zur Navigation springen

Panorama

10. Dezember 2016 | 04:19 Uhr

Cannabis-Debatte : Cannabis für Schwerkranke bald auf Rezept erhältlich

vom

Nach einer jahrelangen Debatte bringt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe ein neues Gesetz auf den Weg: Schwerkranke sollen schmerzlinderndes Cannabis von ihrer Krankenkasse bezahlt bekommen.

Die Diskussion darum gibt es bereits seit Jahren, jetzt wird das Gesetzt endlich auf den Weg gebracht: Schmerzpatienten sollen künftig Cannabis auf Rezept in der Apotheke bekommen können. Die Krankenkassen sollen die Cannabinoide bezahlen. Die Reaktionen sind positiv - aber nicht allen geht der Schritt weit genug.

Cannabis kommt bei schweren Krankheiten wie Multipler Sklerose, Krebs, Querschnittslähmung, Aids oder dem Tourette-Syndrom zum Einsatz. Forscher hatten in einer Studie herausgefunden, dass dadurch etwa chronische Schmerzen oder auch Übelkeit im Rahmen einer Chemotherapie gelindert werden könnten.

Nach jahrelangen Diskussionen brachte das Bundeskabinett am Mittwoch einen entsprechenden Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe auf den Weg. „Wir wollen, dass für Schwerkranke die Kosten für Cannabis als Medizin von ihrer Krankenkasse übernommen werden, wenn ihnen nicht anders geholfen werden kann“, sagte der CDU-Politiker in Berlin.

Eine generelle Cannabisfreigabe lehnt die Regierung ab. Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) sagte: „Cannabis ist keine harmlose Substanz. Daher darf es auch keine Legalisierung zum reinen Privatvergnügen geben.“ Patienten ohne therapeutische Alternative sollen getrocknete Cannabisblüten und -extrakte erhalten. Dafür soll der Anbau möglich gemacht werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte soll als staatliche Cannabisagentur fungieren. Diese soll das medizinische Cannabis laut Gesetzentwurf an Hersteller von Cannabis-Arzneimitteln, Großhändler oder Apotheken weiterverkaufen. Bis es den geplanten staatlich kontrollierten Anbau in Deutschland gibt, soll die Versorgung mit Importen gedeckt werden.

Bislang haben rund 650 Patienten eine Ausnahmeerlaubnis für Cannabisblüten und -extrakte aus der Apotheke. Die Erstattung, die nun generell möglich werden soll, soll aber an wissenschaftliche Begleitstudien geknüpft werden.

Der Zeitung „Die Welt“ sagte Gröhe, es sei wahrscheinlich, dass das Gesetz spätestens im Frühjahr 2017 in Kraft treten könne. Die Deutsche Schmerzgesellschaft begrüßte das Vorhaben. Cannabinoide könnten für ausgewählte Patienten hilfreich sein, allerdings wirkten sie in vielen Fällen nur sehr schwach schmerzlindernd. „Bemerkenswert ist, dass in Einzelfällen speziell ausgewählte Patienten, bei denen die gebräuchlichen Schmerzmittel versagen, von der Anwendung der Cannabinoide sehr stark profitieren“, so der Präsident der Schmerzgesellschaft, Michael Schäfer. Dies betreffe etwa Patienten mit multipler Sklerose, Querschnittslähmung oder Nervenverletzung. Auch Aids- oder Krebspatienten bekommen entsprechende Produkte.

Die Grünen warfen der Regierung vor, das Thema weiter mit Scheuklappen anzugehen. „Die Vorschläge von Gesundheitsminister Gröhe verbessern die Behandlungssituation von Betroffenen nur minimal“, kritisierten die Abgeordneten Katja Dörner und Harald Terpe. Denn cannabishaltige Medikamente solle es nur geben, wenn die Betroffenen andere Behandlungsformen erfolglos ausprobiert haben und sich für die Forschung zur Verfügung stellen. Der Linken-Drogenpolitiker Frank Tempel sagte, er sehe dieses „Eigenanbauverhinderungsgesetz“ mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) begrüßte den Gesetzentwurf, betonte aber: „Die missbräuchliche Verwendung von Cannabis-Arzneimitteln muss weiterhin ausgeschlossen werden.“

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte: „Stimmt das Parlament zu, endet für hunderte Betroffene der Spießrutenlauf durch die Bürokratie. Damit wird die illegale private Hanfplantage für Kranke endlich Vergangenheit.“

zur Startseite

von
erstellt am 05.Mai.2016 | 17:01 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen