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Panorama

04. Dezember 2016 | 15:18 Uhr

Ehemann aus Angst vor Voodoo-Zauber erstochen?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ehefrau tötete ihn mit 14 Messerstichen – wegen Demütigungen und aus Furcht vor seiner Hexerei

Mit 14 Messerstichen in Hals, Kopf und Bauch ist Jean Claude T. (58) aus Kabelhorst (Kreis Ostholstein) im Oktober erstochen worden. Im Schlaf, wie die Staatsanwaltschaft glaubt. Seit gestern muss sich Ehefrau Eunice W. (43) wegen Mordes vor dem Landgericht Lübeck verantworten.

Bei der Tat habe auch die Angst der Ehefrau vor dem Voodoo-Zauber ihres Mannes eine Rolle gespielt, sagt ihr Rechtsanwalt.

Justizbeamte führen Eunice W., die aus Kamerun kommt, in Handschellen in Saal 155. Während der gesamten Verhandlung wird sie in ein Taschentuch weinen. Und bevor überhaupt die Anklage verlesen ist, wispert sie zum Richter: „Ich will etwas sagen, aber nicht heute.“ Verteidiger Stefan Tripmaker erklärt: „Meine Mandantin ist einfach noch zu angespannt, wird aber kommende Woche ein persönliches Geständnis ablegen, alle Fragen beantworten.“

Die Staatsanwaltschaft ist von einem heimtückischen Mord im Schlaf überzeugt, da Jean Claude T. keine Abwehrverletzungen hatte. Er verblutete durch sechs Messerstiche in die rechte Bauchseite und acht in Hals und Kopf. „Der Körper lag im Schlafzimmer in einer riesigen Blutlache, im ersten Moment hatte ich den Eindruck, der Kopf sei abgetrennt“, schildert der Polizist, der am frühen Morgen des 22. Oktober 2015 als erster Beamter am Tatort eintraf.

Eunice W. selbst hatte den Notruf gewählt und berichtete dem Polizeihauptmeister, zwei Männer seien gekommen und hätten „Böses mit Jean Claude gemacht“. Sie habe sich eine Bettdecke über den Kopf ziehen müssen. Zunächst zweifelte niemand an dieser Aussage – und Eunice W. geriet als Tatverdächtige auch deshalb nicht ins Visier, weil sie kein Blut an ihren Sachen hatte. Später allerdings entdeckten Ermittler im Ofen des Einfamilienhauses verbrannte Kleidungsstücke und ein verkohltes Smartphone. Zudem gab es keine Einbruchsspuren. Fünf Tage nach dem Mord wurde Haftbefehl gegen die Ehefrau erlassen.

Jean Claude T. stammte aus dem westafrikanischen Benin, besaß einen deutschen Pass und arbeitete in der Küche des Gosch-Hotels im Ostseebad Grömitz. In Kabelhorst hatte er sich ein kleines Häuschen am Ende einer Sackgasse gekauft. Nach der Renovierung sei er nach Kamerun gereist, um eine Frau zu finden und zu heiraten, berichtet eine Nachbarin. Mit Eunice W. kam Jean Claude zurück, das Paar bekam zwei Kinder (2 und 4).

„Mit großen Hoffnungen ist meine Mandantin 2011 nach Deutschland gekommen“, verliest Rechtsanwalt Tripmaker eine Erklärung. „Doch das Glück hielt nicht lange, die Ehe war schnell völlig zerrüttet.“ Eunice W. habe unter Verachtung, intimen Demütigungen, Verboten und Gewalt gelitten. „Und sie hatte Angst vor dem Voodoo-Zauber, den ihr Mann und ein Freund betrieben“, so der Anwalt. „Sie glaubte an die Wirkung dieser Hexerei.“ Welches Ziel der Familienvater mit dem Voodoo-Zauber verfolgte, will Eunice W. in ihrer Aussage erklären. Ihr Anwalt sagt, Jean-Claude habe sie ständig betrogen und nach Afrika zurückschicken wollen. „Das wäre eine große Schande gewesen, sie lebte in von Panik geprägter Ausweglosigkeit.“ Die Tat sei aber kein heimtückischer Mord gewesen, weil Jean-Claude eben nicht geschlafen habe. „Meine Mandantin erwartet eine gerechte Strafe für eine Tat, die sie nie begehen wollte. Sie wollte ihren Kindern nicht den Vater nehmen.“

Die beiden Söhne leben jetzt bei einer Pflegefamilie. Das Jugendamt des Kreises Ostholstein hat entschieden, dass die Kinder im Prozess Nebenkläger sind. Ob es in ihrem Interesse ist, dass die Mama zu einer hohen Strafe verurteilt wird? Nebenklägeranwalt Andre Vogel gibt darauf keine Antwort.

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erstellt am 27.Apr.2016 | 12:11 Uhr

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