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Panorama

07. Dezember 2016 | 09:47 Uhr

Schießerei in München : Amoklauf: Drei Tote stammten aus einer einzigen Familie

vom

Zehn Menschen sind tot, zehn schwer verletzt. Details hat die Polizei jetzt bekanntgegeben.

München | In München hat ein 18-Jähriger neun Menschen und sich selbst getötet. Viele Menschen sind verletzt, einige schweben noch in Lebensgefahr. Die Polizei hat am Mittag in einer Pressekonferenz über den aktuellen Stand informiert. Die folgenden Informationen hob sie dabei besonders hervor:

  • Es gebe überhaupt keinen Bezug zum Thema Flüchtlinge.
  • Und: Es gebe keine Veranlassung, aus Sicherheitsgründen München nicht zu besuchen oder Veranstaltungen nicht zu besuchen.

Wer war der Täter?

Die Bluttat in dem Münchner Einkaufszentrum mit insgesamt zehn Toten war der Amoklauf eines vermutlich psychisch kranken Einzeltäters - einen Bezug zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gibt es nicht. Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä sagte am Samstag in München weiter, es gebe keinerlei Hinweise, dass mehr als der eine Täter aktiv gewesen seien. Der 18-Jährige habe sich anschließend selbst getötet. Die Ermittler sehen einen möglichen Zusammenhang mit den Morden des Norwegers Anders Behring Breivik vor genau fünf Jahren.

Der Täter hatte nach ersten Erkenntnissen von Ermittlern eine Erkrankung „aus dem depressiven Formenkreis“. „Wir haben einige Hinweise dafür, dass eine nicht unerhebliche psychische Störung bei dem Täter vorliegen könnte“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Samstag.

Der Täter führte den Angaben zufolge eine illegale Pistole des Kalibers 9 Millimeter bei sich, die Seriennummer war ausgefräst. Der junge Mann habe über 300 Schuss Munition bei sich gehabt, sagte LKA-Präsident Robert Heimberger. Im Magazin habe sich noch Munition befunden. Woher die Waffe herstammt, sei noch nicht geklärt.

Der 18-Jährige war Schüler, er ist in München geboren und aufgewachsen. Die Ermittler haben in seiner Wohnung Bücher über Amokläufe gefunden. Eines hieß: „Amok im Kopf. Warum Schüler töten“. Er habe sich intensiv mit dem Thema befasst. Die Verbindung zu Breivik „liegt auf der Hand“, sagte Andrä. Am Freitag war der fünfte Jahrestag von Breiviks Amoklauf.

Es gebe bisher keine Hinweise, dass sich der Täter mit dem Anschlag in einem Regionalzug am Montagabend in Würzburg beschäftigt habe, sagte Andrä weiter. Auch ein Abschiedsbrief des Mannes sei bisher nicht gefunden worden. Das könne sich aber noch ändern. Der Täter hat möglicherweise einen Facebook-Account gehackt, um Menschen zum Tatort zu locken. Die Polizei zählte am Freitag zwischen 18 und 24 Uhr 4310 Notrufe - das Vierfache eines normalen Tages, sagte Andrä.

Der Täter soll zuletzt mehrere Jahre in München gelebt haben. Der Polizei war er bisher noch nicht aufgefallen. Sie bestätigte, dass es sich bei einem Mann, der auf einem im Internet kursierenden Video auf einem Parkdeck zu sehen ist, um den Täter handeln könnte. Polizeipräsident Andrä rief die Bevölkerung auf, den Ermittlern mögliche weitere Handy-Videos vom Tatort zur Verfügung zu stellen.

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte, der Amokläufer war für die Sicherheitsbehörden zuvor ein unbeschriebenes Blatt. "Gegen ihn waren bisher keine polizeilichen Ermittlungen bekannt." Deswegen habe es auch keine staatsschutzrelevanten Informationen gegeben. "Und es gibt auch keine Erkenntnisse der Nachrichtendienste über diese Person." Möglicherweise sei der junge Deutsch-Iraner gemobbt worden. Die Frage, wie es zu solchen "Explosionen von Gewalt" kommen könne und ob die Tat absehbar war, müsse sich möglicherweise eher an das direkte Umfeld des 18-Jährigen richten als an die Sicherheitsbehörden. De Maizière machte brutale Internetvideos und Computerspiele für Gewaltexzesse wie in München mitverantwortlich.

Wer sind die Opfer?

Die Toten stammten laut Andrä alle aus München und Umgebung. Viele Todesopfer waren minderjährig. Zwei 15-Jährige und drei 14-Jährige seien ums Leben gekommen, berichteten die Ermittler. Weitere Opfer seien 17, 19, 20 und 45 Jahre alt gewesen. Unter den neun Todesopfern seien drei Frauen gewesen. Drei Tote stammten aus einer einzigen Familie, teilte der Münchner Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) mit.

Wie lief die Tat ab?

Der Ablauf der Tat lässt sich den Angaben zufolge noch nicht abschließend erkennen. Die zeitliche Abfolge werde nun auch mit Hilfe von Videoaufnahmen ermittelt. Der Tatort am Olympia-Einkaufszentrum werde zunächst abgesperrt bleiben. Zur Zeit sind noch 800 Einsatzkräfte in der Stadt im Einsatz. Aus Sicherheitsgründen müssten in München nach Angaben Andräs jedoch keine Veranstaltungen abgesagt werden.

Nach seiner Ansicht war der zeitweise als „akute Terrorlage“ bezeichnete massive Polizeieinsatz in München gerechtfertigt. Es sei angesichts der vielen Hinweise auf weitere Schauplätze absolut „richtig und notwendig gewesen“, in dieser Stufe einzusteigen, sagte er. Ähnlich äußerten sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Herrmann (beide CSU).

Mehr als sieben Stunden nach der Tat hatte die Polizei per Twitter eine „vorsichtige Entwarnung“ gegeben.

Die Ereignisse in der Stadt:

Nach den Schüssen am Olympiazentrum war in Teilen der Stadt Panik ausgebrochen. Das Hauptaugenmerk habe nach den Schüssen vor allem darauf gelegen, die Sicherheit in München zu gewährleisten, sagte Andrä. Darum warnte die Polizei zunächst vor einer „akuten Terrorlage“, die Landeshauptstadt rief den „Sonderfall“ wegen einer „Amoklage“ aus. Und: Die Polizei forderte die Anti-Terror-Einheit GSG 9 des Bundes und Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern an.

Mehrere Fehlalarme und Gerüchte im Internet sorgten für zusätzliche Angst auf den Straßen. Unklar war anfangs, ob es in der Innenstadt eine weitere Attacke gab. Auch dort rückten schwer bewaffnete Polizisten aus, nachdem Menschen schreiend und in Panik geflohen waren. Ein Polizeisprecher sagte später, zahlreiche Hinweise per Notruf über Schusswechsel an anderen Stellen der Stadt hätten sich nicht bestätigt.

Minutenprotokoll: Die Schießerei in München

17.52 Uhr: Der Alarm vom Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) im Norden der Stadt geht bei der Polizei ein. Die ersten Schüsse fallen bei einem Schnellrestaurant. Von diesem Zeitpunkt an sind überall in München Polizeisirenen zu hören.

18.33 Uhr: Die Polizei bestätigt: Im OEZ hat es eine Schießerei gegeben. Ob Menschen verletzt oder getötet wurden, ist zunächst unklar. „Es ist wohl etwas Größeres“, sagt eine Sprecherin.

18.35 Uhr: Die Polizei twittert: „Im Moment haben wir einen großen Polizeieinsatz am OEZ. Bitte meiden Sie den Bereich um das Einkaufszentrum.“ Personen rund um das OEZ senden über den Internetdienst Periscope Live-Videos vom Polizeieinsatz.

18.43 Uhr: Es wird klar, dass es Verletzte und möglicherweise auch Tote gegeben hat.

19.05 Uhr: Die Warnung der Polizei an die Bevölkerung geht über Twitter raus: „+++ACHTUNG+++ Meiden Sie die Umgebung um das #OEZ - Bleiben Sie in Ihren Wohnungen. Verlassen Sie die Straße!+++“

19.13 Uhr: Die Polizei hält die Menschen per Twitter auf dem Laufenden. „Lage am #OEZ mit #Schießerei ist aktuell noch unübersichtlich. Es gab mehrere Verletzte.“

19.17 Uhr: Die Polizei muss die Warnung ausweiten - vom OEZ auf alle öffentlichen Plätze. „Meiden Sie öffentliche Plätze in #München. Die Lage ist noch unübersichtlich.“

19.20 Uhr: Die Polizei weiß nicht, ob sie es mit einem Täter oder mehreren zu tun hat.

gegen 19.30 Uhr: Ein Internetvideo taucht auf. Es zeigt einen Menschen, der aus einem Fast-Food-Restaurant offensichtlich in München kommt und mit einer Handfeuerwaffe wahllos auf Menschen schießt. Die Quelle dieses Videos, das auf Twitter veröffentlicht wurde, ist zunächst unklar.

19.33 Uhr: Nun gibt es auch in der Innenstadt einen Großeinsatz der Polizei. Zahlreiche Menschen laufen aus der Fußgängerzone zum Karlsplatz (Stachus). Leute schreien und brechen in Tränen aus.

Zahlreiche schwer bewaffnete Polizisten sind vor Ort. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist auf dem Weg in die Landeshauptstadt.

19.37 Uhr: Die Polizei appelliert an Internetnutzer: „Bitte keine Fotos/Filme von polizeilichen Maßnahmen online stellen. Unterstützt nicht die Täter!“

19.41 Uhr: Die Sicherheitskräfte lassen Menschen in der Innenstadt nicht mehr zum Marienplatz und Odeonsplatz. Am Stachus laufen allerdings viele Passanten herum. Gerüchte machen sich breit über angebliche weitere Schießereien. Die Polizei reagiert auf Twitter: „Gerüchte um eine #Schießerei in der City bekannt. Die Lage ist noch unklar! Bitte meidet öffentliche Plätze sowie U/SBahn“ - Dann stellt die Polizei klar, dass es am Stachus in der Innenstadt einen Fehlalarm gegeben hat.

19.42 Uhr: Der U-Bahn-Verkehr in der Innenstadt ist eingestellt.

19.47 Uhr: „Wir wissen derzeit nicht wo sich die Täter befinden. Passt auf Euch auf und meidet nach wie vor die Öffentlichkeit“ - In den Minuten danach informiert die Polizei auch auf Englisch.

20.01 Uhr: Es fahren keine Trambahnen, U-Bahnen und Busse mehr. Der Nahverkehr ist auf Anweisung der Polizei eingestellt worden.

20.10 Uhr: Der Hauptbahnhof wird evakuiert - wegen eines Polizeieinsatzes, teilt die Deutsche Bahn mit. Auch der Zugverkehr ist jetzt eingestellt.

20.11 Uhr: Die Münchner Polizei geht davon aus, dass es am Olympia-Einkaufszentrum drei Attentäter gegeben habe. „Zeugen melden drei verschiedene Personen mit Schusswaffen“, schreibt die Polizei auf Facebook. Trotz hohen Fahndungsdrucks hätten noch keine Täter festgenommen werden können. Über die Anzahl von Opfern lägen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.

20.13 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) haben ein Krisentreffen in der Staatskanzlei in München angesetzt.

20.16 Uhr: Die Stadt München ruft den „Sonderfall“ wegen einer „Amoklage“ aus. Die Bürger werden über das Smartphone-Warnsystem Katwarn aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen.

20.18 Uhr: Die Polizei versucht zu beruhigen: „Starke Polizeikräfte in der gesamten City. Wir fahnden mit Hochdruck nach den Tätern.

Meidet die Öffentlichkeit!“ - Die Polizei sendet ihre Infos jetzt auch auf Französisch.

20.24 Uhr: Unruhe und teilweise Panik herrscht in der Stadt. Nach der Sperrung des Hauptbahnhofs flüchten Menschen über Bahngleise, wie Augenzeugen berichten.

20.26 Uhr: Ärzte und Schwestern sind zu Münchner Krankenhäusern gerufen worden - zur Vorsorge. „Es wurde der Alarm Massenanfall Verletzte ausgelöst“, sagt der Sprecher des Universitäts-Klinikums Großhadern. Ob und wie viele Verletzte schon eingeliefert wurden, kann er zunächst nicht sagen.

20.34 Uhr: Sicherheitskreise schließen dpa-Informationen zufolge einen Terroranschlag nicht aus. Es gehe tendenziell in Richtung Terrorverdacht, erfährt die Deutsche Presse-Agentur.

20.35 Uhr: Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eilt in die Einsatzzentrale der Münchner Polizei. Der von der Stadt ausgerufene „Sonderfall“ bedeute, dass jetzt alle Dienste der Stadt zusammenarbeiteten, sagt er.20.42 Uhr: Die Polizei spricht von einer „akuten Terrorlage“ in München.

20.44 Uhr: Drei Täter mit „Langwaffen“ sind nach Polizeiangaben auf der Flucht.

20.55 Uhr: Feuerwehr und Rettungskräfte in München sind mit einem Großaufgebot im Einsatz. „Alles, was verfügbar ist, ist im Einsatz“, sagt ein Sprecher der Münchner Feuerwehr.

21.05 Uhr: Tschechien verstärkt die Polizeistreifen im Grenzgebiet zu Deutschland. Auch in vielen Einkaufszentren in Tschechien wird die Polizeipräsenz erhöht.

21.12 Uhr: Die Münchner Polizei hat noch keine Täter festgenommen.„Die Fahndung nach ihnen läuft mit Hochdruck“, heißt es.

21.16 Uhr: US-Präsident Barack Obama sagt Deutschland seine Unterstützung zu. „Deutschland ist einer unserer engsten Verbündeten.

Wir werden ihnen jegliche Unterstützung zusagen, die sie in diesen Umständen brauchen können“, sagt Obama in Washington.

21.21 Uhr: Die erste Opferzahl: Mindestens fünf Menschen sind getötet worden, gibt ein Polizeisprecher bekannt.

21.23 Uhr: Die Polizei twittert: unbekannte Zahl von Verletzten und sechs Tote.

21.32 Uhr: Nach den Tätern wird im gesamten Stadtgebiet und im Umland gefahndet. Gerüchte über den angeblichen Tod eines Täters kann ein Sprecher der Polizei zunächst nicht bestätigen.

21.33 Uhr: Die Bundesregierung stellt sich auf eine Krisenlage wegen der tödlichen Attacken in München ein. Im Kanzleramt kommen Mitarbeiter zusammen, um die Geschehnisse in München zu verfolgen und Kontakt mit allen zuständigen Stellen zu halten.

21.36 Uhr: Der britische Außenminister Boris Johnson äußert sich „zutiefst schockiert“ und „traurig“ über die tödlichen Schüsse in München. „Meine Gedanken sind bei den Opfern, deren Liebsten und ganz Deutschland zu dieser Zeit“, schreibt Johnson auf Twitter.

21.39 Uhr: Die Polizei ruft auf Twitter zu Mäßigung auf: Man solle sich mit Spekulationen zurückhalten. „Damit würdet Ihr uns sehr unterstützen.“

21.45 Uhr: Es halten sich keine Kunden in dem Münchner Einkaufszentrum mehr auf, teilt die Polizei mit.

21.46 Uhr: Die Polizei hat bislang keinen Hinweis auf einen islamistischen Hintergrund. „Dafür ist es viel zu früh“, sagt ein Sprecher. Die Polizei spricht von einer „akuten Terrorlage“. Sie veröffentlicht die Telefonnummer der zentralen Auskunfts- und Vermisstenstelle für Angehörige: 0800 7766350.22.07 Uhr: Nach dem Attentat sind Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) in der Einsatzzentrale bei der Polizei eingetroffen.

22.12 Uhr: Die Polizei hat Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern angefordert, darunter die GSG9 der Bundespolizei.

22.27 Uhr: Die Polizei meldet: „Die Zahl der Toten steigt auf 8.“, später werden es zehn

1:27 Uhr: Die Polizei gibt "vorsichtige Entwarnung"

2:20 Uhr: Bei einer Pressekonferenz gibt es vollständige Entwarnung. Es habe sich um einen Einzeltäter gehandelt, der tot sei.

dpa-Reporter berichteten von Panik in Teilen der Stadt. Nach der Sperrung des Hauptbahnhofs seien die Menschen über die Gleise geflohen.

Der öffentliche Nahverkehr - U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen - wurde in der Stadt für mehrere Stunden komplett eingestellt, auch der Zugverkehr stand still. Der Münchner Hauptbahnhof wurde evakuiert, Ärzte und Schwestern wurden in die Krankenhäuser gerufen. Restaurants in der Innenstadt schlossen aus Sicherheitsgründen. Mittlerweile rollt der Verkehr aber wieder - zumindest größtenteils.

Der Verkehr in Nortorf kam teilweise zum Erliegen.
Die Täter sind auf der Flucht. Foto: dpa

Dieses Video soll die Schießerei zeigen, die Schüsse sind zu hören. Geteilt wurde es in den sozialen Netzwerken, bestätigt ist die Echtheit aber noch nicht:

Die Landeshauptstadt forderte die Bürger nach den Schüssen zunächst per Smartphone-Warnsystem Katwarn auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Facebook aktivierte den „Safety Check“ („Sicherheitscheck“) für München. Damit können Bewohner darüber informieren, dass sie in Sicherheit sind. Etliche Münchner twitterten den Hashtag #OffeneTür, um anderen Menschen Unterschlupf zu gewähren.

Die Polizei hat nach der Schießerei den Zugang zur U-Bahnstation Olympia-Einkaufszentrum in München abgesperrt.  
Die Polizei hat nach der Schießerei den Zugang zur U-Bahnstation Olympia-Einkaufszentrum in München abgesperrt.   Foto: Karl-Josef Hildenbrand
 

Vor Journalisten sprach Polizeipräsident Andrä vom bisher schwersten Tag seiner Karriere. „Das Geschehen von gestern Abend und heute Nacht macht uns traurig, sprachlos, und die Gedanken sind insbesondere jetzt auch bei den Opfern“, sagte er. Auch via Twitter bekundete die Polizei ihre Anteilnahme:

Die Reaktionen aus der Politik:

Die Tat sei umso schwerer zu verkraften, als sie in eine Zeit der Schreckensnachrichten falle, sagte Kanzlerin Angela Merkel. Sie verwies auf die Terrorattacke mit einem Lastwagen in Nizza vor gut einer Woche und auf den "unfassbar grausamen Axtangriff in einem Zug bei Würzburg" in dieser Woche. Merkel erinnerte aber auch an viele Gesten der Hilfsbereitschaft von Bürgern in München. Es sei angesichts der Beileidsbekundungen aus anderen Ländern "gut zu wissen, dass es auch unter Völkern diese Solidarität gibt"

Die bayerische Landesregierung will nach dem Amoklauf die Polizei besser ausstatten, wie Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nach einer Sondersitzung des Kabinetts in München sagte. "Die Bevölkerung kann sich darauf verlassen, dass wir als politisch Verantwortliche alles Erdenkliche tun werden, um unsere Bevölkerung zu schützen." Seehofer ließ durchblicken, dass es mehr Geld für die Polizei geben soll - sowohl für zusätzliche Stellen als auch neue und bessere Ausrüstung. Am Freitagabend waren etwa 2300 Polizisten im Einsatz gewesen, darunter auch die Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei.

Am kommenden Samstag wird es im Münchner Maximilianeum einen gemeinsamen Trauerakt des Landtags, der Landesregierung und der Stadt München geben. Seehofer sagte den Staatsempfang zum Beginn der Bayreuther Festspiele am Montagabend ab. Dies gebiete der Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen, sagte er.

Bundespräsident Joachim Gauck äußerte sich bestürzt: „Der mörderische Angriff in München entsetzt mich zutiefst.“ In Gedanken sei er bei allen Opfern und bei allen, die um einen geliebten Menschen trauerten oder fürchteten. Kanzleramtsminister Peter Altmaier sagte im ZDF: „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Terroristen ihr Ziel erreichen, nämlich unsere Gesellschaft zu verunsichern.“ Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer ordnete nach dem Attentat für Samstag Trauerbeflaggung an allen staatlichen Dienstgebäuden an.

Mit Trauer und Entsetzen haben auch Politiker im Norden auf die Tat reagiert. Der Kieler Innenminister Stefan Studt (SPD) schrieb am Samstag: „In diesem Moment sind wir mit unseren Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen.“ Der Angriff sei eine „menschenverachtende Tat“ gewesen, die er aufs Schärfste verurteile.

Studt betonte, in Schleswig-Holstein sei die Sicherheitslage unverändert. Die Landespolizei und der Verfassungsschutz stünden in engem Austausch mit den Sicherheitsbehörden auf Länder- und Bundesebene, um kurzfristig auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können. „Es besteht weiterhin eine hohe abstrakte terroristische Gefährdungslage, konkrete Hinweise auf Anschlagsplanungen liegen gegenwärtig jedoch nicht vor.“

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) reagierte ebenfalls entsetzt auf den Anschlag in München. „Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer und Verletzen“, twitterte sie am Samstag. München liege 800 Kilometer von Hamburg entfernt, „aber wir sind uns so nahe, dass uns nichts trennen kann. Unsere Freiheit kann uns niemand nehmen!“ Der SPD-Bundesvize und Kieler Fraktionschef Ralf Stegner äußerte über Twitter sein Mitgefühl. Die letzten Wochen seien bedrückend gewesen - „viele unschuldige Menschen verletzt und getötet“. Stegner lobte ausdrücklich die Münchner Polizei. Dies sei ein sehr professioneller Großeinsatz der Polizeikräfte gewesen.

Erst am Montagabend hatte ein 17-jähriger Flüchtling mit einer Axt und einem Messer vier Touristen aus Hongkong in einem Regionalzug bei Würzburg schwer verletzt. Auf seiner Flucht aus dem Zug griff er zudem eine Spaziergängerin an. Einsatzkräfte erschossen den Jugendlichen. Offenbar hatte die Tat einen islamistischen Hintergund.

In den vergangenen fünf Jahren gab es in Deutschland mehrere aufsehenerregende Anschläge, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden. Im Folgenden einige Beispiele:

Anschläge in Deutschland

Juli 2016: Mit Axt und Messer bewaffnet geht ein 17-jähriger Flüchtling aus Afghanistan in einer Regionalbahn bei Würzburg auf Fahrgäste los. Fünf Menschen werden verletzt, einigen von ihnen lebensgefährlich. Polizisten erschießen den Attentäter, der sich in einem Video als Kämpfer der Terrormiliz IS bezeichnete.

April 2016: Nach einer indischen Hochzeit verüben zwei junge mutmaßliche Salafisten aus Gelsenkirchen einen Bombenanschlag auf ein Gebetshaus der Sikhs in Essen. Drei Menschen werden verletzt. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um einen gezielten Angriff mit terroristischem Hintergrund handelte.

Februar 2016: Bei einer Kontrolle am Hauptbahnhof Hannover verletzt eine 15 Jahre alte Deutsch-Marokkanerin einen Bundespolizisten lebensgefährlich mit einem Messer. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft war die Attacke eine «Märtyreroperation» für die Terrororganisation Islamischer Staat (IS).

März 2011: Ein junger Kosovo-Albaner erschießt auf dem Flughafen Frankfurt/Main zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer. Der Mann gilt als extremistischer Einzeltäter. 2012 wird er zu lebenslanger Haft verurteilt.

 
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erstellt am 23.Jul.2016 | 19:40 Uhr

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