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Kritik von Tierschützern : Anfeindungen gegen Seehundjäger: „Wir sind keine Mörder“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Sprecher der 40 Seehundjäger, Ole Sieck (34), über Anfeindungen, mit denen er und seine ehrenamtlichen Kollegen zu kämpfen haben.

Kiel | Seit Monaten wirbt Ethia mit einer Internet-Petition für mehr Seehundstationen. Dazu sollen Tierärzte den Gesundheitszustand kranker Fundtiere begutachten und nicht ehrenamtliche Seehundjäger, wie es seit Jahren Praxis ist. Immer wieder werden Vorwürfe laut, dass Seehundjäger Tiere erschießen, die überlebensfähig sind. Die Seehundjäger fühlen sich von den Tierschützern zu Unrecht an den Pranger gestellt, sagt deren Sprecher Ole Sieck im Interview.

Herr Sieck, macht es noch Spaß Seehundjäger zu sein?

Natürlich. Wir wollen ja den Tieren, die überlebensfähig sind, helfen. Und wenn wir verwaiste Tiere – sogenannte Heuler – am Strand finden, dann bringen wir sie in die Seehundstation nach Friedrichskoog. Nur ein ganz geringer Prozentteil ist so schwach, dass wir die Tiere erlösen müssen.

Aber gerade dafür werden Sie von Tierschützern kritisiert, die im Internet schon über 75.000 Unterstützer haben. Die behaupten, sie erschießen auch Tiere, die man retten kann – etwa, weil die Seehundstation voll ist.

Das ist doch Blödsinn. Niemand von uns geht los und jagt Seehunde. Wir sind keine Mörder. Wenn ich aber ein Tier am Strand finde, das zum Beispiel länger von der Mutter getrennt ist, oder ältere Tiere, die schwere Lungenprobleme haben, massive Verletzungen oder Entzündungen z. B. an den Flossen haben, die ganz lange Zeit brauchen würden, um gesund zu werden – dann erlöse ich den Seehund von seinen Leiden. Das ist auch meine Pflicht als Jäger: Ein angefahrenes oder krankes Reh im Wald erlöse ich ja auch. Wir wollen und brauchen keinen künstlichen Wildtierbestand. Das ist nicht im Sinne der Natur und kann auch nicht im Sinne von echten Tierschützern sein.

Mit Bildern wie diesen protestieren Tierschützer gegen die Seehundjäger.
Mit Bildern wie diesen protestieren Tierschützer gegen die Seehundjäger. Foto: Ethia/Screenshot
 

Aber die Tierschützer beharren darauf, dass Ihre Ausbildung nicht genügt, um beurteilen zu können, ob die Tiere überlebensfähig sind.

Doch, das können wir. Wir haben alle einen Jagdschein, sind Jagdaufseher und haben uns durch viele Fortbildungen auf Seehunde spezialisiert. Und wir machen einen Job, den viele andere nicht machen wollen.

Weil sie Tiere töten?

Ja, das ist nicht angenehm. Und die meisten Seehunde, zu denen wir gerufen werden, sind bereits tot. Das ist kein schöner Anblick, sicher auch nicht für so genannte Tierschützer, gehört aber zur Natur dazu. Es gibt nicht nur die niedlichen Seehunde mit den Kulleraugen, die man aus der Werbung kennt.

Werden Sie angefeindet?

Ja, leider immer wieder – und das enttäuscht uns sehr, um es mal vorsichtig auszudrücken. Zwei meiner Kollegen sind von so genannten Tierschützern zu Hause bedrängt und dabei heimlich gefilmt worden. Die Videos tauchten dann mit Namen und Adressen im Internet auf. Zum Glück sind sie mittlerweile verschwunden – aber wir fühlen uns dadurch zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Was haben Sie zu verheimlichen?

Nichts. Jeder von uns gibt den Leuten am Strand gern Auskunft, es gibt genügend Informationen über unsere Arbeit. Wer die kennt, der hat in der Regel auch Verständnis für uns. Wir machen nichts Verbotenes, und deswegen lassen wir uns auch nicht diffamieren.

Hintergrund: So viele Seehunde gibt es im Watt

Die Anzahl der Einsätze der Seehundjäger schwankt und hängt  laut Nationalparkamt von Sturmfluten und Krankheiten der Seehunde ab. 2014 gab es  wegen einer Grippe-Epidemie über 3500 Einsätze, damals  töteten Seehundjäger mit etwa 500 mehr kranke Tiere als in anderen Jahren, wo es etwa 300 waren.

Nach der Epidemie sei der Bestand im Norden 2015 um etwa zehn Prozent gesunken, sagt Armin Jeß vom Nationalparkamt, auch 2016 ging der Bestand zurück. Im August wurden 7500 Seehunde in Schleswig-Holstein gezählt. 2016 lieferten Seehundjäger 290 Tiere in die Seehundstation ein, da zu kommen Kegelrobben, so dass es insgesamt erstmalig über 300 Robben waren.

 
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erstellt am 04.Mär.2017 | 18:02 Uhr

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