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Netzwelt

25. September 2016 | 09:09 Uhr

Müllers Netzwelt : Zuschauen vom Spielfeldrand

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Deal zwischen Bundesnetzagentur und Telekom macht es alternativen Glasfaserprojekten schwer.

Katerstimmung bei den Wettbewerbern, knallende Champagnerkorken bei der Telekom. Die Bundesnetzagentur hat entschieden. Die Bundesregierung will 2018 eine flächendeckende Versorgung mit 50 Mbit/s ermöglichen. Die Zeit wird langsam knapp.

Nun hat die Bundesnetzagentur mit der Deutschen Telekom einen Deal umgesetzt, den viele vorher nicht für möglich gehalten hätten. Die Telekom erhält nahezu ein Monopol für den Ausbau des sogenannten HVT-Nahbereichs mit VDSL-Vectoring-Technologie. Diese Nahbereiche sind mit Abstand die lukrativsten Standorte, weil man hier die meisten Kunden anschließen kann. Sprich: Gib mir die besten Bereiche als Monopol, dann baue ich dir auch die besten Standorte auf dem Land aus. Die schlechten können dann mit Hilfe von Fördergeldern erschlossen werden. Dass sich in diesem Zusammenhang wohl nur noch wenige alternative Netzbetreiber finden werden, die diese Standorte erschließen wollen, kommt ja vielleicht auch der Telekom zu Gute.

Leider setzt jetzt ein zweiter Effekt ein: Die meisten Glasfaseranschlüsse werden derzeit von alternativen Anbietern eigenwirtschaftlich umgesetzt. Durch den engen Zeitplan und der Tatsache, dass auch die Förderprogramme als Ausbauziel 2018 haben, werden die Baukosten wohl in die Höhe schießen. Das kann alternative Glasfaserprojekte wirtschaftlich gefährden und dazu führen, dass der Ausbau zu Gunsten des marktbeherrschenden Unternehmens abgewürgt wird.

Das ist eine Industriepolitik auf Kosten des Wettbewerbs, der Zukunft und gegen den Mittelstand. Unterm Strich bedeutet dies, dass das marktbeherrschende halbstaatliche Unternehmen das Monopol für die lukrativen Bereiche bekommt und dafür Fördermittel (Steuergelder) für die unwirtschaftlichen Gebiete erhält. Der Wettbewerb ist Zuschauer.

> Dirk Müller ist Breitband-Experte.

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erstellt am 16.Sep.2016 | 18:07 Uhr

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