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Busfahrer gesteht Missbrauch von behinderten Kindern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

70-jähriger Rentner zeigt Reue vor dem Landgericht Flensburg – und hofft auf Bewährung

Es geschah auf dem Heimweg. Eltern hatten ihre geistig behinderten Kinder vertrauensvoll in die Obhut von Rolf L. gegeben. Der Busfahrer aus Flensburg transportierte sie zur Schule und wieder zurück. Auf der Rückfahrt verging er sich an mindestens fünf Schülerinnen im Alter von 10 bis 17 Jahren.

Gestern – fast drei Jahre nach den Taten – saßen einige Eltern dem Mann gegenüber, der ihre Kinder auf schamloseste Weise sexuell missbraucht hatte. Vor der Polizei hatte der Mann die Übergriffe, die im April 2014 begonnen hatten, bereits eingeräumt. Nachdem sich ein sexuell bedrängtes Mädchen seinen Eltern anvertraut hatte, kam die Kripo auf die Spur des bis dahin als unbescholten geltenden Chauffeurs, der umgehend vom Dienst suspendiert wurde.

Am ersten Verhandlungstag vor der I. Großen Strafkammer des Landgerichts Flensburg warf die Staatsanwaltschaft dem Rentner neben dem sexuellen Missbrauch auch den Besitz kinderpornografischen Materials vor. Während der 70-Jährige sich zu diesem Vorwurf nicht äußern wollte, räumte er den Missbrauch der Mädchen ein, die eine Schule für geistig behinderte Kinder besuchten. „Das, was der Staatsanwalt vorgelesen hat, stimmt in allen Punkten.“ Er bereue das Geschehene sehr.

Demnach wartete Rolf L. jeweils so lange, bis er alle Schüler zu Hause abgeliefert hatte und am Ende einer Tour mit einem der Mädchen in seinem Kleinbus allein war. Dort forderte er sie auf, sich auszuziehen, machte Nacktfotos im Intimbereich, berührte sie an den Brüsten.

Vier Elternpaare treten als Nebenkläger auf. Sie hatten nach Bekanntwerden der Taten mit Nachdruck Konsequenzen zur Risiko-Minimierung gefordert. Das „Vier-Augen-Prinzip“, also eine zusätzliche Begleitung in den Schulbussen, stand schon davor auf der Wunschliste der Elternvertreter ganz oben. Es ist bis heute jedoch abhängig von einer individuellen Bewilligung durch die Stadt.

Im Sommer letzten Jahres hatte die Verteidigung des Angeklagten in einem Vorgespräch um Bewährung gebeten – und ein umfängliches Geständnis angekündigt. Der Prozess wird morgen fortgesetzt – mutmaßlich wird dann bereits das Urteil fallen. „Eine Bewährung“, sagt eine betroffene Mutter, „wäre empörend! Er hat das Leben der Mädchen nachhaltig geschädigt.“

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erstellt am 09.Mär.2017 | 07:27 Uhr

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