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Panorama

02. Dezember 2016 | 19:18 Uhr

Jahresbericht zur Rauschgiftkriminalität : 2015 fast 20 Prozent mehr Drogentote

vom

Den stärksten Anstieg verzeichnen Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und das Saarland. 84 Prozent der Opfer sind Männer.

Berlin | Mehr Drogenhandel, mehr Drogenkonsum, mehr Drogentote - nach Jahren des Rückgangs nimmt die Sorge über die Rauschgiftkriminalität in Deutschland wieder deutlich zu. 2015 sind nach offiziellen Zahlen 1226 Menschen an ihrem Drogenkonsum gestorben, rund 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Die registrierten Drogendelikte stiegen um zwei Prozent auf 282.600 Fälle. Dies geht aus dem Jahresbericht 2015 zur Rauschgiftkriminalität hervor, den die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), und der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, am Donnerstag in Berlin vorstellten.

Heroin, Kokain, Amphetamine, Legal Highs und Crystal Meth: Der Konsum harter Drogen sorgt für steigende Opferzahlen in Deutschland. Der Kampf gegen die Einfuhr und den Verkauf der illegaler Drogen läuft auf Hochtouren – doch sie finden ihren Weg zum Konsumenten.

2014 war die Zahl der Drogentoten um drei Prozent auf 1032 gestiegen. Ein Jahr zuvor waren es 1002 Drogentote, 2012 noch 944. In den drei Jahren davor waren die Zahlen rückläufig. Die meisten Drogentoten hatte es 2014 in den bevölkerungsreichsten Bundesländern Nordrhein-Westfalen (184) und Bayern (252) gegeben. Bei den Todesfällen je 100.000 Einwohner waren die Stadtstaaten Berlin (3,7), Hamburg (3,0) und Bremen (2,9) am stärksten belastet.

Den stärksten Anstieg bei den Drogentoten im vergangenen Jahr gab es jedoch in Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und dem Saarland. Auch in Berlin und Bayern gebe es deutlich mehr Drogenopfer. Unter den Toten im vergangenen Jahr seien 84 Prozent Männer. Das entspreche in etwa der Verteilung unter den Drogenabhängigen in Deutschland, sagte Mortler.

Zudem nahm der Drogenhandel sowie der Konsum harter Drogen insgesamt wieder erheblich zu. Bei den klassischen harten Drogen Heroin und Kokain sei 2015 ein Anstieg der Erstkonsumenten von 15 Prozent beziehungsweise 7 Prozent registriert worden, nach zuvor jahrelanger rückläufiger Entwicklung. Insgesamt erhöhte sich die Zahl der erfassten Erstkonsumenten harter Drogen um rund 4 Prozent auf 20.890. Auch künstlichen Drogen wie Crystal Meth bleiben weiter eine Herausforderung, insbesondere in den Grenzregionen zu Tschechien, erläuterte Münch. Die Zahl der Menschen, die im vergangenen Jahr an Crystal starben, sei um 26 Prozent gestiegen.

Um die Neuen Psychoaktiven Substanzen, sogenannte Legal Highs, besser in den Griff zu bekommen, sollen in Zukunft nicht mehr nur einzelne Wirkstoffe verboten werden, sondern ganze Stoffgruppen. Das erleichtere die Feststellung, ob Rauschmittel noch legal sind oder schon die Grenze zur Illegalität und damit zur Strafbarkeit überschritten haben. In der kommenden Woche wolle die Bundesregierung ein entsprechendes Gesetz auf den parlamentarischen Weg bringen.

Der Grünen-Suchtexperte Harald Terpe forderte die Bundesregierung auf, ihre Drogenpolitik zu ändern. „Die Verbotspolitik ist gescheitert“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Drogentote sind Opfer der herrschenden repressiven Drogenpolitik. Wer abhängig ist, braucht Hilfe und keine Strafverfolgung.“ Die Grünen hatten zur Legalisierung von Cannabis im vergangenen Jahr einen Gesetzentwurf vorgelegt.

Derweil wurde ein riesiger Kokain-Fund aus den Niederlanden bekannt. Rund 2,9 Tonnen mit einer Empfangsadresse in Nordrhein-Westfalen hatten Zollfahnder am 11. März im Hafen von Rotterdam entdeckt. Es geht um einen Straßenverkaufswert von etwa 100 Millionen Euro, wie das Zollfahndungsamt Essen jetzt mitteilte.

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erstellt am 28.Apr.2016 | 11:00 Uhr

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