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Panorama

04. Dezember 2016 | 19:27 Uhr

Überfahrt von Afrika nach Europa : 340 Bootsflüchtlinge ertrinken innerhalb von zwei Tagen im Mittelmeer

vom

Vier Schiffbrüche hat es gegeben. 27 Menschen konnten gerettet werden. 100 starben in nur einer Nacht.

Rom | Bei vier Bootsunglücken binnen zwei Tagen kamen im Mittelmeer nach Behördenangaben mehr als 340 Menschen ums Leben. „Die Schlepper nehmen keine Rücksicht auf die schlechten Wetterbedingungen“, sagte der Sprecher der internationalen Migrationsbehörde IOM, Flavio Di Giacomo, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Rom. „Überlebende haben uns berichtet, dass sie gezwungen wurden, in die Boote zu steigen, obwohl sie wegen des Wetters nicht wollten.“

Aus Schleswig-Holstein gibt es Hilfe für schiffbrüchige Flüchtlinge im Mittelmeer. Vom Tender „Werra“, der vor kurzem in seinen Heimathafen Kiel zurückkehrte, wurden 1821 Schiffbrüchige gerettet. Das Versorgungsschiff „Main“ der Deutschen Marine aus Eckernförde folgte dem Tender. Die Soldaten sind im Einsatz gegen Schleusernetzwerke im Mittelmeer.

Allein etwa 100 Menschen starben laut IOM und der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen bei einem Schiffsunglück in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Ärzte ohne Grenzen rettete 27 Menschen, insgesamt waren auf dem Boot 130 Menschen von Libyen aus nach Italien unterwegs. „Diese Tragödie ist einfach unerträglich“, schrieb die Organisation auf Twitter.

Am Mittwoch seien 15 Menschen nach Catania auf Sizilien gebracht worden, deren Boot am Dienstag verunglückt war, berichtete Di Giacomo. Insgesamt seien 150 Menschen an Bord gewesen, die übrigen 135 starben vermutlich. Ein weiteres Boot ging in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch unter. Eine private Hilfsorganisation habe 23 Menschen gerettet, 99 gelten als vermisst. Bei einem vierten Unglück wurden 114 Menschen gerettet, eine Leiche wurde geborgen, fünf Menschen werden vermisst.

Die Bilanz im Vergleich zu 2015 ist dramatisch. Laut IOM bezahlten 2016 rund 1000 Menschen mehr als im Vorjahr die Flucht über das Mittelmeer mit ihrem Leben. Von insgesamt rund 4500 starben alleine 4000 auf der zentralen Route von Libyen oder Ägypten nach Italien, wie Di Giacomo berichtete.

Italien ist eines der Hauptankunftsländer für Flüchtlinge. Allein im Oktober erreichten 27.500 Menschen, so viele wie nie zuvor in einem Monat, die Küsten, wie die EU-Grenzschutzbehörde Frontex am Mittwoch mitgeteilt hatte. Im September waren es gerade mal halb so viele. Als Grund dafür nannte Frontex das bessere Wetter im Oktober, was Schlepper dazu bewegt habe, noch mehr Menschen auf die teils schrottreifen Boote zu treiben. Insgesamt kamen 2016 bislang 160.000 Migranten in Italien an, 13 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Dabei scheint das Schicksal der Flüchtlinge den Menschen in Ländern wie Libyen zunehmend egal zu sein. „Die Menschen kümmert das Thema Migration nicht mehr so wie vorher, sie haben keine Lust mehr, sich mit dieser Krise auseinanderzusetzen“, sagte der Sprecher des libyschen Halbmondes Fausi Abdel Aal der Deutschen Presse-Agentur in Misrata. „Die Schlepper machen weiter und schicken Menschen raus aufs Meer.“

Mindestens 10.000 Menschen sind seit 2014 bei der Flucht über das Mittelmeer nach Europa ertrunken. Und die Todeszahlen steigen. Aus dem „Mare Nostrum“, wie es die Römer nannten, sei ein „Mare Monstrum“ geworden, schreibt etwa Prinz Asfa-Wossen Asserate in seinem Buch „Die neue Völkerwanderung - Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten“. Die Wahrscheinlichkeit, bei der Überfahrt von Afrika den Tod zu finden, liege mittlerweile bei 1 zu 23.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 15:34 Uhr

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