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Panorama

10. Dezember 2016 | 19:38 Uhr

Twin Strangers : Das sechsfache Lottchen: Wenn Fremde aussehen wie Zwillinge

vom

Sehen sich zwei Menschen zum Verwechseln ähnlich, sind aber nicht verwandt, nennt man sie Twin Strangers.

Wer den beiden begegnet oder sie auf Fotos sieht, hält Niamh und Irene für Zwillinge. Sie sehen nicht nur gleich aus, sondern bewegen sich auch ähnlich, haben den gleichen sarkastischen Humor. In Wahrheit aber sind sie keine Schwestern – nicht einmal mit einander verwandt. Sie sind völlig Fremde, die sich wie aus dem Gesicht geschnitten sind. Twin Strangers (fremde Zwillinge) nennt man solche Menschen – jeder von uns hat angeblich sieben solcher Doppelgänger auf der Welt. Klingt erst einmal unwahrscheinlich, doch für die Dublinerin Niamh Geaney wird diese Theorie immer realer. Denn Irene ist nicht die erste Fremde, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht, sondern bereits die dritte.

Forscher der australischen Universität Adelaide haben 2015 untersucht, wie hoch die Chancen stehen, jemandem zu begegnen, der genauso aussieht wie man selbst. Die Forscher haben dafür acht Punkte im Gesicht bestimmt, die bei den Testpersonen identisch sein müssen. Das Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei komplett fremde Personen exakt gleich aussehen, liege bei eins zu einer Milliarde. Es ist folglich äußerst unwahrscheinlich, mathematisch aber möglich. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass sich Menschen äußerlich sehr ähneln, wie das Projekt Twin Strangers beweist.

Die 27-jährige Niamh, die als Moderatorin arbeitet, kam durch eine Produktionsfirma auf die Idee, nach ihrer Doppelgängerin zu suchen. „Ich habe aber nicht eine Sekunde geglaubt, dass das klappen würde. Ich dachte immer, ich sehe recht einzigartig aus“, sagt sie im Interview mit der Schweriner Volkszeitung. Um die Aktion spannender zu gestalten, machten Niamh und ihre Freunde Harry und Terence daraus einen Wettstreit. 28 Tage gaben sich die jungen Leute Zeit, um ihre Lookalikes zu finden und starteten neben einer Social Media Kampagne die Website twinstrangers.com. Niamh war bereits nach einer Woche erfolgreich. Das kuriose: Doppelgängerin Karen war die ganze Zeit nur knapp eine Stunde Fahrt entfernt.

Hier sind nicht drei Bilder von den selben Zwillingen zu sehen, sondern Niamh Geaney mit ihren drei Twin Strangers – Irene (l.) aus Irland, Karen (o.r.) ebenfalls aus Irland und Luisa (u.l.) aus Italien.
Hier sind nicht drei Bilder von den selben Zwillingen zu sehen, sondern Niamh Geaney mit ihren drei Twin Strangers – Irene (l.) aus Irland, Karen (o.r.) ebenfalls aus Irland und Luisa (u.l.) aus Italien. Foto: Collage: metro.uk
 

„Als ich ihr Foto sah, bemerkte ich zwar Gemeinsamkeiten, konnte aber nicht einschätzen, wie ähnlich wir uns tatsächlich sehen“, sagt Niamh. Erst Freunde und Familie hätten sie darin bekräftigt. Als sie Karen – ihrem ersten Twin Stranger – dann aber persönlich begegnete, die beiden sich gleich anzogen und schminkten, waren alle Zweifel verflogen. „Sie sah mir sogar ähnlicher, als meine eigenen Geschwister.“ Ihr Treffen wurde als Video auf Youtube festgehalten.

 

Ihr Internet-Suchportal wird weltweit zum Renner

Schnell bekamen die drei Zwillings-Sucher darauf Anfragen aus aller Welt von Personen, die ebenfalls ihren Twin Stranger finden wollten. „Nach etwa sechs Monaten wurde die Website vom reinen Informations-Tool über unsere Aktion zur Plattform für eine eigene Suche umgebaut“, erklärt Niamh. Inzwischen versuchen über eine Million Menschen weltweit, ihre fremden Zwillinge ausfindig zu machen.

Die Suche gestaltet sich unter Umständen gar nicht so einfach. Es kann gut sein, dass wir unserem Doppelgänger bereits über den Weg gelaufen sind, ohne ihn oder sie zu erkennen, sagt die 27-jährige Irin. „Weil wir nicht trainiert sind, nach unserem Gesicht zu suchen und uns selbst ja auch immer nur als Spiegelbild wahrnehmen.“ Wichtig sei es daher, so die Dublinerin, für die Suche ein ordentliches Foto zu wählen. „Keine zu starken Filter, nicht zu viel Make-up und keine gewagten Bildschnitte“, empfiehlt sie. Vor allem das Gesicht sollte immer gut erkennbar sein. Bei ihr selbst war es wohl so, denn sie hatte das Glück, bald noch einen zweiten Zwilling ausfindig zu machen – dieses Mal musste die 27-Jährige allerdings nach Italien reisen, um sie zu treffen.

Doch wie fühlt es sich an, einen Fremden mit dem eigenen Gesicht zu treffen? „Äußerst seltsam und surreal“, erinnert sich Moderatorin Geaney. Die meiste Zeit haben sie und ihr Gegenüber sich nur angestarrt. Es fielen Sätze wie: „Das ist mein Gesichtsausdruck!“ Selbst den Eltern waren die gleichen Züge etwas unheimlich. „Von weitem dachte ich, du seist Luisa“, sagte Luisas Mutter zu Niamh. Erstaunlich.

Drei von sieben Doppelgängern hat sie schon gefunden

Und die Suche der Irin ist noch lange nicht beendet. Mit drei von sieben gefundenen Doppelgängern ist sie so nah dran wie niemand sonst, den Mythos der sieben Doppelgänger zu beweisen. Doch was dann? „Auf jeden Fall möchte ich alle an einem Ort zusammenbringen“, sagt Niamh. Auch der Gedanke, eine Girlband zu gründen, sei ihr schon gekommen. Sie selbst könne singen und wisse von ihren drei fremden Zwillingen, dass auch sie einigermaßen musikalisch begabt sind. „Den Rest erledigt heutzutage ja sowieso Autotune“, sagt sie mit einem Grinsen.

Auch in Deutschland haben sich bereits fremde Zwillinge gefunden – in einer Bar mitten in Bremen. Ciara Murphy, die aus Irland stammt, erinnert sich noch genau an den Abend. „Hast Du deine Zwillingsschwester schon vorgeschickt?“ wurde sie gefragt, als sie in der Kneipe ankam. Dabei hatte die Irin ihr Auslandssemester komplett allein angetreten. Der Freund deutete auf Cordelia Roberts, die an einem Nebentisch saß. Und tatsächlich: Die Engländerin, die ebenfalls ein Auslandssemester an der Bremer Uni absolvierte, war ihr ähnlich wie eine Zwillingsschwester. Beide fanden sich auf Anhieb sympathisch und sind seit diesem Abend unzertrennlich. An der Uni nennt man die beiden inzwischen nur noch das „Zwillings-Paket“, weil sie alles zusammen machen.

Cordelia Roberts (l.) aus England und Ciara Murphy aus Irland lernten sich bei einem Auslandssemester in Deutschland kennen.
Cordelia Roberts (l.) aus England und Ciara Murphy aus Irland lernten sich bei einem Auslandssemester in Deutschland kennen. Foto: twinstrangers.com
 

Es gibt auch prominente Twin Strangers:

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erstellt am 02.Sep.2016 | 14:26 Uhr

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