrund, dass die Zahl der gemeldeten Toten weiter steige. Es sei besonders bewegend, wenn solch ein Erdbeben mitten in Europa bei einem der engsten Freunde Deutschlands geschehe.

Das Beben um etwa 3.30 Uhr hatte nach Angaben des Geophysischen Instituts Potsdam eine Stärke von 6,1 und lag in zehn Kilometern Tiefe. Die US-Erdbebenwarte USGS sprach von 6,2, das Zentrum liege südlich der Stadt Norcia. Das genaue Zentrum lag laut Nachrichtenagentur Ansa bei Accumoli, ungefähr 150 Kilometer nordöstlich von Rom.

 

Der Bürgermeister der naheliegenden Gemeinde Amatrice sagte dem Nachrichtensender RaiNews24: „Die Hälfte des Ortes gibt es nicht mehr. Die Menschen sind unter den Trümmern.“ Straßen seien blockiert, der Strom sei ausgefallen. Er forderte Hilfe per Hubschrauber. Ein Einwohner sagte dem Sender: „Alles ist kaputt.“ Mindestens zwei Tote konnten bis zum Morgen geborgen werden. Auch das Militär wurde zum Hilfseinsatz mobilisiert.

Städte wie Perugia und Assisi sind nicht weit entfernt. Auch Touristen an der Adria-Küste meldeten sich besorgt bei den Feuerwehren. An der berühmten Basilika San Francesco in Assisi, die bei einem schweren Erdbeben 1997 beschädigt wurde, gab es dieses Mal nach ersten Angaben keine Schäden.

Der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, rief ein Notfall-Komitee ein. Er sprach von einem „schweren“ Beben, es sei vergleichbar mit dem in der Stadt L'Aquila im Jahr 2009. Damals kamen mehr als 300 Menschen ums Leben, vor allem weil das Beben direkt die Stadt mit Zehntausenden Einwohnern traf. Das jetzige Beben sei vermutlich weniger fatal, weil die Gegend nicht so stark bevölkert ist. L'Aquila ist die Hauptstadt der Abruzzen und liegt nicht allzuweit von der nun betroffenen Region entfernt.

Mehrere Nachbeben folgten in der Nacht, auch in Rom schwankte gegen 4.30 Uhr erneut der Boden. Laut US-Erdbebenwarte hatte eines der Nachbeben die Stärke 5,5.

Youtube-Videos von lokalen Medien und Amateuren zeigen die Spur der Verwüstung, die das Erdbeben in der Region hinterlassen hat.

In den Straßen der schwer getroffenen Gemeinde Amatrice:

In einen Haus in Amatrice:

Auch der Ort Pescara del Tronto in den Bergen wurde zerstört:

Italien wird auf Grund seiner geografischen Lage immer wieder von Erdbeben erschüttert, oft auch schwerwiegenden.

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erstellt am 24.Aug.2016 | 19:20 Uhr

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