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Panorama

09. Dezember 2016 | 01:09 Uhr

Apfelernte im Norden : Äpfel sind so süß und lecker wie lange nicht mehr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Obstbauern in SH können sich über große und qualitativ gute Früchte freuen. Die Preise für Verbraucher bleiben stabil.

Hohenhorst | Das muss jetzt einfach sein. Beherzt greift sich Wilfried Plüschau einen Red Prince von einem seiner Bäume, beißt herzhaft zu und lacht. „Qualität gut, Geschmack gut“, sagt der Obstbauer aus Hohenhorst (Kreis Pinneberg). Denn in diesem Jahr kann er sich wie alle Obstbauern in Schleswig-Holstein über eine besonders gute Ernte freuen.

Grund ist das günstige Klima, das die Äpfel besonders gut reifen ließ – und zwar alle Sorten, wie Plüschau sagt. Während der Blüte Mitte Mai habe es keine Fröste gegeben, die Zellen in den Äpfeln hätten sich gut bilden können. Und die seien entscheidend für den Geschmack. „Und der für den Menschen eher schlechte Sommer war gut für den Apfel“, sagt Plüschau. Denn es sei immer wieder feucht, die Temperaturen aber ausreichend warm gewesen. „So ist das optimal für das Kernobst.“

Schmackhaftere Äpfel für den gleichen Preis

Dadurch hat Plüschau weniger Ausschuss als in den vergangenen zwei Jahren, die „nicht auskömmlich waren“. Dort seien viele Äpfel wegen unzureichender Qualität zu Apfelsaft verarbeitet worden. „Weil die Lager voll sind, ist der Preis im Keller. Umso besser, dass wir jetzt die meisten Äpfel in den normalen Verkauf bringen können.“ Und der geht in die Läden in der Umgebung – aber auch nach ganz Europa. 1400 Tonnen Äpfel produziert Plüschau im Jahr.

Für die werden die Verbraucher in etwa das bezahlen müssen, was sie auch im vergangenen Jahr für die Früchte ausgeben mussten. „Dafür bekommen sie aber einen Apfel, der besser schmeckt“, verspricht Plüschau, der gerade mit der Ernte begonnen hat. Die wird noch bis November dauern. Schon jetzt fahren die zehn fest Angestellten und noch einmal so viele Erntehelfer mit ihren Treckergespannen den ganzen Tag lang über den Hof in der Haseldorfer Marsch.

Gut gereift und besonders lecker sind die Äpfel in Schleswig-Holstein – wie hier der Red Prince auf dem Hof von Wilfried Plüschau.
Gut gereift und besonders lecker sind die Äpfel in Schleswig-Holstein – wie hier der Red Prince auf dem Hof von Wilfried Plüschau. Foto: Michael Ruff (2)
 

Mit 45 Hektar Anbaufläche allein für Äpfel gehört Plüschau zu den Großbetrieben. Dazu ist der 66-Jährige Vorsitzender der Landesgruppe der Obstbauern in Schleswig-Holstein sowie Chef einer Erzeugergemeinschaft und überblickt so den ganzen Markt. Auf seinem Hof türmen sich die Kisten für die frischen Äpfel. Die meisten Früchte haben einen Durchmesser zwischen 70 und 90 Millimetern. „So wie es sein soll“, sagt Plüschau und nimmt noch einmal prüfend einen in die Hand.

Trend geht zu süßeren Äpfeln

Ob es für ihn auch finanziell ein gutes Apfeljahr wird, das weiß er erst 2017, dann wenn er sein Obst komplett verkauft hat. Denn einen Teil der Äpfel lagert er ein, bei einem Grad Celsius und nur 1,2 Prozent Sauerstoff. „So hält man sie eben am Leben – aber frisch schmecken sie natürlich immer noch am besten“, sagt Plüschau.

Das Problem der Obstbauern sei, dass sie viel im Voraus planen müssten. „Ein Baum trägt 15 Jahre wirklich gut – ich muss also jetzt schon berechnen, was die Kunden in ein paar Jahren wollen. Und das ist schwer, da kann man mit einer Investition auch mal daneben liegen.“ Im Moment gehe der Trend zu süßeren Äpfel, die seien auch international gefragt.

Zur Zeit macht Plüschau das Obst aus Osteuropa Sorgen. „Die Polen haben viel für den russischen Markt produziert – aber das kommt wegen des Embargos jetzt zu uns. Dazu entstehen im Osten riesige Anbaugebiete. Und mit den Lohnkosten können wir hier nicht mithalten – gerade weil bei uns fast alles Handarbeit ist.“ Deswegen versucht auch Plüschau, sich breiter aufzustellen, am Ende seiner Apfelplantage stehen viele Kirschbäume, die er überdachen will. „So kann ich mit einem Geschäftszweig einen anderen ausgleichen.“

Dass es aber immer deutsche Äpfel geben wird, davon ist der Obstbauer überzeugt. Allerdings irritiert ihn schon, dass manche Kinder, die zum Tag des offenen Hofes zu ihm kommen, nicht mal wissen, wie ein Apfel aussieht. „Der Absatz hat ein bisschen nachgelassen, auch weil die Verbraucher lieber mal zu exotischerem Obst greifen.“ Doch das hat bei Plüschau keine Chance, bei ihm zu Hause kommt viel Apfelmus auf den Tisch. „Das passt zu allem“, meint er. Und: „Beißen Sie doch mal in so eine Sternfrucht – die schmeckt doch nach nichts.“ Spricht’s und pflückt sich noch einen Apfel vom Baum – sein fünfter an diesem Tag.

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erstellt am 10.Sep.2016 | 20:30 Uhr

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