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Panorama

08. Dezember 2016 | 03:07 Uhr

Waldstück in Thüringen : DNA-Abgleich: Knochen im Wald stammen sicher von Peggy

vom

2001 wurde die neunjährige Peggy als vermisst gemeldet. Ihre Leiche wurde jetzt entdeckt - gelöst ist der Fall nicht.

Die in einem Waldstück in Thüringen gefundenen Knochenreste stammen sicher von der vermissten Schülerin Peggy. Dies habe ein DNA-Abgleich ergeben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera am Dienstag. Rechtsmediziner in Jena hatten die Leichenteile untersucht. Bereits am Montag hatten die Ermittler erklärt, dass die Skelettteile „höchstwahrscheinlich“ von der seit mehr als 15 Jahren vermissten Schülerin stammen.

Der spektakuläre Fall beschäftigte die Ermittler jahrelang - und blieb dann vorerst ungelöst. Auch nach dem Fund der Leiche gibt es noch immer viele Fragen - aber zumindest in einem Punkt Gewissheit.

Peggy war am 7. Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Seitdem fehlte von dem Mädchen jede Spur. Am Samstag entdeckte ein Pilzsammler in Thüringen die Knochen - etwa 15 Kilometer vom Heimatort des Mädchens im oberfränkischen Lichtenberg entfernt. In dem Waldstück fanden die Ermittler daraufhin auch mehrere Gegenstände, die auf Peggy hindeuten.

Der Fall Peggy: 15 Jahre Unsicherheit

Der Fall Peggy beschäftigt Behörden und Öffentlichkeit seit 15 Jahren. Die Neunjährige aus dem oberfränkischen Lichtenberg kommt im Mai 2001 nach der Schule nicht nach Hause. Seitdem fehlt von ihr jede Spur. Zunächst steht der ehemalige Lebensgefährte von Peggys Mutter im Verdacht, das Mädchen in die Türkei verschleppt zu haben. Im Oktober 2002 präsentieren die Ermittler dann einen geistig behinderten Mann als mutmaßlichen Mörder. Er wird zu lebenslanger Haft verurteilt, 2014 aber aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Ein wichtiger Belastungszeuge hatte zuvor seine Aussage widerrufen.

Nach dem Verschwinden von Peggy gehen innerhalb weniger Monate Tausende Hinweise bei der Polizei ein. Der entscheidende Tipp ist nicht dabei. Im Frühjahr 2013 graben die Ermittler erfolglos auf einem Grundstück, das nur etwa 250 Meter von Peggys Wohnhaus entfernt liegt.

Ende 2013 gerät ein Mann ins Visier der Ermittler, der ein enger Freund von Peggys Familie war. Der Verdacht gegen ihn erhärtet sich aber nicht. Zudem lassen die Behörden auf dem Friedhof Lichtenberg ein Grab öffnen, indem sie die Leiche des Mädchens vermuten. Doch Peggy bleibt verschwunden.

 

Offen ist, ob das Rätsel um Peggys Tod ganz geklärt werden kann. 2002 hatten die Ermittler einen geistig behinderten Mann als Tatverdächtigen präsentiert. Er habe Peggy ermordet, um zu vertuschen, dass er sie sexuell missbraucht habe, hieß es damals. Der Mann wurde 2004 als Peggys Mörder verurteilt, 2014 jedoch in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen.

Die Chronologie des Falls:

7. Mai 2001 Die neunjährige Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg verschwindet auf dem Heimweg von der Schule. Wochenlange Suchaktionen bleiben ohne Erfolg.
August 2001 Die Polizei nimmt einen geistig behinderten Mann fest. Er gibt an, sich an Peggy und drei weiteren Kindern sexuell vergangen zu haben.
22. Oktober 2002 Die Ermittler präsentieren den 24-Jährigen als mutmaßlichen Mörder der Schülerin.
7. Oktober 2003 Vor dem Landgericht Hof beginnt der Prozess.
30. April 2004 Der geistig behinderte Mann wird wegen Mordes an Peggy zu lebenslanger Haft verurteilt.
17. September 2010 Ein wichtiger Belastungszeuge widerruft seine Aussage und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden.
4. April 2013 Der Anwalt des geistig behinderten Mannes beantragt die Wiederaufnahme des Falls.
8. Januar 2014 Auf dem Friedhof Lichtenberg öffnen die Ermittler ein Grab. Sie vermuten, dass bei einer Beerdigung 2001 Peggys Leiche dort abgelegt wurde. Doch sie finden keine Hinweise.
10. April 2014 Auf Anordnung des Landgerichts Bayreuth beginnt das Wiederaufnahmeverfahren.
7. Mai 2014 Das Gericht beendet das Verfahren aus Mangel an Beweisen. Eine Woche später gibt es einen Freispruch für den geistig behinderten Mann.
18. Februar 2015 Die Staatsanwaltschaft Bayreuth stellt ihre Ermittlungen ein. Ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wird aber aufrechterhalten, um mögliche Spuren weiterzuverfolgen.
19. März 2015 Das Oberlandesgericht Bamberg entscheidet, dass der ursprünglich verurteilte Mann aus der Psychiatrie entlassen werden soll.
3. Juni 2015 Die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ greift den Fall Peggy auf.
16. Juni 2015 Ein ehemaliger Verdächtiger im Fall Peggy wird in einem anderen Fall wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Jugendstrafe von sieben Monaten ohne Bewährung verurteilt. Im Fall Peggy gilt er nicht mehr als tatverdächtig.
Mai 2016 Ein im Fall Peggy ehemals verdächtigter Mann fordert Schadenersatz von mehr als 20.000 Euro. Ermittler hatten 2013 auf der Suche nach dem verschwundenen Mädchen sein Grundstück in Lichtenberg metertief durchsuchen lassen. Die Ermittler hatten dabei zwar Knochenreste gefunden. Sie stammten aber nicht von Peggy.
2. Juli 2016 Ein Pilzsammler entdeckt Knochenreste in einem Waldstück in Thüringen, etwa 15 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt.
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erstellt am 05.Jul.2016 | 16:29 Uhr

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