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Panorama

05. Dezember 2016 | 13:42 Uhr

Italien, Schweiz, Deutschland : Erdbeben in Europa: Ständige Unruhe im Untergrund

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Unter der Erdkruste in Europa brodelt es. Nicht nur in Italien bebt die Erde. Auch die Schweiz und Deutschland erleben immer wieder Erdstöße. Könnte es hier so schlimm wie in Italien werden?

Schon wieder Italien. Dieses Mal in Amatrice mitten im Apennin. Mit vielen Opfern. In den vergangenen 100 Jahren wurde der Stiefel im Mittelmeer mindestens achtmal von einem besonders zerstörerischen Erdbeben erschüttert. Fatal ist dabei: Das Land wird – nach menschlichem Zeitermessen – nie zur Ruhe kommen. Mit Blick auf die schöne Landschaft und den unruhigen Untergrund gilt ein bekannter Spruch: „In Italien liegen Himmel und Hölle dicht beieinander“.

Denn unter der Erdkruste Italiens brodelt es. Das zeigen zum einen die aktiven Vulkane wie der Ätna auf Sizilien oder der nördlich gelegene Stromboli mitten im Meer. Auch die Ruhe am Vesuv bei Neapel täuscht – es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Magma-Kammer des Vesuvs wieder erwacht und die Gesteinsschmelze herausgeschleudert wird.

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Foto: dpa
 

Und dann sind es die Erdbeben, die andeuten, wie viel Bewegung unter dem mediterranen Stiefel herrscht. Immer wieder gibt es zwischen den riesigen Kontinentalplatten auf der Erde ein stetiges Gezerre und Geschubse. Dabei drückt seit Jahrmillionen die afrikanische gegen die eurasische Platte und kommt – wenn überhaupt – nur wenige Zentimeter im Jahr voran.

Mehr noch: Ein schmaler Zipfel, der „Apulische Sporn“, stemmt sich dabei wie ein Meißel gen Norden – und knautscht beträchtliche Landmassen in die Höhe, die wir als die Alpen kennen. „Die Grenze des Sporns verläuft unter anderem einmal längs durch Italien“, erklärt Professorin Dr. Heidrun Kopp (43), Leiterin des Forschungsbereichs „Dynamik des Ozeanbodens“ am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Entlang dieser Grenze kommt es immer wieder zu den verheerenden Erdstößen, weil sich die durch das Schieben der Kontinente aufgebauten Spannungen dort entladen.

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Heidrun Kopp

 

Beben auch in Mitteleuropa

Aber auch andernorts im Mittelmeerraum bahnt sich wegen des afrikanisch-eurasischen Zusammenpralls weiteres Unheil an. In der Ägäis und „vor allem entlang der nordanatolischen Verwerfung bei Istanbul haben sich inzwischen gewaltige Spannungen aufgebaut“, berichtet Heidrun Kopp. Hier müsse schon bald mit einem sehr heftigen Erdbeben von hohem Zerstörungsgrad gerechnet werden, sagt die Professorin.

Der Prozess wird noch lange nicht zu Ende sein. „Die Plattengrenzen werden weiter bestehen bleiben, deren Lage wird sich aber mit der Zeit verändern“, sagt Kopp. Dass die Menschen dies noch bewusst erleben, ist mehr als fraglich, denn das Geschiebe der Kontinentalplatten wird Hunderte Millionen Jahre anhalten.

Selbst in Mitteleuropa werden sich die Bewohner weiter auf Erdbeben einstellen müssen. Allen voran in der Schweiz, wo die Erde bereits mehrfach in der Geschichte des Landes erschüttert wurde – ebenso infolge des Aufeinanderprallens der europäischen und der afrikanischen Platten. „Die Schweiz ist ein klassisches Erdbebengebiet – und zwar seit Jahrhunderten“, sagt die Kieler Wissenschaftlerin.

Nach Angaben des Schweizerischen Erdbebendienstes ereignete sich 1356 in Basel die stärkste historisch überlieferte Erschütterung nördlich der Alpen. Auch heutzutage wird das Alpenland immer wieder von kleineren Erdstößen traktiert. In der Schweiz könne es durchaus zu einem Beben der Stärke 6 bis 7 kommen, sagt Heidrun Kopp.

Und in Deutschland?

Auch hierzulande sind die Menschen nicht vor Erschütterungen gefeit – vor allem entlang des Oberrheingrabens im Badener Raum sowie in der Niederrheinischen Bucht im westlichen Nordrhein-Westfalen und entlang des belgisch-niederländischen Grenzgebietes. Beides seien Zonen, bei denen der alte Kontinentalschild anfing auseinanderzubrechen – ein Prozess, der jedoch in seinen Anfängen stecken geblieben sei, sagt Kopp. Dennoch komme es auch hier immer wieder zu kleineren Beben.

Die gute Nachricht für Schleswig-Holstein: „Der Norden Deutschlands ist seismisch ruhig“, sagt die Geophysikerin. Die Norddeutschen sitzen auf einem alten, kontinentalen Schild, der sich als äußert stabil erweist. Umso mehr neigten die Nordlichter jedoch dazu, „bei Reisen in die Erdbebengebiete die Gefahren zu verdrängen“, sagt Heidrun Kopp. Abhalten lassen müsse man sich davon jedoch nicht, sagt die 43-Jährige. Sie selbst sei gerade erst mit ihrer Familie aus dem Urlaub auf Korsika im Mittelmeer wieder zurückgekehrt.

 

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erstellt am 26.Aug.2016 | 08:18 Uhr

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