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Panorama

05. Dezember 2016 | 01:31 Uhr

Schüsse auf Polizisten in Dallas : Der tödlichste Tag für die US-Polizei seit dem 11. September

vom

Fünf Polizisten kommen ums Leben. Die Anschläge erschüttern die USA zutiefst.

Dallas | Es war vielleicht zu befürchten. Aber dass es passieren würde, hat doch niemand kommen sehen. Was in der Nacht zum Freitag in Dallas geschieht, wird der tödlichste Tag für die Polizei in den USA seit dem 11. September 2001. Heckenschützen erschießen fünf Polizisten und verletzen mindestens sechs Menschen. Sie postierten sich entlang der Route einer Demonstration gegen Polizeigewalt. Ausgerechnet.

Bei solchen Demonstrationen kommt es gelegentlich zu Gewalt, aber dieses Mal ist die Situation völlig anders. US-Medien beschreiben die Täter als professionell, taktisch trainiert, „offensichtlich Profis“, sagt der Polizeiexperte von CNN. „Das war nicht das, was man sonst von Protesten kennt.“ Sie postierten sich in einem strategischen Dreieck an der Strecke der Demonstration, sagt Polizeichef David O. Brown. Sie feuerten von erhöhten Positionen. Einigen Polizisten schossen sie in den Rücken.

 

Unter blankem Abendhimmel waren etwa 1000 Menschen in der Südstaatenmetropole auf die Straße gegangen, um gegen den Tod zweier Schwarzer zu protestieren, die binnen 48 Stunden von der Polizei erschossen worden waren. Teilnehmer wie Polizei sagen, es sei völlig ruhig und friedlich gewesen. Spät am Abend beginnt, was US-Präsident Barack Obama später verabscheuungswürdig nennen wird, bösartig und kalkuliert.

 

Polizeichef David O. Brown sagt, die Täter seien mit schnellladenden Gewehren bewaffnet gewesen. Im Fernsehen sind Salven zu hören, Augenzeugen beschreiben tödliche Schüsse aus allernächster Nähe. „Sie haben einen nach dem anderen abgeknallt, einen nach dem anderen“, ruft ein Mann. „Jeder, der an diesen schrecklichen Morden beteiligt war, wird zur Rechenschaft gezogen werden“, sagt Obama.

Diese Anschläge erschüttern die USA zutiefst, und sie werden extrem nachhallen. Nicht nur hat die Polizei, wie das Militär, einen besonderen Platz in der Gesellschaft. Auch die jahrelange Waffendebatte wird nach diesen Schüssen auf bewaffnete Staatsdiener neu befeuert werden.

Noch ist unklar, ob es eine Beziehung der Täter zu der Protestbewegung gegen Polizeigewalt gab. Diese Bewegung hat großen Zulauf, weil sich an den Missständen im Verhältnis von Schwarz und Weiß in der Gesellschaft wenig ändert.

Da die Bürgerrechtsbewegung „Black Lives Matter“ ein nicht immer eindeutig ablehnendes Verhältnis zu Gewalt hat, begann schon Stunden nach der Bluttat eine erregte, gefährliche Debatte: Trägt die Schwarzenbewegung Schuld? Die Polizei selbst stellt keinerlei Zusammenhang her, informiert vorsichtig, abwartend. Jeder weiß, was Dallas für ein Pulverfass werden kann. 

Obama hatte in der Nacht vor Dallas versucht, einen schwierigen Bogen zu schlagen. Ganz Amerika müsse über die toten Schwarzen erschüttert sein, sagte er in Warschau, unmittelbar nach der Landung zum Nato-Gipfel in einem Statement, das war ungewöhnlich. Ja, es gebe Benachteiligungen im Justizsystem, Diskriminierungen. Obama sagte aber auch, wie viele Polizisten einen schweren, einen ausgezeichneten Job machten, und wie sehr er ihnen danke.

Diese Sätze müssen zeitlich mit den letzten Vorbereitungen der Täter von Dallas zusammengefallen sein. Für 21 Uhr Ortszeit wird das erste „Pop, Pop“ schneller Schüsse beschrieben.

Drei Verdächtige werden festgenommen, das Fernsehen zeigt Gefesselte in Tarnkleidung. Mit einem vierten liefert sich die Polizei 45 Minuten Schusswechsel, er hatte sich laut Polizeichef David Brown im Parkhaus einer Hochschule verschanzt. Inzwischen ist der junge Mann tot. „Das Ende ist nah“, habe der Mann verkündet und angegeben, Weiße und insbesondere weiße Polizisten töten zu wollen. Zudem habe er gesagt, dass Bomben im Parkhaus und in der Stadt versteckt seien. Die Polizei tötete den Mann laut Brown mithilfe eines Roboters per Sprengsatz. Bomben wurden nicht gefunden.

Der Mann, den die Polizei getötet hat, ist nach US-Medienberichten ein 25-Jähriger aus der Gegend der US-Großstadt. Die „Los Angeles Times“ und der Sender CBS gaben den Namen unter Berufung auf Ermittler mit Micah X. J. an. Der Mann habe keine kriminelle Vergangenheit und keine bekannten Verbindungen zu terroristischen Gruppen. Er habe zudem Verwandte im texanischen Mesquite, einer Stadt östlich von Dallas. Den Angaben zufolge sind FBI-Ermittler in die Untersuchungen einbezogen. Eine offizielle Bestätigung für die Identität des Getöteten gab es zunächst nicht.

Der Mann, den die Polizei in Dallas nach Schüssen auf Polizisten getötet hat, ist nach US-Medienberichten ein 25-Jähriger aus der Gegend der US-Großstadt. Die „Los Angeles Times“ und der Sender CBS gaben den Namen unter Berufung auf Ermittler mit Micah X.

J. an. Der Mann habe keine kriminelle Vergangenheit und keine bekannten Verbindungen zu terroristischen Gruppen. Er habe zudem Verwandte im texanischen Mesquite, einer Stadt östlich von Dallas.

Den Angaben zufolge sind FBI-Ermittler in die Untersuchungen einbezogen. Eine offizielle Bestätigung für die Identität des Getöteten gab es zunächst nicht.

Vor einem Krankenhaus in Dallas weinen Polizisten um ihre toten Kollegen, eine salutierende Reihe ehrenden Respekts. Untergehaktes Krankenhauspersonal schirmt zwei Todesopfer, die aus dem OP geschoben werden, vor Kameras ab.

Lynn May, Augenzeuge, stand an der Lamar Street, sagt er der „Dallas Morning News“, als sich der Protestzug plötzlich in einen Tatort verwandelte. Dort, zeigt er, begannen aus dem Nichts die Schüsse. „Hier hat dieser Krieg angefangen.“

Anlass für die Tat war wohl der Tod von zwei Schwarzen innerhalb von zwei Tagen: In Falcon Heights (Minnesota) war der 32 Jahre alte Philando Castile im Krankenhaus gestorben, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle auf ihn geschossen hatte. In Baton Rouge (Louisiana) hatten zwei Polizisten den 37-jährigen Alton Sterling auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und aus nächster Nähe erschossen.

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erstellt am 08.Jul.2016 | 14:44 Uhr

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