zur Navigation springen

Panorama

09. Dezember 2016 | 12:40 Uhr

„Feuer-Intifada“ : Brandserie in Israel - Feuerwehr sieht Verbesserung der Lage

vom

In Israel wüten seit Tagen große Feuer. Zehntausende mussten ihre Häuser verlassen. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung.

Tel Aviv | Nach tagelangen großen Bränden in Israel spricht die Feuerwehr jetzt vorsichtig von einer Entspannung der Lage. „Es ist viel besser als gestern“, sagte am Freitag der Sprecher der Feuer- und Rettungsdienste, Joram Levi, der Deutschen Presse-Agentur. „Gestern war es am schlimmsten.“ Die Feuerwehr bleibe dennoch alarmiert.

Aktuell würden insgesamt vier größere Feuer in zwei Orten im Norden, in der Nähe von Jerusalem und in Haifa bekämpft. Die Einsatzkräfte warnten am Freitag auch vor einer Überlastung. „Die Feuerwehrkräfte kämpfen schon fünf Tage mit den Flammen, sie sind am Rande des Zusammenbruch“, sagte Avi Ankori, der Leiter des nationalen Verbandes der Feuerwehrleute der Nachrichtenseite „Ynet“.

Eine Serie von riesigen Feuern wird zu einem Politikum zwischen Israelis und Palästinensern. Israelische Medien sprechen bereits von einer „Feuer-Intifada“ von Palästinensern. Deren Vertreter weisen solche Anschuldigungen zurück. Ein israelischer Oppositionspolitiker nannte sie am Freitag „wilde Hetze“. Die Polizei habe zwölf Männer als Verdächtige festgenommen, teilte ein Sprecher am Freitag mit. Er äußerte sich zunächst nicht zu möglichen Motiven. Hingegen hatte Polizeichef Roni Alscheich am Donnerstag gesagt: „Es ist davon auszugehen, dass die Fälle von Brandstiftung nationalistisch motiviert waren.“

Seit mehreren Tagen wüten in Israel Brände, auch in der Nähe von Jerusalem. Zehntausende Israelis flohen allein in der Hafenstadt Haifa. Rund 75.000 Menschen waren nach Medienberichten in Haifa betroffen, gut ein Viertel der Bewohner der Küstenstadt. 60 Menschen wurden nach Angaben der Rettungskräfte verletzt. In Haifa hätten zudem hunderte Soldaten bei der Brandbekämpfung mitgeholfen.

Wasel Abu Jussef, Mitglied des PLO-Exekutivkomitees, bezeichnete die Anschuldigungen als „grundlos und unzutreffend“. „Israelische Offizielle versuchen damit, die israelische Öffentlichkeit gegen die Palästinenser aufzuhetzen und nicht mehr.“ Sie würden alles Schlechte den Palästinensern zuschreiben. „Das ist ein einfacher Weg, um jegliche persönliche Verantwortung für die Geschehnisse zu vermeiden.“ Der palästinensische Zivilschutz hat nach eigenen Angaben zur Unterstützung vier Feuerwehrwagen nach Jerusalem und Haifa geschickt. Zahlreiche Länder, darunter auch die USA, Frankreich und Russland, wollen Israel im Kampf gegen die Flammen unterstützen.

Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte, Brandstiftung sei Terror. „Jeder, der versucht, Teile des Staates Israel zu verbrennen, wird hart bestraft werden“, sagte er nach Angaben seines Büros. Der Oppositionspolitiker Jussef Dschabarin warnte dagegen laut der „Haaretz“: „Diese Anschuldigungen sind arrogant und unverantwortlich und stellen eine gefährliche und wilde Hetze gegen die arabische Bevölkerung dar.“ Es seien auch arabische Gebiete betroffen gewesen. „Und das Feuer in Haifa unterscheidet auch nicht zwischen Juden und Arabern.“

Auch im Westjordanland gibt es seit Mittwoch Brände, unter anderem in der Nähe von Ramallah. Dort gab es allerdings nach Behördenangaben zunächst keine Menschen mit Rauchvergiftungen und keine Beschädigungen von Häusern. In Israel und den Palästinensergebieten herrscht eine lange Trockenheit. Starke Winde fachen die Feuer weiter an.

zur Startseite

von
erstellt am 25.Nov.2016 | 12:05 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen