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Panorama

10. Dezember 2016 | 02:11 Uhr

Rapper Denis Cuspert aus Berlin : Bericht: IS-Terrorist „Deso Dogg“ doch nicht bei Luftangriff getötet

vom

Denis Cuspert ist schon öfter für tot erklärt worden - zuletzt im Oktober 2015. Doch nun machen die US-Behörden einen Rückzieher.

Das US-Verteidigungsministerium hat einem Medienbericht zufolge Angaben über den Tod eines als „Deso Dogg“ bekannten Berliner IS-Terroristen widerrufen. Denis Cuspert habe einen Luftangriff im vergangenen Jahr in Syrien doch überlebt, schrieb die „New York Times“ unter Berufung auf einen Pentagonsprecher.

Das Ministerium hatte im Oktober 2015 erklärt, Cuspert sei bei einem Angriff in der Nähe von Al-Rakka, der Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), getötet worden. „Es scheint nun, dass diese Einschätzung inkorrekt war und Denis Cuspert den Luftangriff überlebt hat“, teilte der Sprecher demnach mit. Sicherheitsbehörden in Deutschland hatten Cusperts Tod nicht bestätigt.

Der gebürtige Berliner, der als Rapper den Namen „Deso Dogg“ trug, hat unter dem Namen Abu Talha al-Almani in zahlreichen IS-Videos zu Gewalt aufgerufen und mit islamistischen Anschlägen gedroht. Cuspert soll auch damit beauftragt gewesen sein, Deutsche für den IS zu rekrutieren.

Portrait: Denis Cuspert - Berliner Rapper und islamistischer Terrorist

In Berlin machte sich „Deso Dogg“ einen Namen in der Rapper-Szene. Als Kämpfer aufseiten der Terrormiliz wurde der Deutsche Denis Cuspert bekannter - Anfang Februar setzten die Amerikaner ihn auf ihre Terroristenliste.

Der islamistische Terrorist wurde im Oktober 1975 als Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers in West-Berlin geboren. Er wuchs in verschiedenen Stadtteilen auf, vor allem in Kreuzberg. Laut einem Dossier des Berliner Verfassungsschutzes über das Leben Cusperts geriet der Junge in ein soziales Milieu, „das sich analog zur US-amerikanischen Gang-Kultur über Gewalt, kriminelle Geldbeschaffung und exzessive Lebensführung definiert“.

2002 begann Cusperts Karriere als Rapper unter dem Namen „Deso Dogg“. In seinen Texten verarbeitete er persönliche Erfahrungen mit Diskriminierung. Er sei zwar wenige Jahre später innerhalb der deutschsprachigen Hip-Hop-Szene bekanntgewesen, der große Durchbruch sei ihm aber nicht gelungen, schrieb der Verfassungsschutz.

Seit 2007 präsentierte Cuspert sich als gläubiger Muslim. Spätestens Anfang 2010 entstanden Kontakte zur Berliner Al-Nur-Moschee. Die Moschee in einem Gewerbegebiet in Berlin-Neukölln machte Schlagzeilen mit Auftritten von Hasspredigern und wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Damals entstand ein Video, das Cuspert im Gespräch mit dem salafistischen Prediger Pierre Vogel zeigt.

Mitte 2012 reiste Cuspert zunächst nach Ägypten aus, ein halbes Jahr später zog er weiter nach Syrien. Er schloss sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an. Im September 2013 wurde er - offenkundig bei einem Luftangriff des syrischen Militärs - schwer am Kopf verwundet.

Im selben Monat erhob die Staatsanwaltschaft in Köln in Abwesenheit Anklage gegen Cuspert wegen Sachbeschädigung. Er soll einem Reporter in einer Moschee eine Filmkamera entrissen und diese auf den Boden geworfen haben. Das Verfahren wurde eingestellt, weil Cuspert schon damals als untergetaucht galt.

Cuspert hat unter dem Namen Abu Talha al-Almani in zahlreichen IS-Videos zu Gewalt aufgerufen und mit islamistischen Anschlägen gedroht. Er soll damit beauftragt gewesen sein, Deutsche für den IS zu rekrutieren. Laut Analyse der Verfassungsschützer genoss er „eine exponierte Stellung als deutschsprachiger Propagandist des Islamischen Staates“. Schon mehrfach wurde sein Tod gemeldet - stets unbestätigt.

Neben Deso Dogg ist auch ein anderer Deutscher in den US-Medien präsent. Harry Sarfo aus Bremen war ein IS-Kämpfer und hat sich mittlerweile von dem Terrornetzwerk losgesagt. Er wurde in Hamburg zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. In einem Bericht mit der New York Times enthüllt er, wie der IS in Europa Anhänger rekrutiert.

Das Wichtigste: Der IS spricht in ihrer Rekrutierung gezielt Kriminelle an, da diese bereits Kontakte in der Szene hätten. Sie wollten Harry Sarfo nicht in Syrien haben, sondern in Europa, um das globale Terrornetzwerk zu stärken.

Der IS schicke außerdem die Planer von Anschlägen nach Europa, die dann die Attentäter logistisch unterstützen würden.

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erstellt am 04.Aug.2016 | 08:58 Uhr

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