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Panorama

24. Januar 2017 | 20:28 Uhr

Würzburg : Axt-Attacke: 17-Jähriger wollte sich an „Ungläubigen“ rächen

vom

Der Angriff mit einer Axt in einer Regionalbahn in Würzburg erschüttert Deutschland. Was ist bekannt? Eine Übersicht.

Würzburg | Ein junger Mann geht in einem Zug nahe Würzburg mit Axt und Messer auf Menschen los. Auf der Flucht töten Polizisten den Angreifer. Was ist passiert - und welche Fragen sind offen? Eine Übersicht.

Was wir wissen:

- Der Täter war ein 17-jähriger Afghane, der den Ermittlungen zufolge vor etwa zwei Jahren als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen war.

- Seit dem vergangenem Jahr war er als Asylbewerber registriert. Seit März war er in einem Heim im Landkreis Würzburg untergebracht, die vergangenen zwei Wochen lebte er in einer Pflegefamilie.

- Der 17-Jährige machte nach Angaben des bayerischen Sozialministeriums ein Praktikum mit der Aussicht auf eine Lehrstelle.

- Der Täter soll am Montagabend gegen 20 Uhr seine Pflegefamilie verlassen haben. Nach ersten Erkenntnissen ist er in Ochsenfurt in den Zug gestiegen und hat dann „sehr schnell“ Fahrgäste attackiert.

- Er wollte sich nach Angaben der Ermittler an Nicht-Muslimen rächen, die seinen muslimischen Glaubensbrüdern Leid angetan hätten. Das sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager. Der 17-Jährige sei mit dem vorgefassten Entschluss in den Zug gestiegen, ihm unbekannte „Ungläubige“ umzubringen. Seinen eigenen Tod habe er dabei in Kauf genommen. Der 17-Jährige habe die Angriffe „mit Vernichtungswillen geführt, sagte Ohlenschlager.

- Der Täter sei ein gläubiger Muslim gewesen, der bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten war.

- Am vergangenen Samstag habe er erfahren, dass ein Freund von ihm in Afghanistan ums Leben gekommen war.

- Während der Tat habe der Jugendliche mehrmals „Allahu akbar“ («Gott ist groß») gerufen. Auf dem Handy-Notruf einer Zeugin, der von der Polizei aufgezeichnet wurde, sei dieser Ausruf „deutlich zu verstehen“, sagte Ohlenschlager.

- In dem Regionalzug wurden Mitglieder einer Familie aus Hongkong verletzt, die Urlaub in Deutschland machten. Auf seiner Flucht verletzte der Täter zudem eine Passantin. Mehrere Menschen im Zug erlitten einen Schock. Drei der Verletzten schwebten am Dienstag laut Würzburger Uniklinik in Lebensgefahr.

- Stand der 17-Jährige in Verbindung mit der Terrormiliz Islamischer Staat? Ermittler haben bei der Durchsuchung der Wohnung eine handgemalte IS-Fahne. Zudem hat der IS die Tat für sich beansprucht.

Was wir nicht wissen:

- Der Täter hat möglicherweise einen Abschiedsbrief hinterlassen. Es gebe ein Schriftstück, das nach erster Durchsicht als „Abschiedstext an den Vater“ interpretiert werden könnte, sagte der bayrische Innenminister Joachim Herrmann. Der Inhalt ist bislang unbekannt.

- Warum haben Einsatzkräfte den jungen Mann erschossen? Weil der Täter mit Axt und Messer die Polizisten angriff, blieb laut Polizeigewerkschaft nur der Schusswaffengebrauch. Doch es wurden auch kritische Stimmen laut, unter anderem von Renate Künast, die damit einen Shitstorm bei Twitter auslöste. Das Landeskriminalamt hat dazu interne Ermittlungen aufgenommen, ein üblicher Vorgang beim Schusswaffengebrauch von Beamten.

Die Vorschriften zum Schusswaffengebrauch in Schleswig-Holstein haben wir hier zusammengefasst.

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erstellt am 19.Jul.2016 | 16:57 Uhr

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