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Netzwelt

08. Dezember 2016 | 05:18 Uhr

Fligges Netzwelt : Zurücklehnen, machen lassen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gipfel der Faulheit oder purer Narzissmus? Programme übernehmen das „Liken“ und „Folgen“ im Netz.

Das war schon seltsam: Vor einer Woche habe ich seit gefühlt einem Jahr mal wieder eine Nachricht auf Twitter abgesetzt. Das ist jetzt nicht wirklich außergewöhnlich, weil die Lust aufs Twittern bei mir immer phasenweise kommt – ähnlich wie die auf Nuss-Schokolade. Seltsam war, dass ich aus dem Nichts mit meinem Tweet sieben junge Damen als Abonnenten „gewinnen“ konnte. Alle jung und gut aussehend. Alle mit sehr ähnlich aufgebauten Profilbeschreibungen. Dass hier keine Menschen hinter den Profilen stecken, sondern automatisierte Twitter-Accounts, ist offensichtlich.

Nun hat mich das aber neugierig gemacht. Seit Kindheitstagen fasziniert mich die Vorstellung, die Arbeit eine Art Klon meiner selbst erledigen zu lassen und stattdessen dem Müßiggang zu frönen. Was ist mit meinem digitalen Ich? Müsste es nicht zumindest dafür einen Schergen aus einigen Code-Zeilen geben, der mir die Arbeit abnimmt?

Eine oberflächliche Internetrecherche – was soll man dazu auch in Büchern finden? – führt schnell zu Ergebnissen. Dutzende Anbieter verkaufen Helfer für soziale Netzwerke. Mit „ManageFlitter“ finde ich eine Funktion, meine abonnierten Twitter-Kanäle auszumisten. Alle digitalen Karteileichen sind jetzt raus. Inaktive Accounts händisch herauszusuchen, hätte mich mehrere Tage gekostet.

Besonders interessant wird es beim Dienst „Instagress“ für das Fotonetzwerk Instagram. Hier wird die Klon-Fantasie wahr! Ab etwa 60 Cent pro Tag übernimmt der Dienst jede Interaktion. Theoretisch lassen sich automatisch alle auf Sylt aufgenommenen Bilder mit „Meine Lieblingsinsel für immer <3“ kommentieren. Beiträge mit dem Hashtag „#Fischbrötchen“? Liken!

Dann werde ich doch skeptisch. Wer hat das nötig? Was im Netz ist überhaupt noch echt? Welchem Like kann man heute noch vertrauen? Gegen den World-Wide-Web-Schmerz hilft nur eines: Nuss-Schokolade.

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erstellt am 04.Aug.2016 | 12:47 Uhr

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