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Panorama

24. März 2017 | 23:06 Uhr

Kommentar zum Weltfrauentag 2017 : Entstaubte Frauenbewegung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Weltfrauentag könnte so muffig und gemütlich sein wie ein 100 Jahre alter Ohrensessel. Er ist es aber nicht, sagt Barbara Maas.

Feminismus. Das ist doch ein Sammelbecken für diese wütenden Mannsweiber und anstrengenden „Emanzen“, die wahlweise in den 70er- oder 90er-Jahren stecken geblieben sind und Männer hassen? Wer das glaubt, sollte sich heute im Laufe des Tages aufmerksam Demos zum Weltfrauentag ansehen. Möglichkeiten gibt es unter anderem in Hamburg und Kiel, wo jeweils ein „Sisters’ March“ und ein „Women's March“ für Frauenrechte, Teilhabe und eine offene Gesellschaft startet. Ich bin mir sicher: Dort wird man Vielfalt sehen – und positive Energie.

In Hamburg haben sich spontan mehrere Initiativen zusammengeschlossen. Das verbindende Element: Diese Frauen wollen keinen Geschlechterkrieg, sie gehen gegen Rassismus, Sexismus und Gewalt auf die Straße. Und eine solche gemischte, friedliche Gesellschaft nützt allen, nicht nur Frauen. Am Sonntag wurden im Hamburger Gängeviertel gemeinsam Transparente und Blumen gebastelt, am Ende der Demo wird heute getanzt. Politische Botschaft, Schönheit und Spaß.

Wir leben in einer komplexen Welt voller Widersprüche, und der moderne Feminismus, dem es um Toleranz, Chancengleichheit und Wahlfreiheit geht, schließt sie alle ein. Im Jahr 2017 kann eine Mutter, die sich entscheidet, in Vollzeit ihre Kinder zu erziehen, Feministin sein. Und die Vorstandschefin und die Schülerin sowieso.

Die Schauspielerin Emma Watson – ihr jüngster Film ist Disneys „Die Schöne und das Biest“, übrigens voller ziemlich rückschrittiger Rollenklischees – ist UN-Sonderbotschafterin für Frauenrechte und organisiert einen feministischen Buchclub im Internet. Justin Trudeau, Kanadas Premierminister, so was wie ein Popstar unter den Staatsmännern und offensichtlich ein Mann, bezeichnet sich selbst als Feminist. Und Barack Obama veröffentlichte im Sommer als er noch US-Präsident war, (ausgerechnet) im Frauenmagazin „Glamour“ ein flammendes Plädoyer für den Feminismus, in dem er schrieb: „Wenn du der Vater zweier Töchter bist, wird dir noch viel stärker bewusst, wie Geschlechterstereotypen die Gesellschaft durchziehen. Du siehst die subtilen und die gar nicht subtilen gesellschaftlichen Signale. Du fühlst den immensen Druck, unter dem Mädchen stehen, was ihr Aussehen, ihr Verhalten und sogar ihr Denken betrifft.“

Feminismus ist also schon seit einiger Zeit ziemlich hip. Und die Amtseinführung von Donald Trump als US-Präsident brachte endgültig Bewegung in die Frauen – weltweit. Der „Women’s March“ am 21. Januar zog Millionen von Demonstrantinnen nach Washington D.C. und in viele andere Städte in den USA, aber auch nach Buenos Aires und Hamburg, Kopenhagen und Paris.

Zum Weltfrauentag hat die Initiative hinter dem „Women’s March“ weltweit zum Frauen-Streik aufgerufen. Was würde passieren, wenn die Hälfte der Gesellschaft nichts mehr tut? Am Arbeitsplatz in Deutschland ist diese Idee schwer vorstellbar, im Privatleben schon eher. Und die Idee verweist auf die Ursprünge des Weltfrauentags vor einem Jahrhundert, den Sozialismus. Damals kämpften Frauen für ihr Wahlrecht. Der Weltfrauentag 2017 könnte so muffig und gemütlich sein wie ein 100 Jahre alter Ohrensessel. Er ist es aber nicht. 2017 trägt die Frauenbewegung Blumen und pinke Mützen. Und sie tanzt.

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erstellt am 08.Mär.2017 | 13:00 Uhr

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