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Panorama

05. Dezember 2016 | 13:32 Uhr

Initiative „Safer Tattoo“ : Bauernminister Schmidt kämpft jetzt gegen Tattoos

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt warnt vor „spontanen Tattoos, die aus einer Urlaubslaune heraus“ entstehen. Und der CSU-Politiker startet gleich eine Kampagne.

Trotz der bunten Arme zahlreicher EM-Stars oder der vielen nackten Haut im Freibad – gerade einmal jeder siebte Deutsche ist tätowiert. Nach einer Umfrage der Meinungsforscher von YouGov tragen Frauen (18 Prozent) eher ein Tattoo als Männer (13 Prozent), die Zahlen sind zwischen (Groß-)Stadt- und Landbewohner praktisch gleich, genau wie es auch keinen nennenswerten Unterschied zwischen Ost (15 Prozent) und West (16 Prozent) gibt.

Tattoos sind ein Dauerbrenner, jeder Siebte trägt Farbe unter der Haut. Diese Form der Körperkunst ist seit Jahrhunderten beliebt. Aber ganz ungefährlich sind die Bilder nicht.

Nur gut jeder Zehnte möchte sich später von seinem Tattoo wieder trennen – schließlich sind Motive, der persönliche Stil und auch der Zeitgeschmack einem stetigen Wandel unterworfen, neue Tätowiermoden, das Verblassen der Farben nach Jahren, das Verzerren durch Hauterschlaffung tun ihr Übriges. Doch auch hier setzen Stars wie David Backham oder Britney Spears die Trends – den Gang zur Lasertherapie, um alte Tattoos für neue Bilder aufzubereiten. Die Statistik beweist: Nach zehn Jahren lässt jeder Zweite seine Tätowierung überarbeiten und entfernen. Dabei trennen sich vor allem Frauen zwischen Mitte Zwanzig und Fünfzig von den Erinnerungen, die einst unter die Haut gingen.

Verglichen mit den Gesundheitsrisiken von Alkohol- oder Tabakkonsum sind das alles keine alarmierenden Zahlen – für Christian Schmidt, als Bundeslandwirtschaftsminister auch für den gesundheitlichen Verbraucherschutz zuständig, jedoch Grund genug, eine Informationsmaßnahme „Safer Tattoo“ zu starten. Schließlich sei Sommerzeit auch Tätowier-Zeit, da Tattoos nun besonders gut zu sehen seien und dies gegebenenfalls zur Nachahmung einlade. Der CSU-Politiker: „Gerade zu Beginn der Urlaubszeit warne ich vor spontanen Tattoos, die aus einer Urlaubslaune heraus entstehen. Sie sind ein Souvenir, das einem ein Leben lang erhalten bleibt – und das leider auch Risiken birgt. Deshalb sind sichere Rahmenbedingungen und gute Verbraucherinformationen wichtig. Als Bundesminister für den gesundheitlichen Verbraucherschutz setze ich mich für europaweite Regelungen zu chemischen Stoffen in Tätowiermitteln sowie für Verbesserungen bei der Hygiene ein.“

Außerdem unterstützt Schmidt die Forderungen des Bundesverbandes Tattoo e.V. nach einer Einführung von Befähigungsnachweisen. „Wer so eine sensible Arbeit macht und damit Einfluss auf die Gesundheit der Verbraucher hat, muss sein Handwerk – nachweisbar – beherrschen“, so der Bundesminister gegenüber Schleswig-Holstein am Sonntag. Zu dem Gesamtkomplex habe sein Ministerium die Internetseite www.safer.tattoo.de frei geschaltet. Schwerpunkte seien hier Informationen über Risiken, Sicherheitshinweise sowie Basiswissen über Tattoos & Co.

Mit einigen Mythen rund um die Kunst der Körperverzierung räumt der Minister mit seiner Informationsmaßnahme jedoch nicht auf. So lässt sich weder ein Zusammenhang mit dem sozialen Status, noch dem Bildungsgrad oder gar (fehlenden) Arbeitsverhältnissen von Tattoo-Trägern gegenüber Tattoolosen herstellen. Im Gegenteil: Eine GfK-Studie stellt fest: Der Tätowierte arbeitet häufiger als die Normalbevölkerung. Auch sei es „kein Ausweis von Freigeistigkeit, Promiskuität oder sonstigen Neigung zur Normabweichung, wenn man sich eine Körperverzierung zulegt“. Umgekehrt hat es ebensowenig je einen Beleg dafür gegeben, dass die Tätowierung besonders stark unter Kriminellen verbreitet gewesen wäre, wie der Kriminalbiologe und Forensiker Dr. Mark Benecke hervorhob, der historische kriminologische Fachartikel mit den aktuellen Studienergebnissen verglichen hatte: „In den Artikeln von 1903 steht, dass genauso viele Menschen in Akademikerkreisen wie unter Knackis tätowiert sind – also haargenau das Gleiche wie heute.“

Wie auch immer – Tattoos sind keine Modeerscheinung, sondern die früheste Art der Körperkunst, die schon lange vor der christlichen Zeitrechnung praktiziert wurde. Bisher hatte man gedacht, dass die erste wirkliche und materiell existierende Tätowierung von den Skyten (Altai-Gebirge am Schwarzen Meer) aus dem 5. Jahrhundert vor Christus stammt. Die 1991 entdeckte Mumie vom Hauslabjoch in der Nähe des Ötztales in Italien („Ötzi“) hat aber die Geschichte des Tätowierens neu geschrieben. Sie beweist, dass bereits in der Bronzezeit, also vor mehr als 5000 Jahren, in Europa Ornamente in die Haut gestochen wurden. Dieser älteste erhaltene menschliche Körper der Welt besitzt 15 Tätowierungen.

Etwa um 1750 kam es in Japan zu einer sprunghaften Zunahme der Tätowierungen. Zu dieser Zeit kleideten sich reiche Kaufleute in Seidenkimonos mit schillernden Farben. Die Armen konnten sich solche Kleidung nicht leisten und begannen stattdessen sich mit tätowierten Mustern zu bedecken, was wesentlich billiger war. Von Japan gelang 1840 durch das Eintreffen westlicher Besucher die Tätowierung wieder nach Europa. Einer der ersten Abendländler war der Herzog von York, der künftige König Georg V., etwas später dann der Zar Nikolaus II von Russland, die sich tätowieren ließen.

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erstellt am 03.Jul.2016 | 15:19 Uhr

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