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Panorama

05. Dezember 2016 | 13:42 Uhr

Segeltörn auf den Philippinen : Abu Sayyaf ermordet deutsche Seglerin – Ehemann entführt

vom

Extremisten überfallen die Jacht „Rockall“. Das Ehepaar wurde 2008 schon einmal entführt – in Somalia.

Manila | Muslimische Extremisten haben auf den Philippinen ein deutsches Seglerpaar überfallen. Sie ermordeten am Wochenende die 59 jährige Frau an Bord der Jacht, den 70 Jahre alten Mann entführten sie. Die Terrororganisation Abu Sayyaf bekannte sich zu der Tat. Der Mann flehte in einem von den Islamisten arrangierten Gespräch mit einer Zeitung um Hilfe. Das Auswärtige Amt in Berlin bemüht sich um Aufklärung.

Abu Sayyaf ist für die verheerendsten Terrorangriffe auf den Philippinen verantwortlich. Die Gruppe kämpft im muslimischen Süden der sonst überwiegend katholischen Philippinen für einen eigenen Staat. Sie hat der in Syrien und im Irak aktiven Terrormiliz Islamischer Staat die Treue geschworen.

Der Entführte und seine Partnerin waren bereits 2008 einmal von ihrer 16-Meter-Jacht „Rockall“ entführt worden. Damals verschleppten Piraten sie vor der Küste von Somalia. Wie der Mann dem Portal „yacht.de“ ein Jahr später berichtete, wurden sie mehr als sieben Wochen festgehalten und terrorisiert, unter anderem durch simulierte Erschießungen. „Wir würden das nicht noch einmal mitmachen, wir würden uns lieber erschießen lassen“, sagte er in dem Interview.

Er reiste aber ein Jahr später zurück nach Somalia, um seine völlig ausgeplünderte Jacht wieder fit zu machen. Wie er damals sagte, lebte er schon seit mehr 30 Jahren auf einem Boot. Dort seien auch seine Kinder geboren und aufgewachsen. Nach Deutschland habe er praktisch keine Verbindungen mehr.

Aus den Angaben von Militärsprecher Filemon Tan und des Abu Sayyaf-Sprechers ergibt sich folgender Tathergang: die Extremisten bringen die Jacht im Meer zwischen dem malaysischen Teil der Insel Borneo und den Philippinen in ihre Gewalt. Die Frau leistet Widerstand und bedroht die Entführer mit der Waffe. Die Extremisten bringen sie um. Sie verschleppen den Mann. Einheimische finden die Jacht am Sonntag, mit der Leiche der Frau an Bord, vor der Provinz Sulu. Die Leiche zeigt Gewalteinwirkung und Schussverletzungen. Von dem Mann und den Entführern fehlt jede Spur.

Berüchtigt ist Abu Sayyaf seit der Entführung von Touristen aus einem malaysischen Taucherparadies vor 16 Jahren. Darunter war die deutsche Familie Wallert, die erst nach wochenlangem Nervenkrieg im Dschungel freigelassen wurde. Vor zwei Jahren hat die Gruppe ein Seglerpaar aus Hessen verschleppt und nach sechs Monaten freigelassen. Nach Angaben der Extremisten wurde Lösegeld gezahlt. Weder die Bundesregierung noch die philippinische Regierung habe das je bestätigt. Im Frühjahr hat Abu Sayyaf zwei Kanadier ermordet, weil nach ihren Angaben kein Lösegeld floss. Ein Norweger kam dagegen kurz darauf frei.

Eine Lösegeldforderung für den Deutschen ging zunächst nicht ein. In dem Telefongespräch mit der Zeitung ließ der Abu Sayyaf-Sprecher einen Mann mit deutschem Akzent an den Hörer: „Piraten haben unser Boot gekapert“, sagte der nach Angaben der Zeitung, und er habe die deutsche Botschaft um Hilfe gebeten. Das Militär habe in der Region die Fahndung nach den Entführern aufgenommen, sagte ein Sprecher.

Schon häufiger endeten Reisen für deutsche Urlauber in einem Alptraum – einige Beispiele:

Philippinen, April 2014

Die Terrorgruppe Abu Sayyaf entführt ein deutsches Seglerpaar. Die Kidnapper fordern vier Millionen Euro. Ein halbes Jahr später kommen die Geiseln frei.

Kolumbien, November 2012

Rebellen der „Nationalen Befreiungsarmee“ (ELN) kidnappen zwei deutsche Rentner. Sie waren in einem Geländewagen durch Lateinamerika gereist. Vier Monate später kommen sie frei.

Äthiopien, Januar 2012

Beim Überfall auf eine internationale Reisegruppe im Nordosten Äthiopiens kommen fünf Touristen ums Leben, darunter zwei Deutsche. Zwei weitere Deutsche werden entführt. Im März kommen sie wieder frei.

Ägypten, September 2008

19 Teilnehmer einer Wüstensafari, darunter fünf Deutsche, werden über den Sudan und Libyen in den Tschad verschleppt. Zehn Tage später kommen alle Geiseln frei.

Türkei, Juli 2008

Am Berg Ararat entführt die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK drei deutsche Bergsteiger. Knapp zwei Wochen später werden sie freigelassen.

Somalia, Juni 2008

Piraten überfallen das Segelboot eines deutschen Paares und verschleppen die beiden Urlauber. Im August bestätigt das Auswärtige Amt die Freilassung der beiden Deutschen. Es ist das gleiche Paar, das nun auf den Philippinen überfallen wurde.

Algerien, Anfang 2003

32 Touristen, darunter 16 Deutsche, werden von Islamisten verschleppt. Eine Deutsche stirbt beim Gewaltmarsch durch die Sahara. Im August endet das Drama für die letzten Geiseln.

Malaysia, April 2000

Auf der Insel Sipadan überfallen muslimische Rebellen 21 Touristen, darunter die Göttinger Familie Wallert. Von dort werden sie nach Jolo (Philippinen) verschleppt. Der Sohn der Familie kommt im September als letzter frei.

 
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erstellt am 07.Nov.2016 | 09:54 Uhr

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