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Panorama

11. Dezember 2016 | 14:54 Uhr

Brasilianische Fußballmannschaft : 76 Tote bei Flugzeugabsturz in Kolumbien

vom

In dem Flugzeug saß das Erstliga-Fußballteam von Chapecoense. Die Piloten meldeten vor dem Absturz technische Probleme.

Bogotá | Ein aus Brasilien kommendes Flugzeug mit 81 Menschen an Bord ist in Kolumbien abgestürzt. Dabei sollen 76 Menschen getötet worden sein. Fünf Insassen hätten überlebt, sagte die Polizei am Dienstag. Der Leiter der Polizei Medellín, José Acevedo, teilte mit, dass aus dem Flugzeugwrack zunächst sechs Menschen lebend geborgen worden, eine Person sei aber auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben.

Die Karte zeigt den Absturzort des Flugzeugs:

Foto: Google/Google/dpa

Das Flugzeug stürzte im Nordwesten Kolumbiens ab. Die Luftfahrtbehörde teilte mit, dass die verunglückte Maschine vom Typ Avro RJ85 der bolivianischen Gesellschaft Lamia am Berg El Gordo in der Nähe der Ortschaft La Unión. Die Piloten hatten technische Probleme gemeldet.

<p>Die Grafik zeigt den Weg des Flugzeugs vom Start bis zum Absturzort. </p>

Die Grafik zeigt den Weg des Flugzeugs vom Start bis zum Absturzort.

Foto: dpa
 

Unter den 81 Menschen, darunter 72 Passagiere sowie neun Besatzungsmitglieder, an Bord der RJ85-Maschine der bolivianischen Fluggesellschaft Lamia befand sich das gesamte Fußballteam Chapecoense, das am Mittwoch in Medellín das erste Finale des Vereinswettbewerbs Copa Sudamericana gegen Atlético Medellín bestreiten sollte. Das Spiel wurde nach dem Unglück vom südamerikanischen Verband Conmebol abgesagt. Der Club war über Santa Cruz de la Sierra in Bolivien nach Kolumbien geflogen.

Zwei aus der abgestürzten Maschine geborgene Verletzte wurden in das Hospital der Ortschaft La Ceja gebracht, wie die Zeitung „El Colombiano“ online berichtete. Dabei handelt es sich um den Verteidiger Alan Ruschel von Chapecoense und eine Stewardess, teilten lokale Behörden mit. In der Ortschaft La Unión, 25 Kilometer vom Unglücksort entfernt, würden außerdem zwei Torhüter des brasilianischen Erstligisten behandelt, berichtete das Nachrichtenportal „Mi Oriente“.

Die Piloten des in Kolumbien abgestürzten Flugzeuges sollen vor dem Unglück Probleme mit der Elektronik der Maschine gemeldet haben. Das teilte die Flughafenbehörde von Medellín in der Nacht zum Dienstag unter Berufung auf den Kontrollturm über Twitter mit.

Polizisten hätten inzwischen die schwer zugängliche Unglücksstelle am Berg El Gordo in der Nähe der Ortschaft La Unión erreicht. Die Gegend sei wegen Nebels nur auf dem Landweg zu erreichen, nicht aus der Luft. Ein Rettungs-Hubschrauber der Luftwaffe habe seinen Einsatz abbrechen müssen.

Der Fußballclub Chapecoense stand im Schatten der großen brasilianischen Teams wie Flamengo aus Rio de Janeiro, war zuletzt aber sehr erfolgreich. Der 1973 gegründete Verein stammt aus Chapecó im Westen des südbrasilianischen Bundesstaats Santa Catarina, der stark von Einwanderern aus Deutschland und Italien geprägt ist. 2009 spielte der Verein noch in der vierten Liga und hat seither einen rasanten Aufstieg hingelegt, 2014 gelang der Aufstieg in die erste Liga, Serie A. Der Einzug in das Finale der Copa Sudamericana gegen Atlético Nacional aus Medellin war der bisher größte Erfolg - bisher sind dies fünf Titel im regionalen Wettbewerb Campeonato Catarinense.

Die Copa Sudamericana ist vergleichbar mit der Europa League. Im Halbfinale wurde San Lorenzo aus Argentinien ausgeschaltet, der Lieblingsclub von Papst Franziskus. Am vergangenen Sonntag verlor das Team gegen Palmeiras São Paulo mit dem früheren Bundesliga-Profi Zé Roberto (42) mit 0:1, Palmeiras sicherte sich dadurch vorzeitig den ersten Meistertitel seit 22 Jahren. Einer der bekanntesten Spieler in der Geschichte von AF Chapecoense ist der Deutsch-Brasilianer Paulo Rink, der später in der Bundesliga von 1997 bis 2002 auch für Bayer Leverkusen spielte und auch in der deutschen Nationalmannschaft zu einigen Einsätzen kam.

Der Flugzeugabsturz von AF Chapecoense ist nicht der erste, bei dem Profisportler ums Leben kamen. Das zeigt diese Chronologie:

Mai 1949

Eine Maschine mit der Mannschaft des italienischen Fußballmeisters FC Turin an Bord streift auf dem Rückflug von Lissabon bei Turin einen Kirchturm und stürzt ab. Alle 31 Insassen kommen ums Leben, darunter 15 Fußballer.

Februar 1958

Die Fußballmannschaft des englischen Clubs Manchester United stürzt auf dem Rückflug von einem Spiel bei Roter Stern Belgrad kurz nach einer Zwischenlandung in München ab. 23 Menschen sterben, darunter 8 Fußballer. 15 Insassen überleben, darunter Fußball-Legende Bobby Charlton und Trainer Matt Busby.

April 1961

7 Spieler des chilenischen Fußballclubs Grenn Cross sind unter den 23 Opfern des Absturzes einer DC-3 an den Hängen der Anden, etwa 160 Kilometer südlich von Santiago.

Januar 1966

7 Schwimmer der italienischen Nationalmannschaft kommen bei Bremen ums Leben, als eine Propellermaschine der Lufthansa nach einem abgebrochenen Landeversuch abstürzt.

Oktober 1972

Eine Maschine der uruguayischen Luftwaffe prallt in den chilenischen Anden gegen einen Berg. An Bord ist auch eine 40-köpfige
Rugby-Mannschaft aus Montevideo. Erst zehn Wochen später werden 16 Menschen gerettet. Sie überlebten auch durch Kannibalismus.

August 1979

14 Spieler und 3 Betreuer des usbekischen Fußballclubs Pachtakor Taschkent sterben bei einem Unglück über der Ukraine. Zwei sowjetische Maschinen waren zusammengestoßen.

Dezember 1987

Ein Flugzeug der peruanischen Marine stürzt vor der Küste von Lima ins Meer. Unter den 43 Todesopfern sind 16 Spieler der
Fußballmannschaft Alianza Lima, davon 4 Nationalspieler.

Juni 1989

Eine DC-8 der surinamischen Gesellschaft SLM streift beim Landeanflug auf Paramaribo einen Baum und zerschellt. Unter den 174 Toten sind 16 in den Niederlanden arbeitende Profifußballer, die in ihrer Heimat Wohltätigkeitsspiele bestreiten wollten.

April 1993

Auf dem Flug zu einem WM-Qualifikationsspiel im Senegal kommen alle Stammspieler der Fußball-Nationalmannschaft von Sambia ums Leben. Die Militärmaschine stürzte ins Meer.

September 2011

Eine Maschine mit dem Team der russischen Eishockey Liga KHL, Lokomotive Jaroslawl, stürzt nach dem Start ab. 44 Menschen sterben, darunter der deutsche Nationalspieler Robert Dietrich.

 
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erstellt am 29.Nov.2016 | 11:00 Uhr

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