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Panorama

04. Dezember 2016 | 17:20 Uhr

Urteil : Auf Kreuzfahrtschiff gearbeitet: Falscher Arzt muss drei Jahre ins Gefängnis

vom

Gefährliche Körperverletzung, Titelmissbrauch und Betrug - das Landgericht Berlin hat den falschen Arzt schuldig gesprochen.

Berlin | Ein falscher Arzt, der Narkosen durchgeführt und auf einem Kreuzfahrtschiff Patienten behandelt hat, ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Berlin sprach den 41-Jährigen am Montag unter anderem der gefährlichen Körperverletzung, des Titelmissbrauchs sowie des Betrugs schuldig.

Der gelernte Krankenpfleger hatte sich fünf Jahre lang als Anästhesist und Intensivmediziner ausgegeben. Zuletzt war er als Schiffsarzt auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff tätig. Zuvor hatte er sich mit gefälschten Dokumenten eine Anstellung bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation und als Dozent erschlichen. Der geständige Angeklagte hatte außerdem 41 Narkosen durchgeführt.

80 Taten wurden dem Mann vorgeworfen: Betrug, Urkundenfälschung, Missbrauch von Titeln und 63 Fälle von gefährlicher Körperverletzung. Der mutmaßliche Hochstapler erschlich sich den Ermittlungen zufolge als angeblicher Anästhesist und Intensivmediziner eine Stelle bei der Deutschen Stiftung für Organtransplantation sowie eine Dozententätigkeit an der Berliner Charité. Zudem habe er in einer Praxisklinik 41 Patienten unter Narkose gesetzt und als Schiffsarzt praktiziert. Damit habe er insgesamt rund 500.000 Euro eingenommen.

In Stendal in Sachsen-Anhalt wurde er Krankenpfleger. „Mein Herz schlug für die Intensivmedizin“, sagt der Angeklagte beim Prozess im Juli. Ärzte hätten ihn geschätzt. „Ich wurde immer häufiger bei Diagnostik einbezogen.“ Doch es sei mehr und mehr darum gegangen, Kosten einzusparen. Er habe deshalb eine Auszeit genommen. In Burma, Kambodscha und Vietnam sei er gewesen. „Da reifte der Entschluss, mich als Arzt auszugeben.“ Berlin sollte wegen der Liebe zu einer Frau seine neue Heimat werden.

Die Deutsche Stiftung für Organtransplantation täuscht er kurz darauf. „Es gab zwei Fachgespräche, dann hat man mich als Koordinator eingearbeitet.“ Er habe später ein hervorragendes Zeugnis erhalten.

Es treffe auch zu, dass er in einer Praxisklinik als Narkosearzt am OP-Tisch stand. Die Dosierung habe problemlos ein Gerät geregelt: „Da gibt man nur das Gewicht des Patienten ein und drückt auf Start.“ Zuletzt arbeitete er als falscher Arzt an Bord der Aida. „Aus einer Laune heraus hatte ich mich beworben“, sagt der 41-Jährige. An der Charité sei es ihm zu theoretisch geworden. „Hatten Sie kein Muffensausen angesichts der vielen Passagiere?“, fragt der Richter bei der Verhandlung im Juli. Der Angeklagte zuckt mit der Schulter: „Es war immer noch ein Kollege da.“ Einer Patientin soll er eine antibiotische Infusion gegeben haben, obwohl die Frau kein Penicillin verträgt. Sie soll Kreislaufprobleme bekommen haben.

Als der 41-Jährige im Oktober 2014 bei der Ärztekammer Berlin einen neuen Ausweis beantragte und einen zweiten Vornamen eintragen lassen wollte, kamen erste Zweifel auf. Im Dezember 2015 wurde er verhaftet.

Die Reederei Aida suspendierte den vermeintlichen Arzt, nachdem Staatsanwaltschaft und Ärztekammer das Unternehmen über den Fall informiert hatten. „Wir wurden von dem Mann umfassend getäuscht“, teilte ein Sprecher Anfang Dezember mit. Man unterstütze die Berliner Behörden bei ihren Ermittlungen.

„Es gab nie fachliche Beschwerden“, erklären die Verteidiger. Während des Prozesses sagte der Angeklagte: „Ich möchte mich entschuldigen bei den Menschen, deren Vertrauen ich ausgenutzt habe“, sagt er. „Ich wollte Menschen helfen.“ Er habe als Kind die Abenteuerromane von Karl May verschlungen und schon als Neunjähriger davon geträumt, „einmal Medizinmann zu werden“.

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erstellt am 08.Aug.2016 | 11:14 Uhr

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